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Aus der Stadt Mützenräuber legt Geständnis ab
Hannover Aus der Stadt Mützenräuber legt Geständnis ab
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00:16 24.07.2015
Von Michael Zgoll
Der Angeklagte Oliver K. bespricht sich mit seinem Verteidiger. Quelle: Schaarschmidt
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Hannover

Mit einer Pistole versetzte Oliver K. eine Reihe von Kassiererinnen in Todesangst, doch die bei acht Überfällen erbeutete Summe von gut 4400 Euro war eher lächerlich. Seit gestern muss sich der sogenannte Mützenräuber vor dem Landgericht wegen räuberischer Erpressung verantworten. Bei seinen Raubzügen durch hannoversche Geschäfte hatte der Angeklagte immer eine auffällige Ohrenklappenmütze getragen. Der 51-Jährige legte vor Gericht – wie schon bei der Polizei – ein Geständnis ab.

Der Räuber hatte im Februar und März dieses Jahres innerhalb von nur vier Wochen neun Geschäfte überfallen, schwerpunktmäßig in der City, gegen Ende auch in Kleefeld, Vahrenwald und Döhren. Er kam immer abends zwischen 18.30 und 21.10 Uhr, hielt den Verkäuferinnen von Schuhgeschäft und Sonnenstudio, Lederwaren-, Schreibwaren- und Modeladen eine Waffe vor die Nase und erbeutete Beträge zwischen 50 und 1450 Euro. Dass Oliver K. mit Spielzeugrevolver und -pistole unterwegs war, wussten die Opfer nicht. Ein Überfall auf eine Stichweh-Filiale in der Georgstraße scheiterte, weil die Verkäuferinnen sich weigerten, die Kasse zu öffnen.

Festgenommen wurde der 51-Jährige am 9. März an der Hildesheimer Straße in Döhren, wenige Minuten nach einem Überfall auf ein Kik-Bekleidungsgeschäft an der Peiner Straße. „Ihr habt jetzt den Richtigen“, soll er den Polizisten bei der Festnahme gesagt haben – wollte hier jemand mit seiner immer gleichen Maskerade auf sich aufmerksam machen und letztendlich gefasst werden?

Der gelernte Bäcker soll bereits mehrfach vorbestraft sein, unter anderem wegen Betrügereien, Diebstählen und räuberischer Erpressung. In einer Verteidigererklärung wies Anwalt Dirk Schoenian darauf hin, dass seinen Mandanten Anfang der Neunzigerjahre die kurz aufeinanderfolgenden Suizide von Bruder und Vater aus der Bahn geworfen hätten. Straffrei blieb Oliver K. in einer Phase zwischen 2005 und 2013, als ihm eine Eheschließung Halt gab. Doch 2013 brach diese heile Welt auseinander: K. verlor Frau, Arbeitsplatz und Wohnung, schlug sich wieder mit Gaunereien durch. „Zu dieser Zeit hatte sich mein Mandant bereits aufgegeben“, sagte Schoenian. Im Februar 2015 begann K. dann, als Mützenräuber sein Unwesen zu treiben – aus reiner Geldnot, wie er sagte. Drogensüchtig oder alkoholkrank soll der Serientäter nicht sein.

Am Freitag will die 19. Große Strafkammer unter Vorsitz von Stefan Joseph etliche Zeugen der Überfälle vernehmen. Anfang August wird das Urteil erwartet.

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