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Aus der Stadt Muslime verärgert über Bischöfin Margot Käßmann
Hannover Aus der Stadt Muslime verärgert über Bischöfin Margot Käßmann
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21:53 22.01.2009
Von Felix Harbart
Sieht Käßmanns Aussage kritisch: Avni Altiner, Vorsitzender der hannoverschen Moscheegemeinde Jama'at un-Nur, mit Familie und Bezirksbürgermeisterin Barbara Knoke (rechts). Quelle: Uwe Dillenberg

Bei Muslimen in Hannover stößt das auf Unverständnis. Käßmanns Äußerungen stellten eine „Brüskierung der Muslime in Deutschland dar“, sagt Avni Altiner, Vorsitzender der hannoverschen Moscheegemeinde Jama’at un-Nur. Die Position der Landesbischöfin mache ihn sehr traurig.

Käßmann hatte am Dienstag auf einem Architekturforum in Hannover gesagt, man könne mit Kirchen nicht alles machen. Unter Umständen könne es besser sein, sie verfallen zu lassen oder abzureißen, als sie für eine „imageschädigende“ Nachnutzung zu verkaufen. Als Beispiele für unakzeptable Nachnutzungen hatte sie die Umgestaltung von Gotteshäusern zu Restaurants oder Diskotheken genannt. Auch eine Umnutzung als Moschee schloss sie aus. Als positives Beispiel hob sie dagegen die Umwidmung einer Kirche zu einer Synagoge hervor, wie es mit der Gustav-Adolf-Kirche in Leinhausen geschehen ist.

Auf Anfrage relativierte die Landesbischöfin ihre Aussage jetzt ein wenig, blieb aber bei ihrer Skepsis. Sie sei nicht grundsätzlich gegen eine Umwidmung zur Moschee, sagte die Bischöfin der HAZ. Allerdings sei es die Position der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), eine Kirche eher verfallen zu lassen als sie einer Nutzung zuzuführen, die mit den religiösen Gefühlen der Gemeinde unverträglich sei. Durch eine Umwidmung in eine Moschee könne genau das aber geschehen – gerade bei Menschen, die in der Kirche geheiratet hätten oder deren Kinder dort getauft worden seien. „Wenn eine Kirchengemeinde sagt, sie sei überzeugt, dass eine Nutzung als Moschee in tiefstem Frieden geschehen kann, bin ich einverstanden“, sagte Käßmann. „Im Moment sehe ich aber nicht, dass das möglich ist.“

EKD-Sprecherin Silke Römhild betonte, das Thema dürfe die „guten Beziehungen zum Islam nicht belasten“. Dennoch sei es wichtig, „auch Unterschiede herauszustellen“. Sie bedaure, dass sich Muslime durch die Aussagen Käßmanns brüskiert fühlten. „Das sollte ein Anlass sein, Gespräche miteinander zu führen.“

Avni Altiner hält den Einzug einer muslimischen Gemeinde in ein ehemaliges christliches Gotteshaus auch in Hannover für denkbar. „Wir wünschen den christlichen Gemeinden natürlich, dass sie ihre Kirchen nicht schließen müssen“, sagt er. Sollte es allerdings doch so weit kommen, seien die Kirchen für muslimische Gemeinden durchaus interessant.

Altiner ist auch Vorsitzender der Schura in Niedersachsen, die die unabhängigen Moscheegemeinden vertritt. Er gilt als Vermittler zwischen den Religionen. Erst im Dezember hatte der Bezirksrat Linden-Limmer ihn mit dem Bürgerpreis für seine Verdienste um die Integration und das Zusammenleben im Stadtbezirk geehrt. Seine eigene Gemeinde, so sagt er, sei nach wie vor eine „Hinterhofgemeinde“. „Wir brauchen uns aber nicht mehr in Hinterhöfen zu verstecken.“ Finanziell sei ein Umzug in eine ehemalige Kirche für manche Gemeinde durchaus leistbar. Auch im umgekehrten Fall würde er zustimmen: Die Nachnutzung einer Moschee durch eine andere Glaubensrichtung hätte Priorität vor jeder anderen Variante, sagt er. „Uns wäre es wichtig, dass das Gebäude ein Gotteshaus bleibt – egal, ob ein christliches oder ein jüdisches.“

Debatte auch in anderen Städten: Die Frage, ob eine Kirche zur Moschee werden darf, hat im vergangenen Jahr auch die Gemüter in Hamburg bewegt: Angestoßen hatte die Debatte die parteilose Kultursenatorin Karin von Welck. Jeder Abriss einer Kirche sei eine „Kapitulation unserer christlichen Gesellschaft“, argumentierte sie. Bevor ein Gottteshaus abgerissen werde, würde sie es „lieber als Moschee an eine islamische Gemeinde geben“, so die Senatorin. Welck ist Präsidentin des 32. Deutschen Evangelischen Kirchentages, der im Mai in Bremen tagt.

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