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Aus der Stadt Mildes Urteil gegen Jugendspieler von Hannover 96
Hannover Aus der Stadt Mildes Urteil gegen Jugendspieler von Hannover 96
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00:15 29.05.2016
Prozess am Amtsgericht Stadthagen (von links): Mohamad D., Anwalt Benjamin Schmidt, Enes B., die Anwälte Klaus Rudolph und Fritz Willig sowie Marcel L.. Quelle: Michael Zgoll
Hannover/Stadthagen

Am Wochenende noch feierten sie im Kreis ihrer Mannschaftskameraden den Pokalsieg gegen Hertha BSC Berlin, gestern saßen drei U19-Spieler von Hannover 96 auf der Anklagebank des Amtsgerichts Stadthagen. Doch kamen die 19-Jährigen, die um ein Haar eine Spielhalle in Lauenau überfallen hätten, glimpflich davon. Richter Kai Oliver Stumpe verurteilte Enes B. und Mohamad D. nach Jugendstrafrecht zu je 40 Stunden gemeinnütziger Arbeit, auch müssen die beiden Fußballspieler je 300 Euro an das Kinderhospiz Löwenherz zahlen. Marcel L., der der Initiator der dilettantisch ausgeführten Aktion war, muss 50 Stunden gemeinnütziger Arbeit leisten und 500 Euro zahlen.

Drei Jugendspieler von Hannover 96 müssen sich vor dem Amtsgericht Stadthagen verantworten, weil sie einen Überfall auf eine Spielhalle geplant hatten.

Verurteilt wurden die drei zunächst wegen Diebstahls: Sie hatten in einer Februarnacht 2016 von zwei Autos in Lauenau jeweils ein Kennzeichen abgeschraubt – das andere Schild am ersten Wagen hatte geklemmt. Verurteilt wurden sie ferner wegen Urkundenfälschung: Sie montierten die Nummernschilder an den Audi von Marcel L.s Vater. Der noch bei den Eltern im Landkreis Schaumburg wohnende Mittelfeldspieler wurde zudem wegen unerlaubten Waffenbesitzes bestraft. Er hatte aus dem Waffenschrank der Familie – der Opa war Jäger – einen Schreckschussrevolver und ein Sammelsurium an Munition entnommen und zu Sturmhaube und Handschuhen in den Wagen gepackt. Ein Verfahren gegen den Vater wegen unerlaubten Waffenbesitzes war vor Kurzem gegen Zahlung einer Geldbuße von 1000 Euro eingestellt worden.

Die drei fuhren nachts mit dem Zug von Hannover nach Haste, starteten dort zu ihrer Tour nach Lauenau. Nach dem Kennzeichentausch parkten sie vor der Spielhalle, Mohamad D. warf auch einen Blick hinein, doch dann bekamen die Beinahe-Räuber kalte Füße und fuhren zurück nach Hannover. Auf der Vahrenwalder Straße wurden sie mit Tempo 75 geblitzt, in der Nordstadt stellten sie den Audi mit den zwei unterschiedlichen Nummernschildern im Halteverbot ab – was einer Polizeistreife ins Auge fiel.

Alle drei U19-Spieler legten gestern Geständnisse ab, machten einen sehr zerknirschten Eindruck. „Große Dummheit“, „Schnapsidee“, „Dämlichkeit“ – diese Begriffe fielen mehrfach im Saal. Ihr Nettoeinkommen als Fußballspieler liege zwischen 900 und 1000 Euro, erklärten sie – doch offenkundig reichte das Geld nicht aus. Bei Marcel L. kam auch noch Spielsucht hinzu. „Ich bin in Zockerkreise geraten“, gab er zu. Wie sein Verteidiger Fritz Willig sagte, habe sich der 19-Jährige aber bereits in therapeutische Behandlung begeben.

Der Richter hielt den 96-Spielern ihre Geständnisse bei Polizei und Gericht ebenso zugute wie die Tatsache, dass sie bereits je 58 Stunden gemeinnütziger Arbeit in einer Jugendeinrichtung abgeleistet haben. Auch habe sie das immense Medienecho sicher beeindruckt. Sie hätten großes Glück gehabt, sagte Stumpe, dass sie freiwillig vom Versuch des Raubüberfalls zurückgetreten seien, sonst wäre die Strafe viel härter ausgefallen. Hannover 96 habe „richtig und vorbildlich“ reagiert, den dreien nicht die Tür zu weisen; auch Trainer und Mannschaft hatten eine Lanze für die drei Spieler gebrochen. Im Vergleich zu vielen Gleichaltrigen seien die 19-Jährigen durchaus priviligiert, meinte der Richter; sie sollten ihre Chancen, Fußballprofis zu werden, nicht leichtfertig vergeben. Als vorbestraft gelten die drei mit dieser Verurteilung jedenfalls nicht.

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