Am Sonntag könnte es mal wieder recht voll werden in Andrea Antrechts Ferienhaus am Steinhuder Meer. Urlaubsgäste erwartet sie allerdings nicht: Zum ersten Mal nimmt die Bauherrin am Tag der Architektur teil und öffnet ihr Domizil für neugierige Blicke von Bauinteressierten, Fachleuten und solchen, die es werden wollen. 116 Gebäude in Niedersachsen und Bremen sind dabei, in Hannover und Umland sind es jeweils elf. Erstmals gibt es einen besonderen Service: Die Architektenkammer als Veranstalterin hat einen Bus der Üstra gemietet, der Architekturinteressierte zu sechs Immobilien fährt. Die Plätze sind begrenzt, doch HAZ-Leser haben heute den ersten Zugriff – wer sich zuerst anmeldet, darf mitfahren.
„Architektur geht uns alle an und sollte von klein auf erlebt, begreifbar gemacht und vermittelt werden“, fordert Kammerpräsident Wolfgang Schneider. Auch eines der aktuellen Bauwerke aus seinem eigenen Büro ASP ist beim Tag der Architektur vertreten: der dreigliedrige Neubau der VGH Versicherungen am Schiffgraben/Warmbüchenkamp (Führungen um 11, 14 und 16 Uhr). Auch Hannovers anderer großer Versicherungsneubau (VHV in der Constantinstraße, Architekten BKSP, Führungen um 11, 14 und 16 Uhr) zeigt sich von seiner besten Seite, im Fokus stehen insbesondere das vergrößerte Betriebsrestaurant und dessen 300 Sitzplätze im verglasten Innenhof. Weiterhin ist der Hochtief-Neubau an der Podbi 342 (Architekten Bünemann & Collegen, Führungen um 11, 13 und 16 Uhr) mit seinem markanten, dunklen Äußeren und seinen modernen Büroräumen zu besichtigen – ebenso wie die neue Zentralverwaltung des Damenmodeherstellers Cecil in der Sattlerstraße 10–12 in Isernhagen-Kirchhorst (Römeth Architekten, Führungen um 12, 14 und 16 Uhr).
Auch jenseits der Firmengebäude sind beim Tag der Architektur interessante Entdeckungen zu machen. Die Landeshauptstadt zeigt die denkmalgeschützte, grundsanierte Grundschule am Lindener Markt (Architekten Stricker, Führungen um 11, 13 und 15 Uhr) und das als Passivhaus konzipierte Pflegeheim Klaus-Bahlsen-Haus im Klein-Buchholzer-Kirchweg 11 (Pfitzner Architekten, Führungen um 11, 13 und 15 Uhr).
Besondere Aufmerksamkeit erhalten stets die Wohnhäuser, die knapp die Hälfte der gezeigten Objekte darstellen. Mit dabei ist das Südstädter Wohngebiet Q’Artis7 in der Schlägerstraße/Ecke Krausenstraße (Architekt Lassen, Führungen um 11, 14 und 16 Uhr). Als Kontrastprogramm gibt es die Modernisierung der GBH-Häuser Zwickauer Straße 8/10 in Vahrenheide (Lindener Baukontor, Führungen um 11, 14 und 16 Uhr), wo Sechziger-Jahre-Wohnblöcke mit 5,4 Millionen Euro auf den neuesten Stand gebracht wurden. Ungewöhnlich ist auch die Maisonettewohnung, die die Architekten Zymara/Loitzenbauer auf dem „runden Eckhaus“ Elkartallee 5 geschaffen haben (Führungen halbstündlich von 11 bis 17 Uhr).
Überall sind die Architekten selbst anwesend, begleiten die Besucher und geben Auskunft über ihre Arbeit. So auch im Mardorfer Ferienhaus der Antrechts (Im Großen Kamp 8 und 16, Führungen um 11, 13 und 15 Uhr), das vom hannoverschen Architekten Rainer Müller entworfen wurde. Die Bauherren wollten ein einfaches, klares Haus im skandinavischen Stil. Mit dem Ergebnis sind sie so zufrieden, dass sie von Müller inzwischen auch ein Ferienhaus für ihren Sohn in der Nachbarschaft haben bauen lassen und aktuell das von ihnen betriebene Campinggeschäft Schrader in der hannoverschen Herschelstraße neu gestalten lassen.
Unterwegs per Bus: Wer einen der knapp 50 Sitzplätze im Architektur-Bus bekommen möchte, meldet sich unter Telefon (05 11) 2 80 96 71 bei der Architektenkammer an. Der Bus startet um 11 Uhr nahe dem Steintor und fährt im Dreiviertelstundentakt sechs ausgewählte Gebäude an, wo es überall Sonderführungen gibt. Gegen 17 Uhr endet die kostenlose Tour. Details zu den einzelnen Zielen werden ab heute im Internet unter www.aknds.de veröffentlicht. Dort gibt es auch Informationen zu allen anderen Objekten des Tages der Architektur.
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