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Aus der Stadt „Militante“ Eichhörnchen erobern Hannover
Hannover Aus der Stadt „Militante“ Eichhörnchen erobern Hannover
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07:25 04.08.2011
Jugendliche in Hannover haben Street-Art für sich entdeckt. Zum Beispiel Eichhörnchen-Basteln. Quelle: Nico Herzog
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Hannover

Manchmal kann Kunst ganz schön kompliziert sein. Aus Holzlatten, Graffitidosen und einem T-Shirt mit Anarcho-Zeichen wollen die 16-jährigen Rufus und Justin aus Hannover einen lebensgroßen Sprayer bauen, der an einer Wand in der Nähe der Haltestelle Glocksee Graffiti sprüht. Die Figur soll ein wenig für Verwirrung im Alltag sorgen, den tagsüber unsichtbaren Sprayern ein Gesicht geben, ein Akt der Kunst im öffentlichen Raum darstellen – doch der Kopf fällt immer wieder ab. „Wir könnten Bauschaum nehmen“, sagt Rufus und beschmiert die Unterseite von einem Ball mit Klebstoff. Doch der Kopfball fällt herunter, der Kinnkleber landet auf Justins T-Shirt. „Dann wohl besser Paketband.“

Die Sprayer-Skulptur ist am Mittwoch trotzdem fertig geworden, wie die meisten Projekte der mehrtägigen Street-Art-Workshops des Kunstvereins mit dem Titel „Streetart-Inseln“. Jugendliche arbeiteten in ihren Ferien dabei mit renommierten Künstlern aus dem Bereich zusammen: Sie gestalteten Graffiti an legalen Wänden, machten Aufkleber- und Schablonenarbeiten und fertigten Skulpturen wie eben den Sprayer mit Kopfball. „Wir haben uns zunächst mit Kunst im öffentlichen Raum beschäftigt“, erzählt die Künstlerin Anna Grunemann, die ihr Atelier an der Königsworther Straße für die Jugendlichen geöffnet hat. „Dann sind wir spazieren gegangen, haben Ideen gesammelt und sind los in den Baumarkt, um passendes Material zu finden“, erklärt die letztjährige Jahresstipendiatin des Landes Niedersachsen. Dann wurde gehämmert, gemalt, gesprayt.

Bei den Rundgängen entstanden erstaunliche Ideen. So fielen der 17-jährigen Johanna Bruns aus Bissendorf und der 19-jährigen Tatjana Ahle aus Bückeburg eine Litfasssäule mitten in einer wunderschönen Baumallee am Weddigenufer in die Augen. Sie wollten daraufhin die Bedrohung der Bäume durch den Menschen zum Thema machen. „Also haben wir Eichhörnchen aus Bauschaum und Alufolie gebaut, die mit Küchenmessern und Stockspeeren für ihren Lebensraum kämpfen und Parkbänke symbolisch umzingeln“, sagt Johanna. Die Eichhörnchen sollen fest mit Nylonschnur in den Bäumen am Ufer befestigt werden. „Die Natur schlägt zurück!“, sagt Tatjana und lacht.

Während die jungen Frauen mit ihren „militanten“ Eichhörnchen eine konkrete politische Forderung verbinden, ging es dem 15-jährigen Johannes Langner aus Linden und dem 16-jährigen Vincent Kaiser aus Vahrenwald eher um den Moment des Wunders im Alltag. „Wir wollten überraschen“, erklärt Johannes. Also haben sie eine Art Floß aus Styropor gebaut, das auf dem Wasser der Leine schwimmt. Auf dem Floß steht ein giftgrünes Bushaltestellenschild – für Kanufahrer dürfte dieser Busstopp tatsächlich überraschend sein.

An der Street-Art-Aktion im Rahmen der „Youth-uP“-Reihe haben fast 20 Jugendliche teilgenommen. Die Projektleiterin Andrea Gogl betont, dass die Teilnehmer dabei nicht nur Einblicke in die Kunstform bekommen haben, sondern auch mit dem Jugendschutz zum Beispiel über die Legalität von Kunst im öffentlichen Raum diskutiert haben. Mit den Ergebnissen ist sie sehr zufrieden. „Es ist toll, wie das Projekt angenommen wurde.“ Und auch Rufus ist vom Projekt und seinem Graffiti-Mann begeistert. „Andere gehen saufen, wir machen eben Street-Art.“ Manchmal kann Kunst auch ganz einfach sein.

Die Kunstwerke werden am Freitag, 11. August, vorgestellt. Dann bekommen Interessierte im Kunstverein an der Sophienstraße 2 eine Stadtkarte samt Street-Art-Objekten und können auf Entdeckungsreise gehen. Die Präsentation beginnt um 11 Uhr.

Jan Sedelies

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