Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Staatsschutz sucht Gruppe von Muslimen in Hannover
Hannover Aus der Stadt Staatsschutz sucht Gruppe von Muslimen in Hannover
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 07.08.2016
Von Tobias Morchner
Missionsversuch an der Haustür: die Gruppe von Männern ist bislang noch unbekannt. Quelle: dpa/Symbolbild
Anzeige
Hannover

Am Mittwochabend wurden drei Männer in der List dabei beobachtet, wie sie gegen 21 Uhr von Mehrfamilienhaus zu Mehrfamilienhaus zogen, an Türen mit ausländischen Nachnamen klingelten. Fanden sie keinen Ansprechpartner, verschwanden sie so plötzlich, wie sie gekommen waren. Wer die drei waren und von welcher Gemeinde sie kamen ist nicht bekannt. Die Polizei wertet das Verhalten als möglichen Anwerbeversuch. Ein solcher Versuch ist nicht strafbar. Deshalb schickte die Behörde keinen Streifenwagen, um die Identität der Männer zu überprüfen. Inzwischen hat die Polizei allerdings umgedacht – der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen.

Eine Zeugin, die die drei bärtigen Männer in ihren langen Gewändern beobachtet hatte, informierte per Notruf die Polizei. „Mir kam das Ganze komisch vor: Um diese Uhrzeit zieht doch niemand mehr von Haus zu Haus“, sagt sie.

In der Leitstelle der Polizei erklärte ein Beamter der Anruferin, das Phänomen sei der Polizei nicht neu und als ungefährlich einzustufen. Auf HAZ-Anfrage erklärte die Behörde: „Dieses Phänomen ist im Bundesgebiet bekannt, uns hier in Hannover bislang nicht zur Kenntnis gelangt.“ Wie es scheint, sind Polizei und Landesverfassungsschutz da allerdings nicht auf dem gleichen Wissensstand. Der nämlich hält den Vorfall von Hannover für ungewöhnlich. „Uns ist ein solches Vorgehen bislang nicht bekannt gewesen“, sagt Behördensprecher Frank Rasche.

Diskutieren Sie mit!

Jeden Tag geben wir ausgewählte Artikel zum Kommentieren frei. Bis zu drei Tage nach Veröffentlichung des Textes können Sie mitdiskutieren. Sie finden die Anmeldung und die bereits abgegeben Kommentare weiter unten auf dieser Seite. Viel Spaß beim Kommentieren!

Der Landesverband der Muslime in Niedersachsen verurteilt die Missionierungsversuche. „Ich kann das nicht befürworten“, sagt Landesvorstand Recep Bilgen. Das Verhalten der Männer erinnere ihn an das der Zeugen Jehovas. „Für Muslime höre ich so was zum ersten Mal.“ Mohammed Kobbani, Vorstand des islamischen Gemeindehauses in der Grabbestraße, hält den Vorgang für ein „Unding“. Wer für den Islam als friedliche Religion werben wolle, ziehe nicht zu einer solchen Zeit von Haustür zu Haustür ohne sich vorzustellen. Das Gemeindehaus liegt nahe der Straße, in der die Männer gesehen worden waren.

Vor dem Hintergrund dieser Einschätzungen, dem Messerangriff der 15-jährigen Safia S. auf einen Bundespolizisten im Februar im Hauptbahnhof, aber auch nach den jüngsten Anschlägen in Bayern mit islamistischem Hintergrund und der Großrazzia gegen den radikalen Deutschsprachigen Islamkreis in Hildesheim wirft das Verhalten der Polizei Fragen auf. Etwa die, warum die Ermittler nach dem Anruf keinen Streifenwagen schickten, um die Identität der Männer zu klären und sie nach ihren Absichten zu befragen. Jetzt gestaltet sich die Fahndung nach ihnen wesentlich schwieriger.

Laut Verfassungsschutzbericht ist die zurzeit dynamischste islamistische Bewegung in Niedersachsen der Salafismus. „Im Vergleich zu 2014 war im Jahr 2015 eine Steigerung der Anhängerzahlen von 400 auf 520 zu verzeichnen“, heißt es in der Jahresbilanz der Behörde. Vor allem junge Menschen fühlten sich angesprochen. Befördert werde dies unter anderem durch professionelle Missionierungsaktivitäten.

Vizekanzler Sigmar Gabriel wirft seinen "Sommerreise"-Fahrplan eigens für einen Besuch in der Zentralen Polizeidirektion um. Dort informiert er sich über schusssichere Westen, neue Waffentechniken und der Gemütslage der Polizei.

Michael B. Berger 07.08.2016

Ein 20-Jähriger, der einem Polizisten in einem Misburger Reihenhaus mit einem einzigen Schlag den Kiefer gebrochen und drei Zähne ausgeschlagen hatte, ist gestern zu einer Bewährungsstrafe von anderthalb Jahren verurteilt worden. Der Beamte hatte ihn in den Schwitzkasten genommen.

Michael Zgoll 07.08.2016

Die Besucherzahlen im Schlossmuseum Herrenhausen bleiben weiter hinter den Erwartungen zurück. Nach Angaben der Stadtverwaltung haben sich im ersten Halbjahr 2016 nur 32.207 Menschen die Sammlungen in den beiden Seitenflügen und im unterirdischen Verbindungsgang angeschaut.

Andreas Schinkel 07.08.2016
Anzeige