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Aus der Stadt Muss Bundespolizist Torsten S. erneut vor Gericht?
Hannover Aus der Stadt Muss Bundespolizist Torsten S. erneut vor Gericht?
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00:15 20.08.2016
In der Wache am Hauptbahnhof sollen sich die Vorkommnisse ereignet haben. Quelle: dpa
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Hannover

Im Fall des Bundespolizisten Torsten S., der wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz und Besitz von Kinderpornos zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde, ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Geht es nach den Rechtsanwälten Matthias Waldraff und Pascal Ackermann sowie ihrem Kollegen Paolo Diaz, muss sich der zurzeit bei gekürztem Gehalt suspendierte Beamte ein zweites Mal vor einem Gericht verantworten. Diesmal wegen Körperverletzung im Amt. Die Juristen haben vor dem Oberlandesgericht in Celle je eine Erzwingungsklage eingereicht. Auf diese Weise wollen sie erreichen, dass der Fall Torsten S. wegen des Vorwurfs der Misshandlung von Ausländern in der Wache der Bundespolizei am Hauptbahnhof gerichtlich aufgearbeitet wird.

Die Anschuldigungen gegen den Polizeiobermeister, er habe Flüchtlinge im Dienst geschlagen, getreten und gedemütigt, hatten den Fall überhaupt erst ins Rollen gebracht. Kollegen hatten bei der Staatsanwaltschaft Anzeige gegen den 40-Jährigen wegen dieser Vergehen erstattet. Doch die Ermittlungen der Behörden förderten keine belastbaren Beweise für die dem Polizisten zur Last gelegten Taten zu Tage. Es habe sich nicht zweifelsfrei klären lassen, ob der Beschuldigte S. grundlos Gewalt angewendet hatte oder das Opfer zu randalieren begann, als ihm die Handschellen angelegt wurden, hieß es in der Begründung der Staatsanwaltschaft.

Aus Sicht der Rechtsanwälte Waldraff und Ackermann, die einen Marokkaner vertreten, der in drei verschiedenen Vernehmungen Torsten S. beschuldigt hat, ihn misshandelt zu haben, wirft der Fall weiterhin viele Fragen auf, die unbedingt vor einem Gericht geklärt werden müssen. So behauptete der Bundespolizist, der Marokkaner habe sich auf der Wache zur Wehr gesetzt und deshalb mit Gewalt gefesselt und zu Boden gebracht werden müssen. „Warum liegt keine Anzeige wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte zum Nachteil des Beschuldigten S. vor?“, fragen die Anwälte des Marokkaners in ihrem Antrag zur Erzwingungsklage.

Erhebliche Widersprüche bei den Ermittlungen gegen Torsten S. sieht auch Rechtsanwalt Paolo Diaz. Er vertritt einen Mann, der Torsten S. bezichtigt, ihn misshandelt und in hilflosem Zustand auf einem Feldweg ausgesetzt zu haben. Auch diese Vorwürfe wurden aus Sicht des Juristen von den Behörden nicht ernsthaft verfolgt – trotz erheblicher Widersprüche. „Es gibt drei verschiedene Versionen über den Ablauf des Abends im Januar 2015“, sagt Diaz. Laut Leitstelle der Bundespolizei setzten Torsten S. und seine beiden Kollegen den Mann, der stark angetrunken war, vor seiner Wohnungstür ab. Einer der Polizisten in dem Fahrzeug gab allerdings an, die Beamten hätten den Mann an der Stadtbahnhaltestelle August-Madsack-Straße aus dem Fahrzeug gelassen. Der zweite Polizist meinte sich zu erinnern, den Betrunkenen in der Nähe der MHH abgesetzt zu haben. Torsten S. machte bislang keine Angaben. Rechtsanwalt Diaz und seinem Mandanten ist es in der Zwischenzeit gelungen, den tatsächlichen Ort der Aussetzung ausfindig zu machen. „Mein Mandant wurde auf einem Feldweg in der Nähe eines Reiterhofs an der Straße In der Bebie abgesetzt“, sagt Diaz. Diese Gegend kannte Torsten S. gut. Er soll eine Zeit lang ein Verhältnis mit einer Angestellten eines Schnellrestaurants im Hauptbahnhof gehabt haben. Die Frau wohnte damals in der Nähe des Reiterhofs. Wann das Oberlandesgericht über die beiden Anträge entscheiden wird, ist unklar.

Von Tobias Morchner und Isabel Christian

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