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Kinderschänder muss knapp fünf Jahre in Haft

Missbrauch von Schüler Kinderschänder muss knapp fünf Jahre in Haft

Im Prozess um die Vergewaltigung eines Schülers in Belgien hat das Landgericht Hannover am Freitag das Urteil gesprochen: Der 22-jährige Angeklagte aus Hameln muss wegen schwerem sexuellen Missbrauch eines Kindes für vier Jahre und elf Monate in Haft. 

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"Martyrium, das man sich nicht vorstellen kann": Der Angeklagte aus Hameln im Gerichtssaal im Landgericht Hannover.

Quelle: Dröse

Hannover. Der 22-Jährige, der in Belgien einen elfjährigen Jungen missbraucht hat – gemeinsam mit dessen Vater –, ist vom Landgericht Hannover zu einer Haftstrafe von vier Jahren und elf Monaten verurteilt worden. Die Jugendkammer 3 kam zu dem Ergebnis, dass Yannick M. aus Aerzen (nahe Hameln) am schweren sexuellen Missbrauch eines Kindes mitgewirkt hat, in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. „Der Junge hat ein Martyrium erlitten, das man sich kaum vorstellen kann“, sagte der Vorsitzende Richter Ralf Busch bei der Urteilsverkündung. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren gefordert.

Die Kammer sah es als erwiesen an, dass M. unter dem Codenamen Johannes über ein anonymes Netzwerk im Internet Kontakt mit dem 45-jährigen Luc H. – alias Barbapapa – aufnahm und bereitwillig auf dessen Offerten einging, Sex jedweder Spielart mit seinem elfjährigen Sohn praktizieren zu können. Am 1. März 2015 fuhr der Aerzener in eine Wohnung nach Mechelen, wo er und der Vater den Schüler mehrfach oral und anal missbrauchten. Dabei zog sich der Junge Verletzungen zu, wurde zudem vom Vater geschlagen, als er seinen Ekel bekundete. Schon am Folgetag stellte Luc H. Fotos vom Missbrauch ins Netz – was letztlich dazu führte, dass ihm australische und belgische Fahnder auf die Schliche kamen. Derzeit sitzt der 45-Jährige in Untersuchungshaft.

Staatsanwältin, Verteidiger und das Gericht hielten dem 22-Jährigen zugute, dass er – wenn auch nur über eine Erklärung seines Anwalts – ein Geständnis abgelegt hatte und dem Opfer damit eine Vernehmung in Hannover erspart blieb. Auch sprach für den Angeklagten, dass er nicht vorbestraft ist, sich lange Jahre ehrenamtlich beim Roten Kreuz engagiert hat und ob seiner Tat Reue zeigte. Doch all dies hätte nicht verhindert, dass das Gericht auf eine Gefängnisstrafe von mehr als fünf Jahren entschieden hätte – wenn sich der Angeklagte nicht bereiterklärt hätte, dem Opfer einen materiellen Ausgleich für die erlittene Pein zu zahlen.

10.000 Euro sind bereits an den heute Zwölfjährigen überwiesen worden, der jetzt bei seiner Mutter lebt. Weitere 10 000 Euro sollen laut einem schriftlich fixierten Vergleich folgen. Das habe nichts mit Freikaufen zu tun, so Richter Busch. Allerdings habe Yannick M. damit gezeigt, dass er Verantwortung für seine Tat übernehme, und so habe dieses „friedensstiftende Signal“ zu einer Strafrahmenverschiebung geführt. Das Geld wird zum großen Teil von M.s Vater und Freunden der Familie aufgebracht; der Vater des Angeklagten wohnte den drei Verhandlungstagen im Landgericht reglos bei.

Beklemmend war, was Elif Gencay-Drews als Anwältin des Opfers zu berichten wusste. Der Junge besuche derzeit in Belgien eine spezielle Schule, an der etliche Psychologen und Therapeuten arbeiten. Weil der Zwölfjährige die Misshandlungen durch den Vater seit früher Kindheit kenne, glaube er, dass ein derartiger Missbrauch zum Leben dazugehöre. „Es fällt ihm schwer zu akzeptieren, dass so etwas keineswegs normal ist“, sagte Gencay-Drews. Auch Richter Busch konstatierte, dass „die sexuelle Entwicklung des Jungen sicher langanhaltend gestört sein wird“.

Der verurteilte Yannick M., so das Gericht, bedarf ebenfalls dringend einer Therapie. Ein Gutachter hatte dem 22-jährigen bescheinigt, in erheblichem Maße pädophile Neigungen zu hegen. Letztendlich aber, so Ralf Busch, sei dem Gericht nicht klar geworden, was den langjährigen Kinderporno-Konsumenten tatsächlich dazu bewogen habe, ein elfjähriges Kind leibhaftig zu missbrauchen – im Prozess hatte sich der Angeklagte nie persönlich zu seinen Beweggründen geäußert.

 

miz/iro/dpa

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