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Aus der Stadt Nach Elefanten-Streit: Sind Zoos noch zeitgemäß?
Hannover Aus der Stadt Nach Elefanten-Streit: Sind Zoos noch zeitgemäß?
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15:10 27.12.2017
AR Zoobesucher beobachten die spielenden Elefanten im Zoo Hannover.  Quelle: dpa
Hannover

Quält der Zoo Hannover seine Elefantenbabys? Dies warf die Tierschutzorganisation Peta dem Zoo dieses Jahr vor. Peta veröffentlichte Videos, die zeigen sollten, wie Zooangestellte kleine Elefanten mit Haken misshandelten, um ihnen Zirkusnummern beizubringen. Die Staatsanwaltschaft bat Experten um Gutachten und entschied dann, dass die Pfleger keine Tierquälerei begingen. Trotzdem, für Zoo-Direktoren ist es heute nicht leicht eine Balance zwischen Unterhaltung, Tierwohl und Artenschutz zu finden. Sind Zoos überhaupt noch zeitgemäß? Ein Zoovertreter, ein Freizeitforscher und Tierschützer melden sich zu Wort.

Pro: Familien wollen echte Tiere sehen

 „Natürlich sind Zoos zeitgemäß“, sagt Professor Peter Zellmann vom Institut für Freizeit- und Tourismusforschung in Wien. Er untersucht das Freizeitverhalten von Menschen in Deutschland und Österreich. „Gerade jetzt, wo jedes Kind ein Handy hat, möchten Familien echte Tiere sehen.“ 

In den vergangenen Jahrzehnten hätten sich die Gehege stark verbessert, sagt der Sprecher des Verbands der Zoologischen Gärten, Sebastian Scholze. „Wo früher Gitterstäbe und Beton dominierten, erinnern heute viele Gehege an natürliche Lebensräume.“ Einige Zoos geben ihren Tieren inzwischen mehr Auslauf. In einem Zoo in der US-Stadt Philadelphia etwa flitzen Affen hoch über der Erde durch Röhren aus stabilem Maschendraht. So können sie Hunderte Meter außerhalb ihrer Gehege zurücklegen. 

Der Zoo Hannover hat seinen neuen Baby-Elefanten offiziell vorgestellt. Zum vierten Mal ist damit seit Dezember Elefanten-Nachwuchs auf die Welt gekommen.

„Natürlich können Tiere in Zoos nicht wie in freier Wildbahn Strecken zurücklegen, aber das müssen sie auch nicht“, sagt Scholze. „Bei uns müssen sie ja nicht jagen oder vor Feinden fliehen.“ Als Kompensation für den fehlenden Auslauf würden viele Zoos den Tieren Beschäftigungsprogramme bieten. 

Mit den schöneren Gehegen sei auch das Erlebnis für Besucher interessanter geworden, sagt Scholze. In großen Zoos können Leute einige Gehege begehen oder etwa im Zoo Hannover mit Schiffen wie bei einer Safari durchs Gehege fahren.

Schließlich argumentieren Zoos, dass einige Tierarten nur durch ihre Zuchtprogramme überlebt hätten. Einige Tiere hätten sie auch auswildern können, etwa das Przewalski-Pferd aus der Mongolei oder den seltenen Persischen Leopard. Im vergangenen Jahr haben deutsche Zoos nach eigenen Angaben mehr als 100 Zootiere ausgewildert.

Kontra: Artgerecht gibt es nicht

 Tierschutzorganisationen hingegen argumentieren, dass einige Tiere gar nicht artgerecht in Zoos gehalten werden können - etwa Elefanten, Eisbären, Delfine und Großkatzen. „Sie bräuchten viel größere Gehege, um ihr natürliches Verhalten ausleben zu können“, sagt Denise Ade, Artenschutzreferentin der Tierschutzakademie des Deutschen Tierschutzbundes. „Dies ist oft nicht der Fall und so haben einige Tiere Verhaltensstörungen.“ Studien zeigen auch, dass Tiere trauern und Stress empfinden können und sie Langeweile krank macht.

Der Zoo sagt „Au revoir“: Mit einem großen Festmahl haben sich Zoo Hannover und Elefantenfreunde von gleich fünf Dickhäutern verabschiedet. Sie ziehen in einen anderen Zoo um.

 „Es ist problematisch, dass viele Zoos immer mehr zu Freizeitparks werden und dabei mehr auf die Bedürfnisse der Menschen als auf die der Tiere geachtet wird“, sagt Ade. Sie kritisiert, dass große Zoos nur große, schöne Gehege für wenige Tiere hätten - etwa das 10 Millionen Euro teure Gehege für ein Pandabärenpaar im Berliner Zoo. „Aber die meisten Gehege bieten den Tieren zu wenig Abwechslung.“ Für Peta ist ein Zoo generell ein Gefängnis für Tiere und sollte daher gemieden werden. 

 Ade sagt zudem, dass Zoos kaum bedrohte Tierarten vor dem Aussterben bewahren, wie diese behaupten. „Nur wenige Zoos wildern wenige Tiere aus.“ Denn: „Viele Zootiere könnten gar nicht in der Wildnis überleben, weil sie nie gelernt haben, zu jagen oder nicht an natürliche Feinde gewöhnt sind.“ Tierschützer argumentieren daher, dass die Millionen an Steuergeldern, mit denen die mehr als 600 Zoos Deutschlands subventioniert werden, besser direkt in den Erhalt bedrohter Lebensräume eingesetzt würden. „Es bringt ja nichts, wenn Tiere nur in Zoos überleben und ihr natürlicher Lebensraum komplett zerstört wird.“

Von Anne-Sophie Galli/dpa

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