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Aus der Stadt Pläne für NS-Lernort vorgestellt
Hannover Aus der Stadt Pläne für NS-Lernort vorgestellt
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00:16 30.11.2017
Derzeit eine Baustelle: In der früheren VHS gegenüber dem Neuen Rathaus soll der NS-Lernort eingerichtet werden. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

 

Derzeit erinnert das entkernte Gebäude entfernt an ein Gerippe. Doch in gut einem Jahr will die Stadt in der früheren Volkshochschule am Friedrichswall einen Lernort zur Geschichte der hannoverschen  Stadtgesellschaft in der  NS-Zeit eröffnen. Das Gebäude steht seit dem Sommer 2015 leer und wird derzeit im großen Stil zum „Rathauskontor“ umgebaut.

Einrichtung gegenüber dem Rathaus soll zu Zivilcourage ermutigen

Bei einer Diskussion in der Volkshochschule hat Karljosef Kreter vom städtischen Team Erinnerungskultur jetzt Details zum Konzept des Lernorts vorgestellt. „Dieser soll ein Erfahrungsraum für Besucher jeden Alters sein“, sagt er. Die Einrichtung werde insgesamt 700 Quadratmeter in Erdgeschoss und Souterrain umfassen und für Gruppen von bis zu 15 Personen ausgerichtet sein. Besuche dort sollen mit thematischen Exkursionen in die Stadt einher gehen, etwa zur Aegidienkirche oder zum Holocaust-Mahnmal. 

Unter dem Motto „Mitmachen oder widerstehen?“ sollen Handlungsspielräume von Menschen in Diktaturen ausgelotet werden. Besucher können dazu eigenhändig verbürgte Familienschicksale und Einzelbiografien von Menschen aus Hannover recherchieren, unter anderem in einem „Forschenden Archiv“. 

Dass die Erinnerung an die NS-Zeit wachgehalten werden muss, war Konsens in der Diskussionsrunde. Gleichwohl übten Experten auf dem Podium auch Kritik an dem Projekt. „Das Konzept ist noch nicht befriedigend“, sagte Horst Meyer vom „Netzwerk Erinnerung und Zukunft“. Der Platz sei mit 700 Quadratmetern zu eng bemessen. Außerdem wäre es wünschenswert gewesen, einen authentischen Ort der NS-Geschichte für die Einrichtung zu finden. „Ein Neubau wäre besser“, erklärte Meyer – zumal die Stadt für die Räume jährlich rund 100 000 Euro Miete bezahlen müsse.

Auch Horst Dralle vom Arbeitskreis „Ein Mahnmal für das Frauen-KZ Limmer“ meldete „erhebliche Zweifel“ an, ob der Platz in der früheren VHS ausreiche. Er verwies außerdem darauf, dass die Gedenkstätte Ahlem erst 2014 nach einer 6,3 Millionen  Euro teuren Umgestaltung wiedereröffnet wurde. „Dort bearbeitet man ähnliche Themen“, sagte Dralle. Er mahnte eine klare Abstimmung zwischen beiden Einrichtungen an: „Es geht nicht an, dass Eifersüchteleien und Konkurrenzen gepflegt werden.“ 

In dieselbe Kerbe schlug auch der Historiker Hans-Dieter Schmid, während Reinhard Schwitzer vom Verein „Gegen das Vergessen“ darauf pochte, das Schicksal der Zwangsarbeiter angemessen zu würdigen. Detlef Schmiechen-Ackermann hingegen verwies darauf, dass der NS-Lernort als „Labor der Demokratie“ gedacht sei und eine andere Funktion als Ahlem habe: „Es soll ein Ort der politischen Bildung sein, keine Gedenkstätte.“

Wie trennscharf diese Unterscheidung in der Praxis sein kann, blieb in der Diskussion indes offen. Die Eröffnung des Lernortes  ist für den 27. Januar 2019 geplant – den Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus.

Von Simon Benne

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