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Die schlimmsten Missgeschicke an Weihnachten

Leser und prominente Hannoveraner berichten Die schlimmsten Missgeschicke an Weihnachten

Weihnachten ist nicht nur eine Zeit der Besinnlichkeit, sondern auch der Fauxpas und kleinen Unfälle – über die man beim nächsten Fest schon wieder lachen kann. Etliche Leser haben uns ihre skurrilsten Erlebnisse geschrieben – und wir haben auch ein paar prominente Hannoveraner nach ihren schlimmsten Missgeschicken gefragt.

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Oje! Weihnachten ist auch die Zeit der Pleiten, Pech und Pannen. 

Quelle: Stefan Hoch

Die schlimmsten Weihnachts-Malheurs der HAZ-Leser

Das Kaninchen

Zu Studienzeiten waren Pakete mit selbst gebackenen Keksen, Schokolade, Salami und auch mal ein Schinken aus der mütterlichen Heimat sehr willkommen. So auch Weihnachten 1990. Und wie immer traf das Paket zuverlässig zu Weihnachten ein. Als brave Tochter, kam es nicht infrage, das Paket vor Heiligabend zu öffnen. Obwohl mir ein komischer Geruch in die Nase stieg.
Beim Öffnen des Pakets wurde mir schlagartig klar, was ihn verursacht hatte. Im Paket befand sich, neben den üblichen süßen Geschenken, ein in Alufolie gewickeltes, frisch geschlachtetes Kaninchen.

Meine Mutter hatte schlichtweg vergessen, mir fernmündlich mitzuteilen, dass es gut wäre, dieses Mal mit der Öffnung des Paketes nicht bis Heiligabend zu warten. Mir kam damals der Verdacht, dass sie nie daran geglaubt hat, dass ich wirklich eisern und brav bis zum Heiligen Abend warten würde. Später darauf angesprochen hat sie nur wissend gelächelt und gemeint, dass ich zumindest immer ein ungeduldiges Kind war, das neugierig war, was das Christkind denn so bringt. Ich konnte mich daran beim besten Willen nicht erinnern, muss ich wohl verdrängt haben.

Vita Maria Beckert-Strehlke, Nordstadt

Weihnachtsbaum mit dunkler Fee

Es geschah am Tag vor Heiligabend; wir mussten noch schnell einen Weihnachtsbaum kaufen. Im Baumarkt einigten meine Frau und ich uns endlich auf eine große Nordmanntanne. Die abstehenden Zweige wurden mit einem grobmaschigen Netz aus Kunststoff transportgerecht zusammengezogen, ich schulterte den Baum und eilte voraus durch den Kundenstrom zur recht weit entfernten Kasse.

Das sperrige Monstrum wurde immer schwerer, und ich wechselte erschöpft die Last von der einen auf die andere Seite. Doch da erst merkte ich, dass sich eine zierliche Frau mit dem Kopf und der Kleidung im Netzwerk der Tanne verfangen hatte. Sie gestikulierte panisch einer vorausgeeilten Begleiterin.

Ich hielt erstaunt inne, konnte aber den Baum nicht absetzen, ohne sie an den Haaren zu zerren. In dieser grotesken Situation trafen sich unsere Blicke. Sie schaute mich aus tiefschwarzen Augen bittend an und wirkte auf mich wie eine Fee aus dem Morgenland. Da lächelte sie bezaubernd – und plötzlich mussten wir beide schallend lachen, lösten die ungewollte Verbindung auf und trennten uns wortlos in vorweihnachtlicher Stimmung.

Horst Heinze, Burg     

Die Fliege

Das Christfest stand vor der Tür. Auch in diesem Jahr besorgte ich mit unserem Sohn Andreas den Weihnachtsbaum. Nicht zu klein und nicht zu groß und vor allen Dingen nicht so weit ausladende Zweige sollte er haben. Auf dem Christbaummarkt entschieden wir uns für eine Edeltanne. Sie schien von den Größenverhältnissen ideal, umso erstaunter waren wir, als Andreas den Baum in den Christbaumständer eingepasst und ins Wohnzimmer gestellt hatte. Der Baum war einfach zu groß, dafür war er aber wunderschön gewachsen. Wir schmückten ihn mit vielen bunten Kugeln, mit Lametta und Kerzen. Unter dem Baum wurden die bunt eingewickelten Geschenke drapiert.

Unser Heiligabend verlief äußerst harmonisch, deshalb wollten wir den Tag mit dem Kirchgang zur Mitternachtsmesse ausklingen lassen. Nach unserer Rückkehr füllte mein Mann die Gläser mit Wein und wir prosteten uns zu.
Sssssss  ... „Was war das?“ Wir brauchten nicht lange warten, da sauste auch schon ein riesiger Brummer über unsere Köpfe hinweg. Er musste wohl im Baum geschlafen haben und war von der wohligen Wärme und dem Kerzenlicht aufgeweckt worden. „Der muss raus“, entschied ich. Mein Mann jagte den Brummer Richtung Balkontür. Er quetschte sich am Baum vorbei, öffnete die Balkontür und wedelte den Brummer hinaus. Dieser machte aber sofort kehrt, als er die kalte Luft spürte. Bevor mein Mann die Tür schließen konnte, war der Brummer wieder drinnen und summte durchs Wohnzimmer.

Bei dieser Aktion hatte sich der Hemdknopf meines Mannes an einer Weihnachtskugel verfangen. „Klatsch-bum“ machte es, als er einen Schritt in den Raum trat. Der Baum lag auf dem Boden, die Kugeln rollten umher und das Wasser aus dem Christbaumständer malte einen hässlichen Fleck auf unseren Teppich. Einige Geschenke lagen nun im Wasser, und wir hatten alle Hände voll zu tun, um das Chaos zu beseitigen. Völlig entnervt setzten wir uns anschließend wieder auf unsere Polster, nahmen unsere Weingläser zur Hand und prosteten uns erneut zu. Wir wünschten uns Fröhliche Weihnachten. Und auch Brummer Sumsemann genoss den Rest des Abends in der wohligen Wärme unserer Weihnachtsstube.

Hella Kautz, Ahlem     

Ein Hamster kommt selten allein

Unsere mittlere Tochter hatte nur einen einzigen, sehr dringenden Weihnachtswunsch: einen Hamster. Mein Mann und ich waren beide nicht besonders erbaut darüber, weil unsere ältere Tochter bereits ein solches Nagetier hatte. Wir hatten gesehen, wozu ein solch kleines Tier fähig ist und wollten nicht noch einmal erleben, dass ein kleiner Nager in ein Sofa klettert und erst nach vielen Stunden wieder hervorkommt. Wir machten Alternativvorschläge und lockten mit diesem und jenem. Die Tochter war nicht zu erweichen.Sie blieb stur bei ihrem Hamsterwunsch.

Inzwischen war Weihnachten schon bedenklich nahe gerückt und ich hatte mich – inzwischen wankend geworden – in einem nahegelegenen Zoogeschäft umgesehen und festgestellt: Es gab keine Hamster mehr. Eine Freundin, die in einem anderen Stadtteil arbeitete, erzählte mir, dass sie dort in der Nähe ihrer Arbeitsstelle in einer Zoohandlung noch Hamster gesehen hätte. Inzwischen zermürbt, bat ich die Freundin, den Hamster mit allem Zubehör für uns zu kaufen und bei sich in der Wohnung bis zur Bescherung zu behalten.

Bei der Bescherung war die Freude über den Hamster sehr groß. Er durfte sofort eine Runde außerhalb des Käfigs drehen. Fachmännisch bemerkte unsere Tochter: „Das ist ein Weibchen und sie ist schwanger.“ Mein Mann und ich sagten nur: „Ja, ja. Ist gut.“

Der Heilige Abend verlief recht harmonisch, später kam noch meine Freundin mit Tochter bei uns vorbei. Die Kinder spielten, der Hamster hatte sich in seinem Käfig versteckt, wir Erwachsenen unterhielten uns. Es war inzwischen recht spät geworden und die Freundin wollte mit der Tochter nach Hause gehen. Plötzlich bemerkte meine Tochter: „Der Hamster hat Junge bekommen. Wie süß!“ Sofort scharrten sich alle um den Hamsterkäfig. Und richtig: Der Hamster hatte in der Heiligen Nacht neun Junge bekommen. Die Kleinen sahen aus wie Gummibärchen, und die Freude der Kinder war riesengroß. Mein Mann und ich lachten damals sehr. Unsere Kinder haben dann in ihren Freundeskreisen alle Hamster nach Ende der „Elternzeit“ verteilt. Unser Fazit: Nie wieder Hamster!

Ingelore Pagel, List     

Das brennende Sakko

Diese Geschichte liegt schon längere Zeit zurück, besser gesagt in den Fünfzigerjahren. Weihnachten fiel sehr karg aus, denn erstens war wenig Geld da und zweitens waren wir fünf Kinder. Vor der etwas kläglichen Bescherung standen wir wie die Orgelpfeifen da und mussten Weihnachtslieder singen. Mein Vater, der ob der Armut zum Fest immer etwas mürrisch war, machte zur Feier des Tages die Kerzen am Baum an. Wie es sich gehörte, im einzigen dunklen Anzug. Mutti brauchte eine ewige Zeit, um die Knoten der Pakete zu öffnen. Schnüre hätte man ja noch benötigen können.

So kam es denn, wie es kommen musste ...: Während des Anzündens fing das Sakko Feuer – als es gelöscht war, blieb ein großes Loch zurück. Wir Kinder, die sehr streng erzogen wurden, schauten uns nur an, und einer nach dem anderen fing an zu lachen. Das gefiel meinem Vater überhaupt nicht. So landeten wir nach und nach zur Strafe alle in der Küche. Für uns war es trotz des Verlustes ein lustiges Fest. Wir sprechen heute noch davon und müssen immer noch schmunzeln.

Lilly Richter, Oststadt     

Die entkorkte
 Champagnerflasche

An einem Heiligabend, kurz nach der Bescherung, besuchten mein Schwager, meine Frau und ich unsere liebe Tante Olga im Nachbarhaus. Aus Freude darüber holte sie sogleich eine Flasche Champagner aus dem Kühlschrank und bat mich, sie zu öffnen.

Ich stellte mich in die Mitte des Wohnzimmers und entfernte zunächst den Drahtverschluss am Flaschenhals. Als dann sofort und unter lautem Knall der Korken an die Zimmerdecke flog, erschrak ich so sehr, dass ich die Flasche fallen ließ. Hierbei fiel sie so gekonnt auf die Außenkante des Flaschenbodens, dass sie sich in hohem Tempo wie ein Kreisel auf dem Parkettboden zu drehen begann und ihren kostbaren Inhalt in alle Himmelsrichtungen versprühte.

Meine Versuche, der Flasche wieder habhaft zu werden, misslangen, da sie immer wieder neue Pirouetten drehte. Erst als das gesamte Mobiliar und wir vier ausreichend mit Champagner gesegnet waren und ihre inneren Kräfte erlahmten, legte sich die Flasche zur Seite und wir konnten den kleinen Rest unter großem Lachen trinken und ein wahrhaft gesegnetes Weihnachtsfest beginnen.

Hans Joachim Riehm, Bothfeld     

Rauchfreie Weihnachten

Bothfelder Brotfabrik, Mucker- und Hippie-WG einen Tag vor Heiligabend des Jahres 1972. Als kiffender Politfreak hielt ich nicht viel vom weihnachtlichen Kommerz-Kitsch. Bestenfalls stellten wir in unserer Krautrock-WG einen mit Jointtüten skurril dekorierten Weihnachtsbaum auf, natürlich kopfstehend als Zeichen der Konsumverweigerung.

Doch dann der Weihnachtsschock: Unser Hausdealer aus der Veilchenstraße verkaufte nichts mehr – und das so kurz vor Weihnachten! Gerüchte machten die Runde, Bekannte hörte man lästern: „Der ist jetzt auf einem Jesus­trip – statt Wasserpfeife liegt eine Bibel auf dem Tisch.“

Eine Bibel im Haus? Das interessierte mich. Heiligabend begab ich mich zu meinem Ex-Dealer und hatte ein intensives Gespräch über Gott und die Welt. Eine gerade eröffnete protestantische Teestube „Jesus-Treff“ in der Goethestraße lud Suchende und Randgruppen ein. Heiligabend 1972 feierten mein Bekannter und ich so ein garantiert nicht kommerzielles Weihnachtsfest – zusammen mit vielen Obdachlosen. Vor nunmehr 43 Jahren hörte ich auf, psychedelische Drogen zu konsumieren. Nun völlig rauchfrei, entdeckte ich den eigentlichen Sinn des christlichen Weihnachtsfestes noch einmal neu.

Im Großraum Hannover hat statistisch gesehen jeder Zweite zumindest Haschisch getestet. Ich möchte hier mit meiner Geschichte Mut machen: Ohne lebt’s sich gesünder.

Matthias Sesselmann, Groß-Buchholz     

Blitzeis im Wohnzimmer

Zu Weihnachten hatten wir immer einen großen Tannenbaum, der vom Boden bis zur Decke reichte. Vor ein paar Jahren erstanden wir ein besonders schönes Exemplar mit weit ausladenden Zweigen. Wie jedes Jahr wurde auch er gleich im Baumständer befestigt und auf die Terrasse gestellt. Heiligabend sollte er dann ins Haus geholt werden, alles wie immer.

Dann fing es an zu regnen. Tagelang. Unser Baum nahm den Regen mit vollen Zügen auf, breitete seine Zweige noch weiter aus und zeigte sich in sattem Grün. Und dann kam etwas, worauf wir überhaupt nicht gefasst waren: Blitzeis.
Unser wunderschöner Baum war unter Eis erstarrt. Die Zweige hingen schwer herunter, und unter dem Eis konnte man Grün nur erahnen. Und laut Wettervorhersage würde der Baum bis Heiligabend nicht auftauen. Wir überlegten kurz, einen neuen eisfreien Baum zu kaufen, aber würden wir den überhaupt bekommen? So beschlossen wir am Morgen von Heiligabend, den vereisten Baum einfach ins Wohnzimmer zu stellen, da würde er schon langsam auftauen.

Da, wo der Baum stehen sollte, breiteten wir eine große Plastikdecke über den Parkettboden. Wir stellten einen Eimer und ein paar Wischtücher bereit. Zu dritt holten wir den Baum herein. Er hatte nur darauf gewartet, endlich ins Warme zu kommen.

Wir staunten, wie schnell sich die oberste Eisschicht verflüssigte, in kleinen Tropfen über die Äste glitt und auf die Plastikdecke fiel. Im Nu bildete sich auf dem Parkett ein kleiner Teich. Wir wischten wie die Weltmeister. Der Eimer reichte nicht. Zum Glück waren große Salatschüsseln greifbar. Handtücher wurden ins Wasser geworfen, ausgewrungen, wieder hingeworfen. Jemand leerte die Schüsseln, brachte neue Tücher, alles schnell, schnell. Unbemerkt hatte das Wasser den Teppich erreicht. Aufschrei. Teppich aufrollen. Und wischen, wischen. Den kleinen Teich legten wir mehrmals trocken. Trotzdem fing das Parkett an aufzuquellen. Unter der Plastikdecke war es klatschnass. Und wir selber waren auch durchnässt.

Auf einmal lief kein Wasser mehr vom Baum: O Wunder, das Eis war abgeschmolzen, der Baum strahlte in frischem Grün. Nach kurzem Schweigen mussten wir herzlich lachen. „Klasse Weihnachtsvorstellung“, sagte ich.
Diesmal schmückten wir unseren Baum nur mit Kerzen und noch nie haben wir so oft gesungen: „O, Tannenbaum, wir grün sind deine Blätter!“

Gisela Wiznerowicz, Seelhorst     

Noch mehr Geschichten: Weihnachts-Malheurs prominenter Hannovaraner

Fury-Bassist feierte mit Baum aus Strandgut

Für die ungewöhnlichste Weihnachtsfeier, an die Christian Decker sich erinnern kann, flog der frühere Fury-Bassist einmal um den halben Erdball – in den australischen Hochsommer. In Melbourne holte ihn ein Fahrer seiner Gastfamilie am zweiten Weihnachtsfeiertag vom Flughafen ab und chauffierte den damals 34-Jährigen rund 100 Kilometer auf der berühmten Great Ocean Road entlang. Die Steilküste bietet grandiose Ausblicke auf den Pazifik. Die australische Familie seiner damaligen Freundin hatte an der Küste ein Ferienhaus für die Weihnachtstage gemietet.

„Wir haben mit ihrer ganzen Familie gefeiert, Eltern, Geschwister, Freunde.“ Besonders der Weihnachtsbaum ist Christian Decker noch gut in Erinnerung. Er bestand aus Strandgut, das mit Seesternen geschmückt war. „Das Holz war so aufgeschichtet und zusammengeklebt, dass es die Form eines Nadelbaums ergab. Das sah sehr cool aus.“ Skurril kam es dem Musiker dennoch vor, in der sommerlichen Hitze mit Symbolen wie Schlitten und Rentier konfrontiert zu sein, die auf der Nordhalbkugel mit Weihnachten verknüpft werden. Die Feier selbst verlief ausgesprochen locker: Nach einem guten Essen wurde Musik aufgelegt, die Party lief bis spät in die Nacht.

„Es war super. Wenn es sich ergibt, würde ich jederzeit wieder in einem anderen Land Weihnachten feiern“, sagt der 43-Jährige, der seit einiger Zeit mit seiner Familie im Stadtteil lebt. In seinem Aufnahmestudio in der Nordstädter Sandstraße kümmert sich Christian Decker als Produzent um Nachwuchsmusiker. Jüngst hat er die Band A Boy Named River unter seine Fittiche genommen.

Exotische Weihnachten stehen dieses Jahr im Hause Decker nicht an. „Wir werden ausgiebig traditionell feiern“, sagt der Musiker – schon allein, damit die Erwartungen des sechsjährigen Sohns nicht enttäuscht werden. In dieser Saison fehlt außerdem die Zeit für eine Fernreise in der Weihnachtszeit. Am 26. und 31. Dezember steht Christian Decker in den „Känguru-Chroniken“ als Theatermusiker auf der Ballhof-Bühne, am 27. Dezember spielt er bei „Sympathie für den Teufel“ im Schauspielhaus.

Aufgezeichnet von Bärbel Hilbilg

Bei Familie Siegner brennt der Baum

Die klassische Weihnachtspanne hat sich Ende der Sechzigerjahre tatsächlich zugetragen bei Familie Siegner. Ingo Siegner, Kinderbuchautor und Erfinder des kleinen Drachen Kokosnuss aus der List war damals selbst noch im Bilderbuchalter, als im Wohnzimmer in Großburgwedel der Weihnachtsbaum in Brand geriet. „Natürlich hatten wir echte Kerzen, natürlich schnell Wasser zur Hand und natürlich für die nächsten Jahre eine Supergeschichte zum Erzählen“, sagt der 50-Jährige, der seit Jahren in der List lebt. Die Feinrippunterhosen waren angekokelt, ansonsten aber sei damals nicht viel passiert. „Meine Mutter hatte das schnell im Griff.“

Ansonsten erinnert sich Siegner an friedliche Weihnachtsabende mit seinen kleinen Halbgeschwistern. „Während die Eltern den Baum schmückten, bin ich mit ihnen spazieren gegangen.“ Das sei immer das Schönste gewesen. „Die großen Augen der Kleinen, wenn sie beim Spazierengehen in die erleuchteten Wohnzimmer blickten.“ Wieder zu Hause, begann die Spannung vor der geschlossenen Wohnzimmertür. „Leider wurde immer zuerst gegessen, danach durften wir erst auspacken.“

Heute mag Siegner vor allem die Rituale, die sich um sein Weihnachten ranken. Mit der Party eines Freundes am 23. Dezember geht es los, Heiligabend fährt er mit seiner Frau nach Bremen zu deren Familie. Am ersten Weihnachtstag wird dort zudem die alte Tante Siegner besucht, am zweiten geht es zurück nach Großburgwedel zur Familie des Illustrators. Geschenke gehören auch dazu: Im Adventskalender in der Altbauwohnung hängen 24 Päckchen. „Jeder von uns beiden hat zwölf Geschenke für den anderen zu besorgen.“ Vor ein paar Tagen hatte Siegner vergessen, sein Päckchen zu bestücken. „Ich bin schnell aufgestanden und habe einer Mandarine eine Zeichnung verpasst. Ich glaube, das war das bislang beste Geschenk für meine Frau.“

Aufgezeichnet von Sunna Bauch

Großes Weihnachtsfieber bei Pollähnes

Das Weihnachtsfest 1978 war vielversprechend. Sohnemann war fünf Monate alt, Ente in Orangensoße fest eingeplant. Dann kam der große Schnee und in Hannover ging fast nichts mehr. War uns egal. Wir hatten ja alles im Haus. Also große Vorfreude für die Familie. Oma und Opa besuchen und danach daheim geruhsam feiern. Dann kam das große Fieber beim Kleinen und kein Wadenwickel konnte helfen. 40 plus sorgte für Besorgnis. Die Hausärztin war im Weihnachtsurlaub, das hieß: Kinderheilanstalt. Schlitten, Kälte, dicker Schnee und kranker Knabe? Das ging gar nicht. Half nix: Auto ausgraben, durch den dicken Schnee zur „Kinderheule“ fahren und hoffen. Die spätweihnachtliche Erlösung war wunderbar: Der Knabe hatte „Dreitagefieber“. Diese Krankheit kannten wir bis dahin nicht. Für den Kleinen gab’s Zäpfchen als Weihnachts-Rezeptur.

Der Rückweg in die damals noch nicht so vollgeparkte Südstadt war danach jedoch weniger beschwerlich, und vor dem Haus war der mühsam freigeschaufelte Parkplatz immer noch frei. O, wie schön: Der Knabe auf dem Weg zur Besserung und ein freier Parkplatz in der Südstadt am zweiten Weihnachtstag als Zugabe. Bessere Geschenke wären kaum möglich gewesen.

Lothar Pollähne,   Bezirksbürgermeister Südstadt-Bult

Zauberhafte Weihnachten mit Desimo

Als Desimo habe ich schon sehr früh bei Kindergeburtstagen gezaubert. Kaum älter als die Feiernden, habe ich schon erste Gagen kassiert: 10 Mark und zwei Stück Kuchen ...

Es war ein großer Wunsch, Zaubertricks zu lernen – weit vor Harry Potter. Magie fand ich großartig. Damals lief im Fernsehen noch ab und zu Varieté, und die Zauberer fand ich einfach am besten. Das wollte ich unbedingt auch können. So war dann mein erster Zauberkasten ein Weihnachtsgeschenk. Vielleicht haben sich meine Eltern auch gedacht: „Er kriegt den Zauberkasten, dann übt der Junge seine kleinen Tricks, und wir haben über die Feiertage unsere Ruhe ...“

Die kleine Wunderbox hieß „Der Zaubermeister – 60 Tricks von 6 bis 60“. Wobei ich mich schon damals gefragt habe, ob sich ein 60-Jähriger auch so sehr über das Geschenk gefreut hätte. Ich habe jedenfalls sofort geübt und geübt und geübt – aber dann doch nicht die ganzen Feiertage hindurch, sondern nur direkt Heiligabend, etwa eine halbe Stunde lang. Und schon waren alle, die ja sowieso nicht weg konnten, eingeladen zu meiner ersten „Großen Zaubershow“.

Die war nicht gut. Aber lang. Und die Familie war bestimmt nicht so richtig begeistert – aber ganz lieb und vor allem motivierend: „Detlef, das ist ja ganz toll, wie du das machst. Aber leider müssen wir jetzt schnell weg – sonst verpassen wir noch die Spätvorstellung in der Kirche.“

Das fand ich ja damals irgendwie nachvollziehbar. Aber inzwischen glaube ich, dass die Kirchen zu Weihnachten vor allem so voll sind, weil wahnsinnig viele Kinder Zauberkästen geschenkt bekommen.

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