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Aus der Stadt Mit dem Smartphone in die Nazizeit Hannovers
Hannover Aus der Stadt Mit dem Smartphone in die Nazizeit Hannovers
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Von Simon Benne
 In der Herschelstraße befand sich eines der „Judenhäuser“ Hannovers. Quelle: Screenshot
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Hannover

Von 1941 an wurden jüdische Familien hier zwangsweise zusammengepfercht, viele wurden später ermordet. Auf der Internetseite „zukunft-heisst-erinnern.de“ sind jetzt historische Fotos der Straße neben aktuellen Aufnahmen zu sehen, kurze Texte erzählen die düstere Geschichte dieses Ortes.

Der virtuelle Stadtrundgang, der gestern im Rathaus vorgestellt wurde, führt zu 30 Orten der Verfolgung und des Widerstands gegen das NS-Regime. „Wir wollten eine Form des Erinnerns finden, die in die Zeit passt“, sagt Horst Meyer vom Netzwerk Erinnerung und Zukunft, das die Website gemeinsam mit dem Stadtjugendring initiiert hat. „Der Rundgang spricht gezielt Jugendliche an“, sagt dessen Geschäftsführer Wilfried Duckstein, „doch wir wollen Menschen aller Altersstufen die Möglichkeit geben, sich zu informieren, ohne dabei Weg und Tempo vorzugeben.“

Der digitale Stadtrundgang ist keine App, sondern eine Internetseite, die für Smartphone und Tablet optimiert wurde. Auf ihr sind neben Fotos und Texten auch kurze Filme zu sehen, in denen Zeitzeugen zu Wort kommen. Nutzer, die die nummerierten Orte auf dem Stadtplan ansteuern, erfahren beispielsweise, wie das Gewerkschaftshaus aussah, das die Nazis 1933 besetzten. Oder wo die Synagoge stand, die beim Novemberpogrom 1938 zerstört wurde. Oder dass die Lange Laube einst als „Straße der SA“ firmierte.

In der Altstadt erinnert eine Station an den Boxer Johann Trollmann: Die Nazis erkannten dem Sinto den Titel des Deutschen Meisters ab, er starb im KZ. Mit solchen Geschichten will die Website, die von Stadt und Sparkasse, vom DGB und der IG Metall gesponsert wurde, die Nachbarschaft der Jugendlichen zum Lernort machen. Das Gedenken wird - wie auch beim Projekt der Stolpersteine - lokalisiert. Die Ereignisse der NS-Zeit werden einem genauen Ort zugeordnet und somit konkret.

„Das Projekt zielt auf eine Erweiterung ab“, sagt der Historiker Michael Pechel, der den Stadtrundgang mit erarbeitet hat: Die Route kann durch weitere Stationen in der City oder in Nachbarkommunen ergänzt werden. „Diese Seite wird nie fertig“, heißt es auf der Website. Eine doppelsinnige Aussage.

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