Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Mieter nach Beleidigung fristlos gekündigt
Hannover Aus der Stadt Mieter nach Beleidigung fristlos gekündigt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 29.01.2016
Von Michael Zgoll
Wie das Amtsgericht urteilte, sei die fristlose Kündigung des Mieterpaares nach der Beleidigung ihrer Vermieterin rechtens. Quelle: Archiv
Anzeige
Hannover

Begonnen hatten die Unstimmigkeiten zwischen Mietern und Vermieterin im Januar 2015. Zu diesem Zeitpunkt lebte das Paar bereits sechseinhalb Jahre in dem Mehrfamilienhaus, die Kaltmiete für die 120-Quadratmeter-Wohnung betrug 850 Euro. Doch dann holte die Vermieterin eine Gewerbeauskunft ein. Resultat: Auf den Namen des Mediziners war eine Mediengesellschaft mit Adresse der Privatwohnung angemeldet. Die Frau forderte eine Auskunft ein, welche Räume er gewerblich nutze.

Die Antwort fiel deftig aus. Per Schreiben ließen die zwei Neurologen im Februar verlauten, das Einholen der Gewerbeauskunft erinnere sie an die Zeiten vor 80 Jahren - als die Nationalsozialisten an der Macht waren. Von gewerblicher Nutzung irgendwelcher Zimmer könne überhaupt keine Rede sein; allerdings sei das Verhalten der Vermieterin „unnormal“ und entspreche „entweder einem egoistischen Gewinnoptimierungsstreben“ oder einer „irrealen Wesensveränderung“.

Der Eigentümerverband Haus und Grund erwiderte, die Ärzte sollten es unterlassen, ihr Mitglied mit selbst gestellten Krankheitsdiagnosen zu konfrontieren und drohte rechtliche Schritte an. Im Sommer jedoch eskalierte der Streit. Die Seniorin ließ eine Abmahnung vom Stapel, wies darauf hin, dass die Wohnung nach wie vor gewerblich genutzt werde. In ihrer schriftlichen Replik sprachen die Doktoren von einer „unbelegten Unterstellung“, die auf einem „krankhaften Wahnverhalten“ der Vermieterin beruhe. Zehn Tage später hatte das Paar die fristlose Kündigung im Briefkasten. Doch räumen wollte es sein Domizil keineswegs.

Im Zivilprozess führten die Mediziner aus, ihre Anwürfe gegenüber der Vermieterin seien nicht als Beleidigung gemeint gewesen. Außerdem diene die Wohnung lediglich als Postanschrift für eigene Unternehmungen. Doch die Frage, inwieweit die Räume gewerblich genutzt werden, interessierte Richter Reinhard Wiehe in seinem Urteil schon nicht mehr. Ihm reichten die Beleidigungen als Grund für eine fristlose Kündigung aus. Die Äußerungen, die sich auf eine behauptete Krankheit der Seniorin beziehen, setzten diese in ihrer Würde herab. Sie seien der Hausverwaltung und den für die Vermieterin tätigen Rechtsanwälten in schriftlicher Form zugestellt worden; somit seien sie keineswegs aus einer spontanen Erregung heraus, sondern mit Bedacht getätigt worden.

Die Neurologen, die sich so gehörig im Ton vergriffen haben, sollen die Wohnung laut Urteil zum 31. März dieses Jahres räumen. Zwar sei die Lage auf dem Wohnungsmarkt bekanntermaßen angespannt, ließ Richter Wiehe wissen. Doch halte er die Räumungsfrist angesichts der „eher besseren“ wirtschaftlichen Verhältnisse des Medizinerpaars für durchaus vertretbar.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Besucher des Bürgerbüros im Regionshaus können mit dem eigenen Smartphone ab sofort kostenfrei im Internet surfen. Das Bürgerbüro an der Hildesheimer Straße 20 ist jetzt mit einem sogenannten Hotspot ausgestattet. Anbieter ist das hannoversche Telekommunikationsunternehmen HTP, das auch die sogenannte Störerhaftung übernimmt.

Mathias Klein 29.01.2016

Der Praxistest zeigt: Es funktioniert. In einer Modellklasse haben Berufsfachschüler an der BBS 11 jetzt eine engere Anbindung an Betriebe - und damit ans Erwerbsleben. Anstatt fünf Tage pro Woche sind die Jugendlichen nur noch drei Tage in der Berufsschule, die übrigen zwei Tage in einem Unternehmen.

Saskia Döhner 29.01.2016

Die Nachrichten aus Hannover und Niedersachsen auf einen Blick: Mit „HAZ live“ lesen Sie ab 6 Uhr alles Wichtige im Newsticker. Heute: Intendant Ingo Metzmacher stellt das Programm für die KunstFestSpiele in Herrenhausen vor, Gaby Köster stellt ihren Roman vor, und das Amtsgericht verhandelt gegen einen Beamten.

26.01.2016
Anzeige