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Aus der Stadt Viele Anmeldungen für Gratis-Kita-Plätze
Hannover Aus der Stadt Viele Anmeldungen für Gratis-Kita-Plätze
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18:15 16.03.2018
Symbolbild. Quelle: Jan-Philipp Strobel
Hannover

 Durch die Abschaffung der Kita-Gebühren ab dem 1. August wächst bei den Eltern die Nachfrage nach Plätzen und auch nach immer längeren Betreuungszeiten. Zudem können Familien, deren Kinder zwischen dem 1. Juli und 30. September sechs Jahre alt werden und eigentlich schulpflichtig sind, bis Anfang Mai entscheiden, ob sie ihren Nachwuchs tatsächlich in die Schule geben oder nicht. Der Landtag hat die Flexibilisierung des Einschulungskorridors gerade erst beschlossen. Die Kommunen stellt das und die Abschaffung der Kita-Beiträge vor zusehends größere organisatorische Probleme.

Weil zum einen Plätze, zum anderen aber auch Erzieherinnen und Erzieher fehlen, kann der Bedarf nicht gedeckt werden. Einige Kommunen im Umland, die ein zentrales Anmeldesystem haben, mussten bereits jetzt die ersten Absagen an Familien verschicken.  In der Wedemark fehlen 41 Kita- und 57 Krippenplätze, in Neustadt bekommen 250 Familien keinen Betreuungsplatz. 

Viele Familien bekommen keine Kita-Plätze 

„Die Entscheidung zur Beitragsfreiheit ist politisch richtig und sinnvoll. Die kurze Umsetzungfrist stellt die Kommunen jedoch vor Herausforderungen“, sagt Regionspräsident Hauke Jagau (SPD). „Die Kommunen haben in den vergangenen Jahren Anstrengungen unternommen, um den Bestand an Kitaplätzen aufzubauen, damit der Rechtsanspruch erfüllt werden kann. Auf die höhere Nachfrage, die die Beitragsfreiheit auslöst, sind die Städte und Gemeinden nicht eingestellt. Wir können leider nicht ausschließen, dass am Ende Familien ohne Kitaplatz dastehen.“ 

In Hannover ist die Lage unübersichtlicher,  weil die Eltern ihre Kinder nicht zentral bei der Stadt, sondern bei den einzelnen Trägern anmelden, teils sogar bei mehreren Einrichtungen. „Wir gehen nicht davon aus, dass durch die Abschaffung der Kita-Gebühren die Nachfrage nach Plätzen steigen wid, da wir bereits jetzt stadtweit eine Versorgungsquote von nahezu 100 Prozent haben“, lässt Bildungsdezernentin Rita Maria Rzyski mitteilen.

Träger spüren keinen gesteigerten Andrang

Auch bei großen Trägern wie Arbeiterwohlfahrt, Johanniter und Deutsches Rotes Kreuzes gibt es bislang keine spürbar gesteigerte Nachfrage. Zwar sagt Nicole Teuebr vom Niedersächsischen Städtetag, dass der Wunsch nach dann kostenlosen Ganztagsplätzen sicher wachsen werde. Aber Ingrid Kröger vom Kita-Fachbereich der Arbeiterwohlfahrt entgegnet, dass schon jetzt die  meisten Plätze Gantagsplätze seien. Mit den vier Stunden Betreuung, auf die Eltern einen Rechtsanspruch hätten, sei den wenigsten wirklich geholfen.

Angespannt ist die Lage aber dennoch wegen der Erziehermangels. Das bestätigt auch Melanie Scheer vom Familienzentrum Südstadt: „Wir haben kaum Bewerber auf freie Stellen.“ 

Wer hat Anspruch auf den Kitaplatz – der Sechs- oder der Dreijährige?

Zudem droht ein Durcheinander bei der Platzvergabe durch die Flexibilisierung bei der Einschulung. Viele Träger haben bereits ihre Zusagen an Eltern für August verschickt. Diese Familien hätten dann auch Anspruch auf den Platz. Wenn sich dann Eltern entschlössen, ihr Kind doch nicht einschulen zu lassen, müssten die sich dann für ein Jahr eine andere Einrichtung suchen. 

Das hält die Stadt für pädagogisch nicht sehr sinnvoll. Es wäre besser, wenn das von der Einschulung zurückgestellte Kind weiterhin in seine Kita gehen könnte. Eltern von Dreihjährigen könnten in diesem Jahr wohl erst ab Mai mit einer Zusage für einen Kitaplatz rechnen. Statt Beiträge abzuschaffen wäre es besser gewesen, mehr Geld in die Qualität der Kita zu stecken und etwa eine dritte Kraft in den Gruppen zu finanzieren, meinte Frauke Engel, Sprecherin der Johanniter. 

Von Saskia Döhner

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