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"Du hast Hunderte von Mädchen gegen dich"

Model Paula Grafenhorst aus Hannover "Du hast Hunderte von Mädchen gegen dich"

Es fing alles bei der Modenschau der Modeakademie Fahmoda in Hannover an, dort wurde die 18-jährige Paula Grafenhorst entdeckt. Seither hat sie ein „Elle“-Shooting und einen Job bei der Pariser Fashion Week ergattert. Ihre Zukunft stellt sie sich trotzdem nicht auf dem Laufsteg vor.

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„Es wird kein Laufsteg sein“: Paula Grafenhorst weiß noch nicht genau, wohin sie im Leben will – jetzt studiert sie erst mal.

Quelle: Jan Philipp Eberstein

Hannover. "Ich bin gar nicht der Mensch fürs Modeln. Und betont modisch zieh’ ich mich auch nicht an." Wer die 18-jährige Paula Grafenhorst vor dem Cafe 24grad in der Nordstadt sitzen sieht, versteht sofort, was sie meint, wenn sie solche Sätze sagt. Wenn sie betont, dass sie „eigentlich immer eher darauf bedacht war, etwas mit dem Kopf anzufangen“. Schal, Winterjacke, Strickjacke, weites Hemd: viele Schichten Stoff trägt sie an diesem Vormittag übereinander. Aber wer genauer hinschaut, merkt schnell, was sie für die Modewelt so interessant macht, dass sie schon mit 15 das erste Mal angesprochen wird. Hoch aufgeschossen ist sie, sehr schlank. Dazu wirkt alles an ihr ungewöhnlich fein und zart: die Hände, die blasse, sommersprossige Haut.

Kein Wunder also, dass sie 2015, als sie gerade mitten im Abitur an der Lutherschule steckt, bei einem Auftritt bei den Fashion-Finals in der hannoverschen Modeakademie Fahmoda entdeckt wird. Dabei hatte sie sich nur „aus Lust und Laune“ auf eine Anzeige im Internet beworben, nie ein Lauftraining mitgemacht. Aber sie fällt auf, bekommt die Adresse der bekannten Agentur Luisa Models zugesteckt und wird von einer Tochterfirma, der Hamburger Agentur Mirr/rs, unter Vertrag genommen.

Ein halbes Jahr lang versucht sie, ihr altes und ihr neues Leben zu verbinden: modelt - und geht mit ihrem Freund auf Weltreise. Jetzt ist sie zurück in Hannover und läuft heute wieder bei den Fashion-Finals von Fahmoda im Sprengel Museum (17 und 20 Uhr). Und? Soll der Model-Traum auch künftig ihr Leben bestimmen? Die Antwort klingt ernüchtert: „Ich war fasziniert, aber auch schockiert.“

„Ich war fasziniert, aber auch schockiert.“

Dabei beginnt alles so gut. Die Schülerin macht Abi mit einem Schnitt von 2,2, fährt am Tag nach der Abifeier zum ersten Mal in ihrem Leben zur Berliner Fashionweek - und findet dort sofort ihre ersten Jobs: Sie läuft für Hien Le, Marine Hoermanseder und Kilian Kerner. Außerdem bekommt sie ein Shooting in der „Elle“ - in der Ausgabe für Vietnam. Einen Tag verbringt sie im Dong Xuan Center, Berlins größtem Asia-Markt. „Ich habe zu Hause keine Schminke“, erzählt sie. „Jetzt wurde den ganzen Tag an mir herumgepinselt, herumfrisiert.“ Warum wird sie für die „Elle“ Vietnam gebucht? „Ich glaube, die Leute dort standen auf den westlichen Typ, auf meine helle Haut und die Sommersprossen.“ Wie fühlt es sich an, über den Laufsteg zu gehen? „Es gibt einen Adrenalinkick, wenn man im Blitzlichtgewitter steht, wenn man weiß, dass wichtige Leute im Publikum sind“, sagt Paula. Ihre Augen blitzen.

Aber die Ernüchterung folgt schnell, auf der Fashion Week in Paris, wo der Konkurrenzkampf - so Paula - viel größer, die Atmosphäre viel kühler ist. Wer hier einen Job ergattern will, muss viele Castings am Tag absolvieren, hat „Hunderte von Mädchen gegen sich“. Sehr dünn zu sein ist hier das Ideal, obwohl Frankreich Magermodels gerade per Gesetz verbieten will. Paula ergattert selbst hier einen Job. In einem Showroom bei dem französischen Modelabel Carven präsentiert sie Einkäufern von Modehäusern aus aller Welt Kleider.

Aber sie ist verschreckt, dazu kommen Schwierigkeiten mit dem Geld. Sie wird nicht immer pünktlich bezahlt, will nicht von einem Tag auf den anderen für einen Job quer durch die Weltgeschichte fliegen, arbeitet auf ihrer Reise am Ende in England lieber in einem Pub, als weiter zu versuchen, Modeljobs zu kriegen.

Und jetzt? „Ich studiere jetzt erst einmal Kunst auf Lehramt und modele vielleicht nebenbei“, sagt Paula. „Ich weiß noch nicht genau, wo ich später im Leben hin möchte. Aber es wird kein Laufsteg sein.“

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