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Gesangswettbewerb

Musikalisch hohes Niveau bei Liederwettstreit "Hören 2010"


Während TV-Moderator Stefan Raab noch nach Sängern für den „Eurovision Song Contest“ sucht, konnten die 1000 Besucher im ausverkauften Pavillon am Freitagabend eine gelungene Alternative zum internationalen Liederwettstreit bestaunen: den hannoverschen Musikwettbewerb „Hören 2010“.
„Der Wettbewerb ist ein Gegenentwurf zu den Pseudopopstarshows“, sagte Rapper Spax.

„Der Wettbewerb ist ein Gegenentwurf zu den Pseudopopstarshows“, sagte Rapper Spax.

© Christian Burkert

Elf Bands und Solokünstler der HMTH traten beim Liederwettstreit "Hören 2010", den die Hochschule für Musik und Theater Hannover (HMTH), das Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung sowie das Popinstitut zum zweiten Mal gemeinsam ausgeschrieben hatten, mit jeweils einem eigenen Stück gegeneinander an. Als Sieger wurden schließlich die Favouriten gekürt: Die 21-jährige Sängerin Valeria Piepenbrock und die Band Sustar.

Das Publikum und eine Fachjury, zu der auch die deutschen „Eurovision Song Contest“-Kommentatoren Peter Urban und Tim Frühling gehörten, hatten über die Gewinner der fünfstündigen Veranstaltung, die tatsächlich wie der TV-Sängerwettbewerb aufgebaut ist, entschieden. So warben die Bands vor ihren Auftritten mit Imagefilmen für sich, es gab die obligatorische Live-Schaltung in den Backstage-Bereich („Wie ist die Stimmung?“) und der gut aufgelegte hannoversche Rapper Spax präsentierte am Ende seiner Moderation – natürlich – den Schnelldurchlauf.

Musikalisch wurde Vielfalt auf hohem Niveau geboten. Da war zum Beispiel Paul Gutjahr. Mit Schiebermütze und Schmachtlächeln pustete er erst mal Seifenblasen ins Publikum, um später mit wunderbar tiefer und gefühlvoller Stimme seine Ballade „What you want“ am Klavier vorzutragen. Wer war noch gleich Roger Cicero? Stilistisch völlig anders kam Victor Visotzsky daher. Mit selbstsicherem Hüftschwung und frivolem Augenzwinkern sorgte er für Feierstimmung mit Latinpop-Klängen. „Party in the night“ – der Songtitel war Programm. Wieder anders präsentierte sich die Band Noisome Paste. Harte Gitarren, groovender Bass und ein schnelles Schlagzeug lieferten mitreißende Rockmusik. Die Journalisten im Publikum hatten vorab Ohrenstöpsel bekommen, sicherheitshalber.

Wie beim „Eurovision Song Contest“ galt es aber auch, durch eine gute Show aufzufallen. Und so gab es Hand-auf’s-Herz-Gesten bei besonders gefühlvollen Stücken, coole Ausfallschritte und kleine Überraschungen wie der Beitrag der Band Goldkind: Die 26-jährige Sängerin Jana Grobe kam zu stampfenden Neue-Deutsche-Welle-Elektroklängen in einer Badewanne voller Luftballons auf die Bühne – ein herrlich greller Auftritt, nicht zuletzt wegen der übergroßen Schmetterlinge in ihrem Haar.

„Der Wettbewerb ist ein Gegenentwurf zu den Pseudopopstarshows“, sagte Spax. Denn so schrill mancher Auftritt auch geriet, die Komposition der Songs stand stets im Mittelpunkt. Und tatsächlich hatte fast jedes Lied Ohrwurmqualitäten, besonders der Siegersong, den die Jury letztlich auswählte. Wie schon im vergangenen Jahr setzte sich die 21-Jährige Valeria Piepenbrock durch. Sie rührte Experten und Publikum mit ihrem poetischen Song „Stay“, in dem es um Trennungen geht, und erhielt mehrmals die Zwölf-Punkte-Bestnote. Piepenbrock freute sich riesig und nutzte den Auftritt, um zugleich ihre Debüt-CD anzukündigen, die bald erscheinen soll.

Die erfolgreiche Sängerin gewann nur knapp gegen die Band Sustar, die mit ihrem Soulrocksong „Radio“ den Publikumspreis gewann. Im Lied heißt es, die Band werde bald berühmt und dann auch im Radio zu hören sein – und mit der CD-Produktion, die die „Hören“-Sieger gewonnen haben, scheint dieses Ziel zumindest in greifbare Nähe gerückt zu sein.

Jan Sedelies

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