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Aus der Stadt Entwicklung bei Messerattacken soll enger beobachtet werden
Hannover Aus der Stadt Entwicklung bei Messerattacken soll enger beobachtet werden
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00:31 30.03.2018
Die Polizei will künftig genauer auf die Entwicklung bei Delikten mit Messern achten. Quelle: Symbolbild/dpa
Hannover

  Nach der Häufung von Messerangriffen am vergangenen Wochenende unter anderem in Hannover will die Polizei die Entwicklung jetzt besser beobachten. Polizeipräsident Axel Brockmann kündigte am Dienstag gegenüber der HAZ an, dass die Kriminalitätsstatistik der Polizei künftig „Straftaten unter Verwendung von Messern oder anderen Stichwaffen besonders erfassen“ soll. Bisher werden die Daten nur in der sogenannten Eingangsstatistik ausgewiesen, die aber nicht als zuverlässig gilt. Unter anderem hatte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Dietmar Schilff, in einem Interview in dieser Zeitung am Vortag eine bessere Beobachtung gefordert. 

Noch ist unklar, was genau am Wochenende einen 17-jährigen Palästinenser aus Syrien dazu brachte, eine 24-Jährige aus Burgwedel mit einem einzigen Messerstich so sehr zu verletzen, dass sie um ihr Leben kämpft. „Über die Tat, die sich am vergangenen Wochenende ereignet hat, bin ich zutiefst erschüttert und wünsche dem Opfer auf diesem Wege gute Besserung und eine schnelle Genesung“, sagte Brockmann der HAZ. Die Tat zeige einmal mehr, wie gefährlich es sei, wenn Messer oder andere Stichwaffen gegen Menschen eingesetzt werden. Um eine sachliche Auseinandersetzung zu gewährleisten, habe er die gesonderte Erfassung von derartigen Messerattacken angeordnet – auch wenn eine differenzierte Statistik kein Allheilmittel sei.

Unterdessen hat der innenpolitische Sprecher der Landtags-SPD, Ulrich Watermann, davor gewarnt, die Diskussion über die Bluttat in Großburgwedel mit einer Diskussion darüber zu vermengen, ob man den Familiennachzug von Flüchtlingen forcieren oder unterbinden sollte. Hierüber hatte CDU-Landtagsfraktionschef Dirk Toepffer eine Kontroverse mit der Integrationsbeauftragten des Landes, Doris Schröder-Köpf (SPD), begonnen. Während Schröder-Köpf auch die Tatsache, dass viele junge männliche Flüchtlinge ohne Familien in Deutschland leben, für Spannungen verantwortlich macht, hält Toepffer den Großburgwedeler Fall für das falsche Beispiel, da ausgerechnet dieser junge Täter nicht allein in Deutschland lebt. Watermann sagt, es sei viel wichtiger, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, warum junge Männer so schnell zum Messergreifen – und entsprechende Kriminalitätsprävention zu entwickeln. 

Auch Ministerpräsident Stephan Weil warnte vor einer generellen Verrohung in der Gesellschaft. „Der Ton ist ruppiger geworden.“ Wenn tatsächlich mehr Jugendliche Messer mit sich herumtrügen, sei es die Pflicht von Erwachsenen in Sportvereinen, Flüchtlingsunterkünften und Schulen, Aufklärung zu betreiben und die Gefahr zu problematisieren. Insgesamt hatte es in Hannover am vergangenen Wochenende fünf Attacken mit Messern gegeben. 

Unterdessen warnt auch der hannoversche Kriminologe Christian Pfeiffer vor verfrühten Schlussfolgerungen aus dem Burgwedeler Kriminalfall. Möglicherweise habe sich da ein Konflikt schon in dem Supermarkt hochgeschaukelt. „Wichtig ist auch hier – wie in 95 Prozent der Fälle solcher Gewaltkriminalität –, dass die Polizei den Täter gefasst hat“, meinte Pfeiffer. Dass junge Männer schnell mit dem Messer hantieren, habe man in den Siebziger- und Achtzigerjahren auch bei jungen Türken und Süditalienern erlebt – ein Phänomen, das sich dann aber auch gelegt habe. „Und zwar auch aufgrund der Erfahrung der Einwanderer, dass es bei uns eine funktionierende Polizei gibt.“ Für manchen Migranten sei dies eine neue Erfahrung gewesen. 

Von Michael B. Berger

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