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Mieter nach Beleidigung fristlos gekündigt

Prozess am Amtsgericht Mieter nach Beleidigung fristlos gekündigt

Ein Ärztepaar muss seine Fünf-Zimmer-Wohnung in Kirchrode räumen, weil es die Vermieterin über Gebühr beleidigt hat. Wie das Amtsgericht urteilte, ist eine von der Seniorin ausgesprochene fristlose Kündigung rechtens. Laut den Mietern leide die Frau unter „irrealen Wesensveränderungen“ und lege „krankhaftes Wahnverhalten“ an den Tag.

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Wie das Amtsgericht urteilte, sei die fristlose Kündigung des Mieterpaares nach der Beleidigung ihrer Vermieterin rechtens.

Quelle: Archiv

Hannover. Begonnen hatten die Unstimmigkeiten zwischen Mietern und Vermieterin im Januar 2015. Zu diesem Zeitpunkt lebte das Paar bereits sechseinhalb Jahre in dem Mehrfamilienhaus, die Kaltmiete für die 120-Quadratmeter-Wohnung betrug 850 Euro. Doch dann holte die Vermieterin eine Gewerbeauskunft ein. Resultat: Auf den Namen des Mediziners war eine Mediengesellschaft mit Adresse der Privatwohnung angemeldet. Die Frau forderte eine Auskunft ein, welche Räume er gewerblich nutze.

Die Antwort fiel deftig aus. Per Schreiben ließen die zwei Neurologen im Februar verlauten, das Einholen der Gewerbeauskunft erinnere sie an die Zeiten vor 80 Jahren - als die Nationalsozialisten an der Macht waren. Von gewerblicher Nutzung irgendwelcher Zimmer könne überhaupt keine Rede sein; allerdings sei das Verhalten der Vermieterin „unnormal“ und entspreche „entweder einem egoistischen Gewinnoptimierungsstreben“ oder einer „irrealen Wesensveränderung“.

Der Eigentümerverband Haus und Grund erwiderte, die Ärzte sollten es unterlassen, ihr Mitglied mit selbst gestellten Krankheitsdiagnosen zu konfrontieren und drohte rechtliche Schritte an. Im Sommer jedoch eskalierte der Streit. Die Seniorin ließ eine Abmahnung vom Stapel, wies darauf hin, dass die Wohnung nach wie vor gewerblich genutzt werde. In ihrer schriftlichen Replik sprachen die Doktoren von einer „unbelegten Unterstellung“, die auf einem „krankhaften Wahnverhalten“ der Vermieterin beruhe. Zehn Tage später hatte das Paar die fristlose Kündigung im Briefkasten. Doch räumen wollte es sein Domizil keineswegs.

Im Zivilprozess führten die Mediziner aus, ihre Anwürfe gegenüber der Vermieterin seien nicht als Beleidigung gemeint gewesen. Außerdem diene die Wohnung lediglich als Postanschrift für eigene Unternehmungen. Doch die Frage, inwieweit die Räume gewerblich genutzt werden, interessierte Richter Reinhard Wiehe in seinem Urteil schon nicht mehr. Ihm reichten die Beleidigungen als Grund für eine fristlose Kündigung aus. Die Äußerungen, die sich auf eine behauptete Krankheit der Seniorin beziehen, setzten diese in ihrer Würde herab. Sie seien der Hausverwaltung und den für die Vermieterin tätigen Rechtsanwälten in schriftlicher Form zugestellt worden; somit seien sie keineswegs aus einer spontanen Erregung heraus, sondern mit Bedacht getätigt worden.

Die Neurologen, die sich so gehörig im Ton vergriffen haben, sollen die Wohnung laut Urteil zum 31. März dieses Jahres räumen. Zwar sei die Lage auf dem Wohnungsmarkt bekanntermaßen angespannt, ließ Richter Wiehe wissen. Doch halte er die Räumungsfrist angesichts der „eher besseren“ wirtschaftlichen Verhältnisse des Medizinerpaars für durchaus vertretbar.

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