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Aus der Stadt Mit 23 Nobelpreisträgern am Bodensee
Hannover Aus der Stadt Mit 23 Nobelpreisträgern am Bodensee
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08:19 04.07.2011
Von Juliane Kaune
Gruppenbild mit Nobelpreisträger Roger Y. Tsien: Axel Schambach (v.l.), Amrita Nandan und Vishwas Sharma. Quelle: Ch. Flemming
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Lindau

Mit einem „Heidenrespekt“ hat Axel Schambach die Reise nach Lindau angetreten. Doch dann zeigte sich schnell: Nobelpreisträger sind auch nur Menschen.

Die schlauen Damen und Herren aus den Fachgebieten Medizin, Chemie und Physik treffen sich traditionell in Lindau zum alljährlichen Austausch. Und jedes Mal darf ein ausgewählter Kreis von Nachwuchswissenschaftlern dabei sein. Dieses Mal war das Leitthema des Treffens die Weltgesundheit. Es waren rund 20 000 Bewerbungen von Jungforschern aus allen Kontinenten eingegangen, 566 Kandidaten aus 77 Ländern wurden von einer hochkarätigen Jury ausgewählt – und einer von ihnen war Schambach. Auch seine an der MHH tätigen indischen Kollegen Amrita Nandan und Vishwas Sharma setzten sich gegen die internationale Konkurrenz durch.

„Ich habe mich riesig gefreut, dass ich dabei sein durfte“, sagt Schambach, der an der MHH in einer Arbeitsgruppe des Exzellenzprojekts „Rebirth“ an genetischen Ursachen für Erkrankungen des Blut- und Immunsystems forscht. Einen ganz besonders berühmten Gast, der keinen Nobelpreistitel trägt, erlebte Schambach gleich bei der Eröffnungsveranstaltung: Microsoft-Gründer Bill Gates, dessen Stiftung sich für globale Gesundheitsprogramme und medizinische Forschungsprojekte einsetzt, hielt eine Rede. Auch Forschungsprojekte der MHH wurden schon aus dem Stiftungstopf des zeitweise reichsten Mannes der Welt finanziert, darunter ein Vorhaben zur Entwicklung von Impfstoffen gegen Hepatitis C. „Gates kannte sich in medizinischen Fragen sehr gut aus“, lobt Schambach. „Leider habe ich ihn aber nur aus der Ferne gesehen, er wurde sehr stark abgeschirmt.“

Dichter dran waren er und seine beiden indischen Begleiter an Nobelpreisträger Roger Y. Tsien aus den USA, der 2008 im Fach Chemie für seine Entdeckung eines fluoreszierenden Proteins geehrt wurde. Nach der offiziellen Diskussionsrunde, die im Laufe der Woche jede der 23 Koryphäen mit dem wissenschaftlichen Nachwuchs veranstaltete, nahm sich Tsien noch Zeit für einen persönlichen Plausch mit den Hannoveranern. „Ein sehr freundlicher Mensch“, findet Schambach. Begeistert war er auch von dem 85-jährigen Oliver Smithies. „Er war ungeheuer inspirierend. Es war deutlich zu spüren, welche Freude es ihm macht, sein Wissen an Jüngere weiterzugeben“, sagt der 36-Jährige über den US-Mediziner, der 2007 den Nobelpreis für Versuche mit gentechnisch veränderten embryonalen Mäusestammzellen erhielt.

Ein Credo der Nobelpreisträger hat Schambach besonders gut gefallen: „Man soll etwas erforschen, weil es einen begeistert – und nicht, weil es gerade en vogue ist.“ Ein Patentrezept für den Nobelpreis ist das natürlich nicht. Auch eine Portion Glück gehöre dazu, ließen die Träger der legendären Auszeichnung den akademischen Nachwuchs wissen. Und offenbar ein gewisser Gleichmut. Er habe sich nie Gedanken darüber gemacht, irgendwann einmal den Nobelpreis erhalten zu können, berichtete Sir Harold W. Kroto Schambach und den anderen Jungforschern. Und dann bekam der britische Chemiker 1996 Post aus Stockholm. Seine Entdeckung der Fullerene, einer neuen Form des Kohlenstoffs mit kugelförmigen Molekülen, hatte das Preiskomitee überzeugt.

Zurück in Hannover wird Schambach sich wieder mit vollem Einsatz den Aufgaben in seiner Forschergruppe widmen – und abwarten, was sich in seiner wissenschaftlichen Karriere noch so alles ergibt.

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