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Aus der Stadt Migranten zeigen Ausstellung im Pavillon
Hannover Aus der Stadt Migranten zeigen Ausstellung im Pavillon
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00:17 07.04.2017
Fremde Heimat: Zur Eröffnung ins Pavillon-Foyer kommen viele Gäste. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Es ist ein kalter Novembertag, an dem Fridon Kadir das erste Mal einen Fuß auf deutschen Boden setzt. Wenn er an die ersten Eindrücke des fremden Landes denkt, fällt ihm zuerst die totale Freiheit der Deutschen ein. 1984 flieht der 60-Jährige aus seiner Heimat Kurdistan. Nach zwei Jahren auf der Flucht wird er in Deutschland endlich sesshaft. Er heiratet seine Jugendliebe, gründet eine Familie - und kauft sich eine lang ersehnte Schreibmaschine. „Hier kann ich alles schreiben, ohne Angst zu haben“, sagt er.

Die Ausstellung

Termine: Bis zum 25. April ist die Ausstellung noch im Pavillon zu sehen. Danach wird sie vom 4. bis zum 31. Mai im Freizeitheim Vahrenwald und vom 4. bis zum 21. Juni in der Faust-Kunsthalle gezeigt. Letzte Station ist dann das Neue Rathaus vom 4. bis zum 16. Juli.

Fridon Kadirs Vergangenheit ist eine von 29 Geschichten, die seit gestern im Pavillon ausgestellt werden. In der Ausstellung „Neue Wurzeln“ porträtieren Autorin ­Katharina Sieckmann und Fotograf Micha Neugebauer Menschen, die in Hannover heimisch geworden sind. Die Gründe, warum sie ihr Herkunftsland verlassen haben, sind ebenso vielseitig wie die Menschen selbst. „Dabei ist jede Geschichte eine Quelle der Inspiration“, sagt Peyman Javaher Haghighi von MiSO, einem Netzwerk von Migrantinnenorganisationen, das das Projekt angeschoben hat.

Den deutschen Texten stehen immer Versionen in der jeweiligen Muttersprache der Porträtierten gegenüber. „Wir wollen den Besuchern dadurch die Perspektive eines Migranten vermitteln. Er kommt hierher, versteht die Sprache nicht und teilweise auch nicht einmal die Zeichen“, sagt Fotograf Micha Neugebauer.

Wegen der Liebe gekommen, wegen der Tochter und des Jobs geblieben

Für die Liebe verließ Zofia Jaskulska 2006 mit Tochter Michalina ­Polen. Bei ihrer Ankunft erlitt die Sozialarbeiterin zuerst einen Kulturschock. Vor allem die verschiedenen Religionen waren ihr fremd.„In Polen hatte niemand eine Kopfbedeckung“, sagt Jaskulska. Elf Jahre sind seitdem vergangen. Die Liebe ist verflogen, dennoch ist die 36-Jährige in Deutschland geblieben. „Ich hatte hier gerade meine Fortbildung als Sozialbetreuerin abgeschlossen, und auch meine Tochter hatte sich an Deutschland gewöhnt“, begründet sie ihre Entscheidung. Nach Polen würde sie dennoch zurückgehen. „Aber dann nur in eine Großstadt“, sagt Jaskulska.

Hilfe für die
 Landsleute

Deutschland – das Land der großen Technologien. Das Ziel des damals 20-jährigen Iya Mansour Souleymanou, als er 2006 aus Kamerun aufbricht, um hier Elektrotechnik zu studieren. Heute arbeitet er als Ingenieur in der Telekommunikation. Um Kameruner Studenten zu unterstützen, gründet er die Cameroonians of Hanover. „Wir wollen verhindern, dass die Fehler, die damals im Bezug auf Integration gemacht wurden, wiederholt werden“, sagt der 30-Jährige. Da er die Herausforderungen der Mi­granten im Studium kennt, könne er die Probleme seiner jungen Landsleute nachvollziehen.

Flucht vor dem Krieg,
 Einsatz für die Umwelt

Zehn Jahre lang hatte Fridon Kadir kaum Kontakt mit seiner Familie, als er aus seiner Heimat Kurdistan floh. Drei Jahre saß der damalige Student in Haft, weil er sich gegen die Politik im Nordirak auflehnte. Danach flüchtete er, bedroht vom Krieg zwischen dem Irak und dem Iran, in den er nicht ziehen wollte. In Hannover baute er sich ein neues Leben auf, heiratet endlich seine Jugendliebe und gründet eine Familie. Heute setzt der 60-Jährige sich für die Umwelt ein. Eigentlich wollte er immer Kunst studieren. „Aber nichts ist so gekommen, wie es geplant war“, sagt Kadir.

Von Madeleine Buck

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