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Aus der Stadt Mutter darf Baby nicht im Bordrestaurant stillen
Hannover Aus der Stadt Mutter darf Baby nicht im Bordrestaurant stillen
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00:26 25.09.2015
Von Martina Sulner
Kathlin Schmidt mit Alma. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Immerhin: Alma, dreieinhalb Monate jung, ist dann doch noch satt geworden. Doch für ihre Mutter, Kathlin Schmidt, war es gar nicht so einfach, der Tochter zu essen zu geben. Denn Frau Schmidt wollte ihr Baby im ICE stillen - und dagegen hatten die Mitarbeiter im Bordrestaurant etwas einzuwenden.

Dabei fing der Tag für Kathlin und Alma Schmidt schön an. Am Morgen waren die beiden mit dem ICE von Hannover nach Frankfurt am Main gefahren, um Almas Onkel einen Überraschungsbesuch zu dessen 40. Geburtstag abzustatten. Die Rückfahrt traten Mutter und Baby um 17.16 Uhr im ICE an. Die Kleinkindabteilung war ausgebucht; Kathlin Schmidt hatte keinen anderen Platz reserviert und sich einen Sessel im Bordrestaurant (Werbemotto: „Essen, wie es mir gefällt“) gesucht. Ein Getränk habe sie konsumiert, ein weiteres bestellt, sagt die 38-Jährige. Als auch das Baby Hunger und Durst bekam, wollte die dreifache Mutter das Kind stillen. „Ich habe Alma mit einem Tuch abgedeckt, sie war kaum zu sehen“, sagt die Mutter. Dann jedoch sei eine Bahn-Mitarbeiterin auf sie zugekommen - mit den Worten: „Das muss jetzt auch nicht sein.“ Im Restaurant habe man schließlich mit Lebensmitteln zu tun. Frau Schmidt möge ihr Kind bitte außerhalb des Bordrestaurants stillen. Ob sie Alma mit Muttermilch aus dem Fläschchen füttern dürfe, fragte Schmidt verärgert. Ja, das sei erlaubt.

Der Gastrobereich, so die Gymnasiallehrerin aus der Nähe von Neustadt, sei zu dem Zeitpunkt nahezu leer gewesen. Den einzigen weiteren Reisenden habe sie angesprochen und gefragt, ob er sich von dem Stillen gestört fühle. Nein, fühle er sich nicht, sagte der, was den Schmidts nichts half. Kathlin Schmidt musste das Bistro verlassen. „Ich habe mich richtig gedemütigt gefühlt“, sagt sie. Ihr Ärger wirkt bis heute nach.

Mit dem hungrigen Baby im Arm, zwei Taschen und einem Kinderwagenaufsatz sei sie durch den ziemlich vollen Zug gegangen, auf der Suche nach einem freien Platz. „Mir liefen vor Wut die Tränen herunter“, sagt sie. Schließlich habe sie sich in der Nähe des Einstiegsbereichs auf den Boden gesetzt, um Alma zu stillen. „Von Kassel bis Hannover haben wir dort auf dem Boden verbracht.“

 „Störend und nicht angebracht“

Kathlin Schmidt hat sich telefonisch bei der Bahn beschwert und würde am liebsten Bahn-Chef Rüdiger Grube einen Brief schreiben, um ihm das Geschehen im ICE zu schildern. Grundsätzlich, so Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis, sei das Stillen im Zug seitens der Deutschen Bahn nicht verboten. Laut Meyer-Lovis hätten in diesem Fall jedoch weitere Gäste des Bordrestaurants es als „störend und nicht angebracht“ empfunden, dass eine Frau dort ihr Kind stille. Die Fahrgäste hätten das Bistropersonal angesprochen, und daraufhin hätten Mitarbeiterinnen Frau Schmidt den „Vorschlag gemacht, im Kleinkindabteil weiter zu stillen. Die Mutter habe sich „lautstark beschwert“.

Das stimme so nicht, sagt Schmidt. Es sei definitiv nur der eine weitere Gast im Restaurant gewesen, und der hätte sich an dem Stillen nicht gestört. Außerdem wundert sie sich, warum „in einer Gesellschaft, die immer mehr für Kinder tun möchte, die Ernährung eines so kleinen Säuglings auf die natürlichste Art und Weise nicht erlaubt sein soll“. Die Mutter ist immer noch sauer - zumal Alma „superlieb“ sei und sich im Restaurant ganz ruhig verhalten habe.

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