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Lüttje Lage: Morgens um 10 Uhr im IC in Hannover

Glosse Lüttje Lage: Morgens um 10 Uhr im IC in Hannover

Bahnfahrer kennen das: im Sommer fällt die Klimaanlage aus, im Winter hingegen bringt die überdrehte Heizung die Fahrgäste zum Schwitzen. Was hilft? Wie man mit den täglichen Hindernissen der Bahn umgeht, zeigt eine Gruppe regelmäßig vorbildlich: Frauenkegelclubs.  Eine Glosse von Mathias Klein.

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Quelle: Archiv

Liebe Bahn, 

nie habe ich mich bisher daran beteiligt, wenn andere gemeckert haben, sei es über Verspätungen, überfüllte Züge, peinliches Englisch, schwankende Waggons oder ausgefallene Klimaanlagen.

Ich habe mich auch noch nie darüber beklagt, dass sich bei jeder Bahnreise die von uns gebuchten Plätze garantiert zwischen denen eines Frauenkegelklubs befinden. Bei den Damen ist es Brauch, morgens um 10 Uhr den Sekt und kleine Likörflaschen zu öffnen. Das führt dann spätestens nach einer halben Stunde zu nicht mehr zu beruhigenden Lachkrämpfen beim Kegelklub. Und zu genervten Gesichtern rundherum.
Jetzt saßen meine Familie und ich in einem IC auf dem Weg nach Hannover wieder mitten in einer Kegelrunde. Es war, wie immer. Sekt und Likör, die Witze wurden schlüpfriger, die Stimmung stieg – und sank bei den Mitreisenden.

Und wir froren. Draußen war bestes Sommerwetter, im Zug war es eisig. Auch andere Fahrgäste kramten nach und nach alle verfügbaren Pullover und Jacken raus. Sie wolle es versuchen, antworte die Zugbegleiterin auf meine Bitte, die Klimaanlage auf erträgliche Temperaturen zu drehen. Es wurde kälter. Als die Zugbegleiterin nach einer halben Stunde wieder vorbeikam, fragte sie nach unserem Wohlbefinden. Es klang sarkastisch. Sie sagte, sie werde es noch mal versuchen und das Rädchen in die andere Richtung drehen. Als sie wiederkam, schaute sie fröhlich in unsere eisigen Gesichter. Komisch, meinte sie. Es müsste doch jetzt funktioniert haben. Fünf Minuten später meldet sie sich zurück: Im hinteren Teil des Wagens sei es jetzt längst nicht so kalt, meint sie. Hilft uns aber nichts, weil alle Plätze belegt sind. Wir und unsere Mitreisenden froren also bis Hannover weiter. Nur der Frauenkegelklub kam ohne Jacken und Pullis aus.

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