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Aus der Stadt Doppelkorn-Mitarbeiter stellt Insolvenzantrag
Hannover Aus der Stadt Doppelkorn-Mitarbeiter stellt Insolvenzantrag
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09:45 19.02.2018
Von Gunnar Menkens
Für die Bäckerei Doppelkorn liegt nun ein Insolvenzantrag vor. Quelle: Philipp von Ditfurth
Hannover

Eine halbe Stunde später war dann ein Insolvenzverwalter bestellt. Ralph Bünning von der Kanzlei Schultze & Braun wickelt das Verfahren ab, indem es darum geht, Vermögen zu sichern und Ansprüche von Gläubigern festzustellen.

Mitarbeiter der Bäckerei Doppelkorn retten gefrorene Backwaren aus dem Tiefkühllager.

„Hauptziel ist natürlich, das Unternehmen weiter zu führen“, sagte Bünning am Montag, nachdem er mit einigen Mitarbeitern über den aktuellen Zustand von „Doppelkorn“ gesprochen hatte und dort „engagierte Mitarbeiter“ getroffen habe. „Manchmal findet sich eine Mannschaft, um einen Laden weiter zu führen, manchmal finden Dritte einen Betrieb interessant.“ Bünning will sich in den nächsten Tagen eine Übersicht verschaffen über die finanzielle Lage und Verbindlichkeiten des Betriebs. Heute nachmittag will er sich den „Doppelkorn“-Beschäftigten, die von einer damals amtierenden Unternehmensleitung per Email freigestellt worden sind, auf einer Betriebsversammlung vorstellen.

Das Unternehmen geriet in Schwierigkeiten, nachdem es im April von dem 34-jährigen Manuel P. gekauft worden war. Er kündigte langjährigen Mitarbeitern, installierte eigene Leute, schloss Filialen und wollte den Betrieb modernisieren. Vor einigen Wochen tauchte er jedoch plötzlich ab.

Mitte Juli stellte dann der österreichische Geschäftsmann Gerd Haidacher beim Amtsgericht Hannover den Antrag, P. als Geschäftsführer nachzufolgen. Haidacher ist mit einem englischen Wohnsitz gemeldet. Auch deshalb wählte das Gericht die Kanzlei Schultze & Braun aus, sie hat eine Dependance in London. Haidacher ist jedoch noch immer nicht als Geschäftsführer von „Doppelkorn“ bestellt, weil er bei seinem Antrag Formfehler beging und trotz Rüge des Amtsgerichts bislang nicht korrigierte. Danach hört auch die Justizbehörde nichts mehr von ihm. Ebenso fehlerhaft war ein Insolvenzantrag, den Haidacher bereits vor Wochen für „Doppelkorn“ gestellt hatte. Damals legte er einen Generalschlüssel für Gebäude der Bäckerei bei. Weil er jedoch nicht als Geschäftsführer im Handelsregister eingetragen war, war er ohnehin nicht befugt, diesen Antrag zu stellen.

Seit der Flucht des ehemaligen Doppelkorn-Chefs haben sich etliche Forderungen an das Unternehmen ergeben. Löhne und Sozialabgaben wurden nicht mehr gezahlt, woraus sich Ansprüche von Mitarbeitern und Sozialkassen ergeben. Auch das Finanzamt soll Außenstände bei „Doppelkorn“ haben. Rohstofflieferanten mussten erleben, dass die Doppelkorn-Geschäftsführung Rückbuchungen veranlasste, obwohl Waren geliefert worden waren. Mehrere Betriebe warten seither auf Geld, insgesamt soll eine niedrige sechsstellige Summe aufgelaufen sein. Energieunternehmen stellten Strom ab, weil Rechnungen offen blieben. Zehn Lehrlinge verloren unwiderbringlich ihre zugesagten Ausbildungsplätze.

Die Filiale auf der Limmerstraße hat trotz der Probleme geöffnet.

Auch Manfred Dust, 68, hat nach dem Verkauf seiner Geschäfte an Manuel P. noch erhebliche Forderungen an den abgetauchten Mann. Dust hatte „Doppelkorn“ zwar nur für einen symbolischen Euro abgegeben, dafür aber sollte P. Darlehen und Bürgschaften ablösen, einiges in Raten. Allein die Bürgschaften belaufen sich Dust zufolge auf 150.000 Euro. Gezahlt habe er bisher Dust zufolge nicht. Die nächste Rate ist für Ende Dezember vereinbart.

Alle Geschäfte bleiben vorerst geschlossen

Die Läden von „Doppelkorn“ bleiben auf absehbare Zeit geschlossen. Insolvenzverwalter Ralph Bünning sagte Montag, selbst, wenn es noch Geld geben sollte, könne es nicht dafür verwendet werden, Waren einzukaufen. In der vergangenen Woche hatten Mitarbeiter in Eigenregie die zentrale Filiale in der Limmerstraße geöffnet und während der üblichen Geschäftszeiten Brote und andere Backwaren verkauft, was es nach Auskunft eines Betriebsratsmitglieds jedoch ein weiteres Mal nicht geben soll. Bäcker und Verkäufer, insgesamt rund 20 der freigestellten Mitarbeiter, hatten ohne Lohn gearbeitet. Bei einer Unterschriftenaktion im Geschäft bekundeten an diesen drei Öffnungstagen in der vergangenen Woche mehr als 1000 Menschen ihre Solidarität mit den Beschäftigten von „Doppelkorn“. Unter den Mitarbeitern gibt es Überlegungen, „Doppelkorn“ in eigener Regie fortzuführen. Manche Kunden sollen sich bereit erklärt haben, mit eigenem finanziellen Beitrag in die traditionsreiche Bäckerei einzusteigen.

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