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Aus der Stadt Mit Mädchen gegen den Fachkräftemangel
Hannover Aus der Stadt Mit Mädchen gegen den Fachkräftemangel
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18:57 10.11.2016
Von Bernd Haase
Jayda Lynn Brown und Ausbilder Andreas Waߟmann beim Urlaubscheck. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

„Ohne Mädchen geht es nicht“, sagt Katharina Baier, Bereichsleiterin Nachwuchsgewinnung der Kammer. Das Handwerk kann längst nicht mehr alle Ausbildungsplätze besetzen, und wenn der sich immer stärker bemerkbar machende Fachkräftemangel nicht zur Dauereinrichtung werden soll, muss vermehrt weiblicher Nachwuchs rekrutiert werden. Zahlen verdeutlichen dies: „In unserem Bezirk sind nur 20 Prozent der Schulabgänger, die eine Ausbildung beginnen, Mädchen und junge Frauen“, bilanziert Kammerpräsident Wilhelm Steinmann. In den gewerblich-technischen Berufen, also etwa in der Metallbearbeitung oder dem Bauhandwerk, ist der Anteil laut Baier noch geringer.

Auf die Idee, Mädchen für technische Berufe zu begeistern, sind andere schon früher gekommen – die opulente Technikschau Ideenexpo auf dem Messegelände zielt unter anderem in diese Richtung. Jetzt also ist auch das Handwerk auf der Suche nach Frauenpower.

Mit der Initiative "Mädchen ins Handwerk" versucht die Handwerkskammer Hannover Mädchen für technische Berufe zu begeistern.

Deshalb stehen die Schülerinnen aus Garbsen nun in der Kraftfahrzeug-Werkstatt um Autos auf Prüfständen und lassen sich einweisen. „Wir simulieren einen Urlaubscheck“, sagt Ausbilderin Katja Jandrey. Die Neuntklässlerinnen Jayda Lynn Brown und Kimberley North haben schon Ölstand und Reifenprofil kontrolliert. Jetzt hocken sie vor einem Kleinwagen und lösen die Muttern des rechten Vorderrads mit einem elektrisch betriebenen Starkschrauber. Danach müssen sie es wieder anmontieren. „Das geht nicht mit dem Starkschrauber, man braucht Fingerspitzengefühl“, sagt die Ausbilderin. Alles klappt.

Brown und North haben sich für das Projekt beworben. „Ich wollte mir das angucken und interessiere mich für einen Praktikumsplatz“, sagt Brown. Wenn es klappt und sie auf diesem Weg in einen gewerblich-technischen Beruf findet, hätte die Kammer ein Ziel erreicht. „Die Idee ist, Schülerinnen über praktische Übungen an interessante Handwerksberufe heranzuführen und sie dann bei der Suche nach Praktikums- oder Ausbildungsplätzen zu unterstützen“, erklärt Baier. Vorbilder liefert die Kammer gleich mit; sie setzt an den Schnuppertagen gezielt Meisterinnen für die Anweisungen ein.
„Mädchen ins Handwerk“ wird von der Arbeitsagentur und der Region Hannover unterstützt. Wenn sich Erfolge einstellen, soll das Programm auf andere Schulen ausgeweitet werden.

Ein gelungener Versuch

Der Familienbetrieb Uhe Feinmechanik in Hemmingen-Arnum fertigt sowohl einfache Teile in Serie als auch komplizierte Werkstücke etwa für Werkzeuge oder Prüfgeräte. In ihrer seit 1932 währenden Tradition hat die Firma ausschließlich Jungen zum Fein- oder Zerspanungsmechaniker ausgebildet. Das muss nicht so bleiben, dachte sich Geschäftsführer Hermann Strathmann und ließ im vergangenen Jahr eigens Sozialräume umgestalten, um Neues auszuprobieren. Eine 19-Jährige wurde zur ersten handwerklichen Auszubildenden der Firmengeschichte.
Als wichtigen Grund für seine Entscheidung nennt Strathmann einen, der mit handwerklichen Fähigkeiten nichts zu tun hat: „Wenn man als junge Frau in eine Männerdomäne geht, dann muss man das echt wollen.“ Der Geschäftsführer lobt Einsatzbereitschaft und Motivation seiner Nachwuchskraft. „Sie arbeitet auch in der Serienfertigung mit ihren ständigen Wiederholungen konzentriert und gewissenhaft“, nennt er weitere Vorzüge. Und schließlich habe die junge Frau auch das Klima in der Fertigung verändert. „Die Jungs halten sich jetzt mit Sprüchen zurück, vor allem mit Macho-Sprüchen“, hat Strathmann beobachtet.
Unterm Strich hat das dazu geführt, dass Uhe Feinmechanik auch im neuen Lehrjahr liebend gern eine junge Frau ausbilden würde. Bisher hat es nicht geklappt, die Stelle ist noch offen.

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