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Mieterin bleibt Vermieter 43 000 Euro schuldig

Villa in Anderten Mieterin bleibt Vermieter 43 000 Euro schuldig

Ein Jahre währender Streit zwischen dem Vermieter und der Mieterin einer Anderter Villa um Feuchtigkeits- und Schwarzstaub-Schäden ist völlig aus dem Ruder gelaufen. So waren in diesem Frühjahr knapp 43 000 Euro Rückstände an geminderter und schließlich gar nicht mehr gezahlter Miete aufgelaufen.

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Schimmel in Villa in Anderten, hier: ein Sofa mit seltsamer Verfärbung.

Quelle: privat

Hannover. Das Nässeproblem betraf vorwiegend den Keller, das sogenannte Fogging das erste Obergeschoss. Mehrere Gutachten wurden geschrieben, viele anwaltliche Briefe verschickt, beide Seiten sprachen Anfang 2016 Kündigungen aus. Schließlich lag das finanzielle Volumen, um das die Parteien wechselseitig stritten, bei 100 000 Euro.

Doch nun haben sich Vermieter und Mieterin am Amtsgericht auf einen Vergleich geeinigt. Mit dem Kompromiss unter Federführung von Richterin Ingrid Sue-Horn nehmen beide Seiten von ihren exorbitanten Forderungen Abstand - und zahlen jeweils 2000 Euro an das Aegidius-Haus Auf der Bult, das schwerbehinderten Kindern und ihren Eltern zur Seite steht.

Die Villa in Anderten ist durchaus repräsentativ, bietet acht Zimmer, vier Bäder, zwei Küchen sowie Keller und Terrasse. Die Monatsmiete für das 250-Quadratmeter-Anwesen lag bei 2600 Euro, inklusive fixer Nebenkosten. Den Vertrag unterzeichneten der Vermieter - selbst Architekt - und die Mieterin - Chefin einer Immobilienfirma - im Juni 2008. Doch das friedliche Miteinander währte nicht lange. Vor allem bei Starkregen zeigte das 1938 erbaute und 1991 modernisierte Haus Schwächen, war schlichtweg nicht mehr dicht.

Und so begann ein endloses Hin und Her. Mal beklagte die Maklerin stehendes Wasser in Kellerraum oder Bad, mal waren Wände durchfeuchtet und lösten sich Farbe und Putz, ein andermal tropfte Wasser in einen Glasanbau. Lange Zeit versuchte der Hausbesitzer alles Menschenmögliche, um der Feuchtigkeit Herr zu werden. Er erneuerte Drainagen sowie Abdichtungen und stellte Trocknungsgeräte auf. Ein Blower-Door-Test sollte Undichtigkeiten an der Fassade aufzeigen, Wischtests die Beschaffenheit des Schwarzstaubs ergründen helfen. Auch ließ der Architekt den Maler kommen und neuen Teppichboden verlegen. Doch weil sich immer wieder schwarze Schmiere und Feuchtigkeit zeigten, platzte der Maklerin Mitte 2013 der Kragen: Sie minderte die Miete um 520 Euro.

Eines von mehreren Gutachten, die in den folgenden zweieinhalb Jahren erstellt wurden, machte als Ursache für den Schwarzstaub Ausdünstungen aus einer Trittschalldämmung, gepaart mit Fettsäuren aus Lebensmitteln und „menschlicher Aktivität“ aus. Ob die Feuchtigkeit im Keller noch tolerabel ist, war heftig umstritten, auch über die Unterschiede des Lüftens im Sommer und im Winter tauschten sich die Experten aus. Dann schaltete die Mieterin, die sich in der Villa auch mit ihren Büroräumen niedergelassen hatte, endgültig auf stur: Von Februar 2015 bis zu ihrem Auszug im April 2016 zahlte sie überhaupt keine Miete mehr.

Der Vermieter machte vor Gericht die Mietrückstände geltend, doch die Maklerin konterte mit einem Bündel eigener Forderungen. Das reichte von der Demontage und der Neuinstallation der Büromöbel aufgrund des erzwungenen Umzugs über Schadensersatz für Polstermöbel, Kissenbezüge und Raffrollos, die durch die schwarze Schmiere unbrauchbar geworden seien. Auch verwies die Geschäftsfrau auf mögliche Gesundheitsschäden.

Der Vergleichsbereitschaft förderlich war sicherlich, dass ein Gutachter als nächsten Schritt „Bauteilöffnungen“ empfohlen hatte. Mittels des Freilegens der Kellerwände könne man möglicherweise ergründen, woher die Feuchtigkeit stammt und wie sie nachhaltig fernzuhalten ist. Zudem versuchte Richterin Sue-Horn mit viel Ausdauer, die Kontrahenten zu einer Einigung zu bewegen - ohne dass jemand sein Gesicht verliert. Dass sich dann sowohl Vermieter wie auch Mieterin zur Zahlung von je 2000 Euro für einen guten Zweck bereiterklärten, so die Amtsrichterin, habe sie schon gewundert: „Aber letztlich waren beide Parteien auch froh, das Verfahren endlich abschließen zu können.“

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