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Aus der Stadt Wer brachte die Kanister zum Spanischen Pavillon?
Hannover Aus der Stadt Wer brachte die Kanister zum Spanischen Pavillon?
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00:16 08.09.2016
Verkohlte Trümmer im abgebrannten Spanischen Pavillon. Quelle: Dröse
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Hannover

Es dauerte am Montag bis 12 Uhr, bis das verheerende Feuer im Expo-Park so weit gelöscht war, dass die Feuerwehr abziehen konnte. In der Nacht zuvor war der brennende Expo-Pavillon Spaniens bis nach Sehnde zu sehen gewesen. Das imposante Gebäude darf derzeit nicht betreten werden – es besteht Einsturzgefahr. Deshalb konnten auch die Brandermittlungen im Inneren noch nicht aufgenommen werden. Nach HAZ-Informationen wurden aber Benzinkanister auf dem nahen Grundstück des ehemaligen Polen-Pavillons entdeckt. Sieben Stück standen in einer Reihe, die aber Lücken hatte - es waren mehrere herausgenommen worden. Alle waren leer, einer noch halbvoll, einer trug Schmauchspuren. Ein Polizeisprecher bestätigte am Nachmittag: „Ja, wir nehmen auch diese Spur in unsere Ermittlungen auf.“

Das Feuer hatte in der Nacht mehrere Wehren über Stunden beschäftigt - und im Internet schnell Diskussionen ausgelöst. Dort waren schnell die möglichen Schuldigen gefunden. Hatten nicht zwei hannoversche Projektentwickler gerade eine Woche zuvor das baufällige Gebäude von einem französischen Investor gekauft, um es möglicherweise zum Standort für die Oldtimersammlung Mobile Welten zu machen? „Das ist doch bestimmt warme Sanierung“, kommentierten etliche Internetnutzer.

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Ein verheerendes Feuer hat den Spanischen Pavillon auf dem Expo-Gelände in Hannover zerstört. Er ist nach dem Brand einsturzgefährdet.

Architekt Christian Schoen, der den Pavillon mit seinem Geschäftspartner Heiko Schramm gekauft hat, findet solche Sprüche gar nicht witzig. „Richtig ist, dass der notarielle Vertrag Ende August geschlossen wurde - aber wir sind noch gar nicht die im Grundbuch eingetragenen Eigentümer“, betont er. Möglicherweise würden die Kosten am Ende nun sogar höher ausfallen: „Wer weiß, wie viel kontaminierte Stoffe beim Löschen ins Erdreich eingedrungen sind und entsorgt werden müssen.“ Immerhin sei man glücklich, dass der Pavillon vom Vorbesitzer bei der hannoverschen VGH versichert war: „Da weiß man die Schadensabwicklung in guten Händen.“

Einsatzkräfte warnen: Es herrscht Einsturzgefahr

Weil am Montag viele Schaulustige trotz Einsturzgefahr Fotos im Gebäude machen wollten, hat Schramm & Schoen zunächst einen Mitarbeiter beauftragt, Wache zu halten. Zudem sollen Bauzäune aufgestellt werden. „Wir sind dazu nicht verpflichtet, aber wir fühlen uns verantwortlich, weil der Eigentümer weit weg ist“, sagt Schoen.

Die ungeklärte Brandursache löse Sorgen im Unternehmen aus, sagt Schoen: „Seit 16 Jahren steht der Pavillon, und es gibt nur kleine Brandstiftungen. Kaum steht in der Zeitung, dass wir ihn gekauft haben, brennt er komplett nieder - da macht man sich schon Sorgen, dass es Neider gibt.“ Schramm & Schoen hatte die Konstruktion des Pavillons wegen des architektonisch gelungenen Stahlskeletts erhalten wollen. Aber: „Es wird nun wohl auf einen Neubau hinauslaufen“, sagt Schoen. Der Vertrag sehe zwar vor, dass man bei einer plötzlichen Verschlechterung des Kaufgegenstands zurücktreten könne. Das sei aber derzeit nicht geplant.

„Gelände ist nicht zu sichern“: 2014 brannte es auf dem Dach des Holländischen Pavillons, 2013 gab es eine schwere Brandstiftung im Türkischen Pavillon, 2005 im Polnischen und 2003 im Dänischen Pavillon, auch im leer stehenden Spanischen Pavillon wurde immer wieder gezündelt. „Ein so weitläufiges Gelände ist nicht effektiv gegen kriminelle Energie zu sichern“, sagt Karsten Klaus, Geschäftsführer der städtischen Expo-Grund, die das Gelände verwaltet. Verantwortlich für die Sicherung der Pavillons sei der jeweilige Eigentümer. Man erhoffe sich aber von der zunehmenden Belebung eine Erhöhung der Sicherheit im Expo-Park, sagt Klaus.

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Der ehemalige spanische Pavillon auf dem Expo-Gelände ist bei einem Großbrand weitgehend zerstört worden. Die Feuerwehr konnte den Brand trotz eines Großaufgebots an Einsatzkräften und Fahrzeugen nur langsam eindämmen.

Klingenberg kauft Grundstück: Der Designmöbelhändler Uwe Klingenberg, der eine Dependance neben Ikea aufgebaut hat, hat zusammen mit einem Geschäftspartner ein direkt benachbartes Grundstück erworben. Es soll als Lager dienen, möglicherweise gibt es auch Studentenwohnen im Obergeschoss.

Von Conrad von Medingund Tobias Morchner

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