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Aus der Stadt Müllexperten von CDU und SPD wollen Sackabfuhr behalten
Hannover Aus der Stadt Müllexperten von CDU und SPD wollen Sackabfuhr behalten
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16:10 22.10.2010
Alles im Sack? In der Region Hannvoer wird er wohl vorerst nicht von der Tonne abgelöst werden. Quelle: Uwe Dillenberg

Beim Thema Müll gibt es in der Regionsversammlung eine große Mehrheit über Parteigrenzen hinweg: Alles soll so bleiben, wie es ist, lautet die Devise. In der Stadt Hannover sollen die Bürger ihren Müll weiterhin in Tonnen packen, in weiten Teilen des Umlands weiterhin in die Säcke, die es schon im alten Landkreis Hannover gab.

Auch die Forderung des aha-Personalrats, die Sackabfuhr im Interesse der Gesundheit der Müllwerker abzuschaffen, ändert die Haltung der Müllexperten nicht. Der Personalrat hatte in der HAZ argumentiert, viele Müllwerker litten unter Rücken- und Skeletterkrankungen. Das Heben der bis zu zehn Kilo schweren Säcke und das Wuchten derselben auf die Müllwagen bringe starke gesundheitliche Belastungen mit sich. Würde es überall die Tonne geben, wäre alles viel einfacher, weil nichts gehoben werden müsste.

In den Reaktionen der Abfallexperten hält sich Mitleid für die Müllwerker in Grenzen. „Es ist eine Frage der Handhabung“, sagt der Müllexperte der SPD-Regionsfraktion, Wilhelm Behne. Er sehe oft, dass junge Mitarbeiter des Abfallwirtschaftsbetriebs aha zwei bis drei Säcke auf einmal heben. „Die sind dann früher mit ihrer Tour fertig und können früher Feierabend machen.“ Eine Verkleinerung des Sackvolumens und damit die Umstellung auf leichtere Säcke ist aus der Sicht von Behne auch keine Lösung. „Dann heben die eben mehr Säcke auf einmal“, sagt der SPD-Politiker.

Er warnt Personalrat und Mitarbeiter vor den gravierenden Konsequenzen einer Umstellung von Sack auf Tonne: „Da kann es sein, dass dann so viel Technik eingesetzt wird, dass weniger Mitarbeiter nötig sind“, meint er. Außerdem könnte sich dann auch ein ganz anderes Berufsbild ergeben, nämlich für höher qualifizierte Mitarbeiter, sagt Behne.

Der Abfallexperte der CDU, Manfred Wenzel, bedauert, dass einige Säcke zu schwer seien. Er schlägt vor, die großen Säcke abzuschaffen und dafür noch kleinere anzubieten. „Das wäre ein Kompromiss, über den man sprechen kann“, sagte er. Wenzel bleibt ein Befürworter der Säcke und nennt als ein Argument dafür die höhere Quote sogenannter Fehleinwürfe bei den Tonnen. Als Fehleinwürfe bezeichnet man zum Beispiel Müll wie Autobatterien, die extra entsorgt werden müssten, aber von einigen in die Tonnen geworfen werden. „Angesichts dessen müsste man eher überall die Säcke einführen, weil es dort mehr Kontrollmöglichkeiten gibt“, meint der CDU-Politiker.

Aber so weit wird es sicher nicht kommen. Stattdessen versuchen Regionsverwaltung und aha, auch die Bewohner im Umland in vorsichtigen Schritten von der Mülltonne zu überzeugen. Zum Teil ist das durch die blaue Papiertonne, die immer noch bestellt wird, schon gelungen. Viele hätten gemerkt, wie einfach sie zu handhaben sei, heißt es bei aha.

Großen Anklang bei den Bürgern findet offenbar auch die sogenannte O-Tonne, die seit wenigen Monaten in Uetze getestet wird. Sie ist für Wertstoffe wie wiederverwertbares Plastik, Alteisen, Elektrokleingeräte und Altkleider gedacht. Und sicher auch als eine Art Tonnen-Gewöhnungsprogramm für die Bürger.

Die Restmüllsäcke hatte der damalige Landkreis Hannover bei der Gebietsreform 1974 flächendeckend eingeführt. Bei der Gründung des Abfallwirtschaftsbetriebes aha im Jahr 2003 beharrten die ehemaligen Kreispolitiker auf der Beibehaltung der Säcke. Und viele Umlandbewohner haben sich so an die Säcke gewöhnt, dass sie auf keinen Fall eine Tonne vor der Tür haben wollen. Beispielsweise berichtet Müllexperte Behne, dass er immer wieder von Bürgern gebeten werde, alles beim Alten zu lassen. „Wir sollen stur bleiben, weil das das ideale System sei, sagen die Leute“, erzählt er. Mit der Sturheit müssen aha-Chefin Kornelia Hülter und der zuständige Umweltdezernent der Region, Axel Priebs, leben. Sie wissen, dass das aha-Gebilde mit zwei unterschiedlichen Abfallentsorgungsarten unter einem Dach bundesweit wohl einmalig ist. Erhöhte Kosten sind die Folge. Erst vor Kurzem konnten beide das Beharrungsvermögen der Umlandpolitiker wieder einmal erleben. Nachdem der Laatzener Bürgermeister Thomas Prinz angekündigt hatte, in Teilen seiner Stadt die Tonne statt der Säcke probeweise einzuführen, machte sich ein Sturm der Entrüstung breit. Die Tonne werde den Bürgern einfach übergestülpt, hieß es.

Vermutlich wird auch die Linken-Fraktion in der Regionsversammlung kein Gehör finden. Es gehe bei der Frage Sack oder Tonne um die Gesundheit der Müllwerker, meinte deren umweltpolitischer Sprecher Michael Braedt. Viele Regionspolitiker betrachteten das Thema aber als „Glaubenskampf zwischen Landeshauptstadt und Region“.

Mathias Klein

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