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Aus der Stadt Models fallen auf Betrüger rein
Hannover Aus der Stadt Models fallen auf Betrüger rein
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09:24 17.08.2012
Von Sonja Fröhlich
Von einer Modelkarriere wie der von Heidi Klum träumen viele junge Mädchen. Doch nicht immer sind die Agenturen seriös. Quelle: dpa
Hannover

Die Auszubildende wollte zunächst eine sogenannte Setcard erstellen lassen, eine Bewerbungsunterlage mit professionellen Fotos. Um den passenden Fotografen zu finden, meldete sie sich im Internet bei einer Plattform für Models, Fotografen und Visagisten an – auch einige Amateurfotos hinterließ sie dort. Eine Antwort kam prompt, „Terry Silver“ aus London stellte sich als Model-Agent mit 15 Jahren Erfahrung vor. Er schrieb: „Während ich im Internet auf der Suche nach einem Supermodel war, stieß ich auf Ihr Profil und Ihre wunderbaren Bilder.“ Dann bot er ihr einen Job für ein bekanntes Jeanslabel an; dafür sollte sie zwölf verschiedene „Fashion-Outfits“ präsentieren. Auch alles weitere hörte sich einfach an. „Die Dreharbeiten werden an einem angemieteten Fotostudio an ihrem Wohnort abgehalten. Für alles wird gesorgt sein. Sie können auch Ihre Mutter, Vater, Freunde, Leibwache mitbringen oder jemanden, mit dem Sie sich wohlfühlen“, schrieb „Terry Silver“. Einen Vertrag des vermeintlichen Auftraggebers schickte er mit. Darin wurde ihr eine Bezahlung von 13.500 Euro für den Job zugesagt. 8000 Euro sollte sie im Voraus erhalten, davon müsse sie 80 Prozent an eine ihr in Aussicht gestellte Hauptagentin weiterleiten – als einmalige Vermittlungsgebühr. Bei Folgeaufträgen sollte sie den kompletten Lohn behalten dürfen. Die 22-Jährige ging darauf ein. Schon kurze Zeit später erhielt sie Post aus dem Vereinigten Königreich: Insgesamt wurden ihr 16 Travelerschecks à 500 Euro zugesandt.

Die Hannoveranerin ließ sich die Schecks bei ihrer Sparkasse auszahlen. Dort wurde zunächst kein Verdacht geschöpft. 6400 Euro leitete sie über eine Geldtransferbank an die ihr genannte Hauptagentin „Stephanie Wolle“ nach Manchester weiter. Monatelang passierte erst einmal nichts. Die Hannoveranerin habe sich zwischenzeitlich gewundert, dass ihre Dienstleistung nicht abgerufen worden sei, sagt ihr Anwalt Albrecht-Paul Wegener.

Es habe mehrere Telefonate mit „Terry Silver“ gegeben, seine Mandantin habe auch die Sparkasse angerufen und gefragt, ob die Schecks rückbelastet werden könnten. Dort habe man ihr erklärt, sie solle vier bis sechs Wochen warten, danach „könne nichts mehr passieren“. Neun Monate nachdem sie die Travelerschecks eingelöst hatte, erhielt die Kundin von der Sparkasse die Mitteilung, dass alle Schecks gefälscht seien. Ihr wurden 8080 Euro inklusive Gebühren in Rechnung gestellt. Das Schuldanerkenntnis hat sie aber nicht unterschrieben. „Wie kann es sein, dass die Sparkasse erst so spät darauf kommt, dass es sich um Totalfälschungen handelt?“, hält Anwalt Wegener dem Geldinstitut vor.

Die Sparkasse Hannover wollte sich gestern mit dem Verweis auf das schwebende Verfahren nicht zu dem konkreten Fall äußern. „Es handelt sich aber leider nicht um einen Einzelfall“, sagte Sprecherin Renate Schmidt-Temmelmann. Travelerschecks seien als Reiseschecks, aber nicht als Zahlungsmittel sicher. Auch in Internetforen wird vor der Abzocke mit Travelerschecks gewarnt. Anwalt Wegener hat unlängst Strafanzeige gegen „Terry Silver“ und „Stephanie Wolle“ aus England erstattet. Die Ermittlungen sind laut Staatsanwaltschaft im März eingestellt worden. Es sei davon auszugehen, dass beide Personen nicht existieren.

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