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Aus der Stadt Mit diesen Brettspielen werden die Feiertage nicht langweilig
Hannover Aus der Stadt Mit diesen Brettspielen werden die Feiertage nicht langweilig
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03:50 29.12.2012
Die Brettspiele „Village“ und „Kingdom Builder“ wurden in diesem Jahr von „Spiel des Jahres“-Jury ausgezeichnet. Jury-Mitglied Udo Bartsch aus Hannover weiß, warum. Quelle: Link
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Hannover

Udo Bartsch sitzt seit 2007 in der Jury für das „Spiel des Jahres“. Der 44-Jährige lebt in Linden-Nord und arbeitet als freier Journalist und Spieletester. Er schreibt seit 1997 Rezensionen für Brettspiele – unter anderem für mehrere Tageszeitungen.

Herr Bartsch, was macht eigentlich ein gutes Brettspiel aus?

 Das Entscheidende ist schlichtweg der Reiz, es noch einmal spielen zu wollen. Diesen Reiz empfindet allerdings jeder anders. Für mich hat es sehr viel mit Originalität zu tun. Gerade wenn man schon viele Spiele kennt, will man etwas haben, das sich neu anfühlt.

Die Antwort hängt auch stark von der Gruppe ab. Manche wollen einfach nur gut unterhalten werden, und da wäre es falsch, mit einem hochstrategischen Spiel anzukommen. Es gibt aber durchaus ein paar Spiele, die in fast jeder Gruppe gut ankommen. Über „Die Siedler von Catan“, „Carcassonne“ oder „Qwirkle“ habe ich ganz selten mal etwas Schlechtes gehört.

Die Jury „Spiel des Jahres“ hat 2012 drei Spiele ausgezeichnet. Jury-Mitglied Udo Bartsch aus Hannover erklärt, warum sie den Preis verdienen.

Zum Spiel des Jahres 2012 wurde das Aufbauspiel „Kingdom Builder“ gekürt. War das auch ihr Favorit?

Die Wahl zum Spiel des Jahres ist geheim. Kein Jurymitglied sagt öffentlich, was es gewählt hat. Jeder hat eine Stimme und kriegt einen Zettel, auf dem er seinen Favoriten aufschreibt. Die genaue Stimmenzahl wird nach der Wahl nicht bekannt gegeben. „Kingdom Builder“ ist ein sehr ungewöhnliches Spiel mit erstaunlicher Spieltiefe. Jede Partie ist total anders, weil Spielbrett und Spielziel immer unterschiedlich sind. Die Regeln erlegen den Spielern beim Einsetzen ihrer Siedlungen scheinbar viele Zwänge auf. Die Kunst ist es aber, so zu spielen, dass man diese Zwänge umgeht.

Der Titel „Spiel des Jahres“ wird seit 1979 vergeben. Haben sich die Ansprüche an Brettspiele seitdem verändert?

Die Herstellung hat sich mit der Zeit enorm professionalisiert, die Materialien sind hochwertiger und die grafischen Möglichkeiten ungleich höher. Heute kann selbst ein Ein-Mann-Unternehmen Spiele herstellen, die so aussehen, als kämen sie von einem professionellen Großverlag. Inhaltlich sind die Spiele ebenfalls viel professioneller. Vor 20 Jahren konnte es noch passieren, dass Spiele auf den Markt kamen, die nicht funktionierten. Heute gibt es in den Verlagen Redaktionen, die Spiele intensiv testen und weiterentwickeln.

Meines Erachtens werden die Spiele also immer besser. Wenn „Monopoly“ heute auf den Markt käme, hätte es kaum noch eine Chance. Das Spielkonzept ist nicht wirklich ausgereift und die Spieldauer völlig unzeitgemäß. Aber es ist in seiner Zeit groß geworden und heute kennt es jeder. Das ist der große Trumpf solcher Klassiker: Viele Leute spielen am liebsten Spiele, bei denen sie die Regeln kennen.

Seit Sie in der Jury beim Spiel des Jahres sitzen, hat mit „Keltis“ nur ein Spiel eines deutschen Autoren den Preis gewonnen. Welche Rolle spielen deutsche Brettspiele derzeit auf dem internationalen Markt?

Deutsche Spiele haben aufgrund ihrer ausgefeilten Spielmechanik einen exzellenten Ruf. In den letzten zehn, 20 Jahren haben sie sogar einen Boom ausgelöst und dafür gesorgt, dass weltweit wieder mehr gespielt wird. Und sie haben viele ausländische Autoren inspiriert, ebenfalls Spiele zu erfinden. In anderen Ländern wählt man aber teilweise einen ganz anderen Ansatz. Das typisch amerikanische Spiel ist zum Beispiel eher historisch eingebettet und kommt stärker über das Thema als über den Mechanismus.

Ein aktuelles Beispiel wäre „King of Tokio“. Hier spielt man ein Monster und zerstört in Anlehnung an typische B-Movies Tokio. Das ist extrem trashig, aber auch lustig. Solch ein Spiel wäre hierzulande eher undenkbar. Aber natürlich gibt es immer Ausnahmen: „Kingdom Builder“ stammt von einem Amerikaner, kommt aber ganz klar über den Mechanismus.

Das aktuelle Kinderspiel des Jahres heißt „Schnappt Hubi!“. Dabei gibt ein „magischer Kompass“ den Spielern per Elektronik Anweisungen und Tipps. Wie viel Technik ist am Spieltisch denn mittlerweile erlaubt?

Die Elektronik kann einiges bringen, vor allem für Kinderspiele. Sie kann den Spielstand zählen und die Regeln erklären. Vor allem aber lässt sie die Kinder viel tiefer in die Spielgeschichte eintauchen, indem sie wie in „Schnappt Hubi!“ Tieren und Geistern eine Stimme verleiht und die Kinder anspricht. Die Technik darf jedoch nicht die Interaktion zwischen den Spielern unterbinden. Der Brettspielcharakter muss erhalten bleiben. Von gut eingesetzter Elektronik kann ein Spiel eigentlich nur profitieren. Ich habe da keine Berührungsängste.

Seit 2011 vergibt die Jury auch einen Preis für das „Kennerspiel des Jahres“. Was steck dahinter?

Die Spielelandschaft wird immer größer und vielfältiger. Heute gibt es Hunderte Neuerscheinungen, vom Einsteigerniveau bis hochkomplex. Und genauso breit haben sich inzwischen die Spielervorlieben aufgefächert. Das Spiel des Jahres soll sich an alle richten – auch an die, die noch nicht so viel gespielt haben. Für Spieler, die tiefer in die Welt der Spiele vordringen wollen, haben wir das Kennerspiel des Jahres eingeführt. Diese Spiele sind in ihrem Regelwerk komplexer und umfangreicher und dauern meistens auch länger. Eine Partie des aktuellen Kennerspiels des Jahres „Village“ dauert 90 Minuten. Eine Runde „Kingdom Builder“ spielt man dagegen in einer halben Stunde.

Wie oft spielen Sie pro Woche Brettspiele und mit wem?

Als Spielekritiker muss ich natürlich intensiv Spiele testen. Ich spiele daher vier bis fünf Mal pro Woche. Schätzungsweise komme ich auf 20 bis 25 Spielstunden. Ich spiele aber nicht jedes Mal mit denselben Leuten, sondern mal mit Freunden, mal mit Studenten, mal mit Besuchern öffentlicher Spieletreffs. Das ist wichtig, damit es für mich abwechslungsreich bleibt. Und es ist aufschlussreich zu sehen, wie unterschiedlich jeweils andere Gruppen vorgehen. Dasselbe Spiel kann in verschiedenen Runden ganz unterschiedlich laufen.

Wie häufig testen Sie ein Spiel, bevor Sie es bewerten können?

Das hängt vom Spiel ab und davon, wie komplex es ist. Manchmal sortiere ich ein Spiel schon nach zwei Partien aus. Dann würde ich aber nicht über dieses Spiel schreiben. Mit den Spielen, die übrig bleiben, beschäftige ich mich intensiver. Um mir wirklich sicher zu sein, spiele ich zehn Partien und mehr.

Sie arbeiten seit 15 Jahren als Spieletester. Wie viele Brettspiele haben sich bei Ihnen im Lauf der Zeit angesammelt?

Gar nicht so viele. Ich habe etwa 200 bis 300, die ich meine Sammlung nennen würde. Der Rest ist eine Art durchlaufender Posten. Wenn die Wahl zum Spiel des Jahres vorbei ist und ich die Spiele auch nicht mehr journalistisch verwerten kann, behalte nur ein paar, die anderen gebe ich weg. Meistens dürfen sich dann Schulen darüber freuen.

Welche Spiele verstauben bei Ihnen zu Hause allmählich, und welche kommen immer wieder zum Einsatz?

Ehrlich gesagt, verstauben die meisten. Das Testen der Neuheiten lässt kaum Raum, noch alte Spiele hervorzuholen. Weggeben würde ich einige trotzdem nie. Es hängt zu viel Nostalgie daran. Für meinen Werdegang eines der wichtigsten Spiele war „Kreml“. Das steckt in einer Schachtel, die aussieht wie ein Pizzakarton. Ich habe das Spiel als Erstsemester im damaligen Spieleladen am Schwarzen Bären gekauft, und es war so etwas wie mein Einstieg in die Spieleszene.

Neben all den Neuheiten spiele ich halbwegs regelmäßig nur ganz wenige - vor allem meine zwei Lieblingsspiele. Das sind „Dominion“ und „Agricola“. Von „Dominion“ habe ich mir inzwischen das vierte Grundspiel gekauft, weil die Kartensätze der anderen drei durch das viele Spielen komplett abgenutzt sind.

Weihnachten steht vor der Tür. Welches Brettspiel sollte Ihrer Meinung nach unter dem Christbaum liegen und warum?

Unter den drei diesjährigen Nominierten für das Spiel des Jahres dürfte für fast jeden etwas dabei sein. „Kingdom Builder“ ist die beste Wahl, wenn man ein Taktikspiel mit Spieltiefe sucht, die sich vielleicht beim ersten Mal noch nicht vollständig offenbart. „Eselsbrücke“ ist ein witziges Erzählspiel, bei dem es auf ein gutes Gedächtnis ankommt. Man muss aus vorgegebenen Begriffen eine Geschichte erfinden. Weil die Begriffe selten zusammenpassen, sind die Geschichten häufig ziemlich verrückt.

Für den schnellen Einstieg ist „Las Vegas“ am besten geeignet. Hier setze ich Würfel in verschiedene Casinos und will ordentlich reich werden. Die Setzregeln sind dabei das Gemeine: Manchmal muss ich sogar so setzen, dass ich mir eigenhändig meinen Gewinn kaputt mache. Das ist für die anderen am Tisch Schadenfreude pur.

Der Blog von Udo Bartsch.

Interview: Christian Link

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