Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Staatsschutz sucht Gruppe von Muslimen in Hannover

Missionierung an der Haustür Staatsschutz sucht Gruppe von Muslimen in Hannover

Mutmaßlich radikale Muslime sind derzeit in Hannover unterwegs, um Männer dazu zu bringen, zum Islam zu konvertieren. Nachdem sich eine Zeugin aus der List gemeldet hatte, der das Verhalten der bärtigen Männer verdächtig vorkam, schickte die Polizei keinen Streifenwagen. Doch jetzt ermittelt der Staatsschutz. 

Voriger Artikel
„Polizeibeamte sind kein Freiwild“
Nächster Artikel
Kaufprämie für Elektroautos floppt zum Auftakt

Missionsversuch an der Haustür: die Gruppe von Männern ist bislang noch unbekannt.

Quelle: dpa/Symbolbild

Hannover. Am Mittwochabend wurden drei Männer in der List dabei beobachtet, wie sie gegen 21 Uhr von Mehrfamilienhaus zu Mehrfamilienhaus zogen, an Türen mit ausländischen Nachnamen klingelten. Fanden sie keinen Ansprechpartner, verschwanden sie so plötzlich, wie sie gekommen waren. Wer die drei waren und von welcher Gemeinde sie kamen ist nicht bekannt. Die Polizei wertet das Verhalten als möglichen Anwerbeversuch. Ein solcher Versuch ist nicht strafbar. Deshalb schickte die Behörde keinen Streifenwagen, um die Identität der Männer zu überprüfen. Inzwischen hat die Polizei allerdings umgedacht – der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen.

Eine Zeugin, die die drei bärtigen Männer in ihren langen Gewändern beobachtet hatte, informierte per Notruf die Polizei. „Mir kam das Ganze komisch vor: Um diese Uhrzeit zieht doch niemand mehr von Haus zu Haus“, sagt sie.

In der Leitstelle der Polizei erklärte ein Beamter der Anruferin, das Phänomen sei der Polizei nicht neu und als ungefährlich einzustufen. Auf HAZ-Anfrage erklärte die Behörde: „Dieses Phänomen ist im Bundesgebiet bekannt, uns hier in Hannover bislang nicht zur Kenntnis gelangt.“ Wie es scheint, sind Polizei und Landesverfassungsschutz da allerdings nicht auf dem gleichen Wissensstand. Der nämlich hält den Vorfall von Hannover für ungewöhnlich. „Uns ist ein solches Vorgehen bislang nicht bekannt gewesen“, sagt Behördensprecher Frank Rasche.

Diskutieren Sie mit!

Jeden Tag geben wir ausgewählte Artikel zum Kommentieren frei. Bis zu drei Tage nach Veröffentlichung des Textes können Sie mitdiskutieren. Sie finden die Anmeldung und die bereits abgegeben Kommentare weiter unten auf dieser Seite. Viel Spaß beim Kommentieren!

Der Landesverband der Muslime in Niedersachsen verurteilt die Missionierungsversuche. „Ich kann das nicht befürworten“, sagt Landesvorstand Recep Bilgen. Das Verhalten der Männer erinnere ihn an das der Zeugen Jehovas. „Für Muslime höre ich so was zum ersten Mal.“ Mohammed Kobbani, Vorstand des islamischen Gemeindehauses in der Grabbestraße, hält den Vorgang für ein „Unding“. Wer für den Islam als friedliche Religion werben wolle, ziehe nicht zu einer solchen Zeit von Haustür zu Haustür ohne sich vorzustellen. Das Gemeindehaus liegt nahe der Straße, in der die Männer gesehen worden waren.

Vor dem Hintergrund dieser Einschätzungen, dem Messerangriff der 15-jährigen Safia S. auf einen Bundespolizisten im Februar im Hauptbahnhof, aber auch nach den jüngsten Anschlägen in Bayern mit islamistischem Hintergrund und der Großrazzia gegen den radikalen Deutschsprachigen Islamkreis in Hildesheim wirft das Verhalten der Polizei Fragen auf. Etwa die, warum die Ermittler nach dem Anruf keinen Streifenwagen schickten, um die Identität der Männer zu klären und sie nach ihren Absichten zu befragen. Jetzt gestaltet sich die Fahndung nach ihnen wesentlich schwieriger.

Laut Verfassungsschutzbericht ist die zurzeit dynamischste islamistische Bewegung in Niedersachsen der Salafismus. „Im Vergleich zu 2014 war im Jahr 2015 eine Steigerung der Anhängerzahlen von 400 auf 520 zu verzeichnen“, heißt es in der Jahresbilanz der Behörde. Vor allem junge Menschen fühlten sich angesprochen. Befördert werde dies unter anderem durch professionelle Missionierungsaktivitäten.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Pierre-Vogel-Video

Bei der Aufarbeitung der Ermittlungen zum Fall der 15-jährigen Safia S., die einen Bundespolizisten am Hauptbahnhof mit einem Messer attackiert hat, räumt die Landespolizei einen Fehler ein. Wie die Polizeidirektion mitteilt, habe die Behörde deutlich früher als bislang erklärt Kenntnis von einem Video mit Safia S. und Hassprediger Pierre Vogel.

mehr
Mehr Aus der Stadt
Es war einmal in Hannover. Aber wo?

Auf in eine neue Runde: Sie kennen sich in Hannover aus? Zeigen Sie es! Schauen Sie sich die historischen Stadtansichten an, und erraten Sie, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Direkt hinter dem historischen Foto sehen Sie die Auflösung – in Form eines aktuellen Vergleichsbildes.

Die Mega 90er-Party in der TUI-Arena

Fun Factory, Captain Hollywood Projekt oder Culture Beat: Bei der Mega 90er-Party haben die Musikgrößen der Neunziger in der TUI-Arena die gute alte Zeit wieder aufleben lassen. Und das Publikum feierte ungenierte zu den Beats seiner Jugend.