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Aus der Stadt Menschen ohne Papiere können jetzt zum Arzt
Hannover Aus der Stadt Menschen ohne Papiere können jetzt zum Arzt
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00:17 13.05.2016
Von Jutta Rinas
Menschen ohne Papiere können sich in Hannover behandeln lassen. Quelle: dpa/Symbolfoto
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Hannover

Sie läuft als Modellprojekt zunächst über drei Jahre und wird vom niedersächsischen Sozialministerium finanziert. Hannover und eine weitere Vergabestelle in Göttingen erhalten zusammen jährlich 500.000 Euro.
„Es ist zumindest ein Schritt dahin, das Menschenrecht auf eine Gesundheitsversorgung zu gewährleisten“, sagt Katrin Volkenand. Die Pädagogin und Gesundheitswissenschaftlerin leitet die Vergabestelle mit einer halben Stelle und gibt dort auch die Papiere aus. Auf Englisch und Spanisch kann sie sich verständigen, Französisch lernt die 32-Jährige derzeit noch nebenbei. Noch eine Sprache also, die ihr bei ihrer Aufgabe künftig weiterhelfen kann. „Eine ärztliche Notfallambulanz sind wir aber nicht“, betont sie: „Hier gibt es nur den Krankenschein und nicht die ärztliche Hilfe.“

Im niedersächsischen Landtag wurde länger über den anonymen Krankenschein diskutiert – und manchen Helfern, wie der Medizinischen Flüchtlingsberatung Hannover, „MediNetz“, geht er noch nicht weit genug. EU-Bürger, Arbeitsmigranten aus Rumänien oder Bulgarien beispielsweise, bekommen ihn nicht, auch wenn sie nicht krankenversichert sind. Auch Asylbewerber werden nicht versorgt: Ihnen steht aber laut Gesetz eine medizinische Basisversorgung zu. Außerdem wird zwar bei akuten, nicht aber bei chronischen Krankheiten geholfen.

Patienten mit Schmerzzuständen, schwangere Frauen, Kinder, die nicht essen wollten oder keine Nahrung bei sich behielten, hat Volkenand schon vor sich gehabt. Menschen, die hierhin geflohen sind, sich aber nie irgendwo gemeldet oder um Asyl gebeten haben, in der Regel, weil sie wissen, dass sie chancenlos sind. Menschen, die mit einem Visum für ein paar Monate eingereist und nicht wieder zurückgegangen sind. Man schätze, dass die Dunkelziffer der Personen, die illegal in Deutschland lebten, bei etwa einer halben Million liege, sagt Volkenand. Die Tendenz sei aufgrund der Flüchtlingskrise steigend. Rund 25 Gespräche hat sie selbst in der Vergabestelle seit Januar bereits geführt, rund 20-mal hat sie einen Krankenschein ausgegeben. Anders als früher können die sogenannten „papierlosen Menschen“ mithilfe der Vergabestelle jetzt zum Arzt. Die Kosten sind durch das Land gesichert, die Ärzte können sich also tatsächlich ganz auf den Gesundheitszustand ihrer Patienten konzentrieren.

  • Die Vergabestelle im Freizeitheim Linden, Windheimstraße 4, ist immer montags, dienstags, freitags von 9 bis 11 Uhr geöffnet, donnerstags von 13 bis 16 Uhr. Telefon: (05 11) 92 06 61 94.     
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