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Zoo-Mitarbeiter erhalten Morddrohungen

Nach Vorwürfen von Peta Zoo-Mitarbeiter erhalten Morddrohungen

Nach der Ausstrahlung des Berichts im ARD-Magazin „Report Mainz“ über die Elefantenhaltung im Zoo Hannover hat der Zoo am Mittwoch zahlreiche Morddrohungen und andere Gewaltandrohungen erhalten. Sie richteten sich gegen die Elefantenpfleger, alle Zoo-Mitarbeiter und auch gegen ihn, berichtet Zoo-Geschäftsführer Andreas Casdorff.

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Umstritten: Mit dem Elefantenhaken trainieren Zoo-Mitarbeiter die Tiere.

Quelle: Rainer Droese

Hannover. Der Zoo habe Strafanzeigen erstattet. In dem Film, der auf Material der Tierschutzorganisation Peta beruht, sind Szenen zu sehen, wie Tierpfleger einen sogenannten Elefantenhaken vor allem bei Jungtieren einsetzen. Der Haken ist nach Angaben Casdorffs so konstruiert, dass er die Tiere nicht verletze.

Tierschützer werden Pflegern im Zoo Hannover vor, Baby-Elefanten zu misshandeln, um ihnen Kunststücke beizubringen. Der Zoo kündigte am Mittwoch an, konsequent zu handeln, sollte irgendwo ein Fehlverhalten stattgefunden haben. 

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„Das, was ich in den kurzen Sequenzen gesehen habe, ist nicht schön“, sagte die Tierschutzbeauftragte des Landes, Michaela Dämmrich, der HAZ. „Zeitweise wird ein Tier heftig mit dem Elefantenhaken malträtiert und gezwungen, bestimmte Sachen auszuführen. Die Arbeit mit Elefanten sollte auf Geduld und Vertrauen basieren. Dies sieht hier nicht so aus.“ Das zuständige Veterinäramt der Stadt werde den Vorgang überprüfen, so Dämmrich. Das war laut Zoo-Chef Casdorff regelmäßig geschehen - ohne Beanstandungen. Peta hat Strafanzeige gegen den Zoo gestellt. Es sei nun Sache der Staatsanwaltschaft zu prüfen, ob ein Verdacht auf Verstöße gegen das Tierschutzgesetz besteht, sagte Dämmrich.

Zoo: "Wir stehen für Tierschutz"

Casdorff erklärte, er sei nach dem Beitrag persönlich betroffen gewesen. „So, wie die Bilder zusammengeschnitten waren, fand ich sie emotional berührend.“ Er hat Peta um das gesamte Material gebeten. „Wir wollen sehen, ob wir etwas falsch gemacht haben.“ Der Zoo wolle überprüfen, ob etwas geändert werden müsse. Dafür will Casdorff einen Sachverständigen einschalten. „Der Ruf des Zoos steht auf dem Spiel“, sagte er.

Gegen Peta hatte es Vorwürfe gegeben, die Aufnahmen seien so zusammengeschnitten, dass die Berührungen mit dem Stock beschleunigt worden seien. Nach Einschätzung von Videoexperten der zur Madsack Mediengruppe gehörenden TVN-Group sind in den Internetvideos keine Manipulationen erkennbar. Casdorff bedauerte, dass in dem Fernsehbericht nicht der für das kommende Jahr geplante Umbau der Elefantenanlage erwähnt wurde. Dann soll es zwischen Tierpflegern und Elefanten keinen direkten Kontakt mehr geben, der Elefantenhaken wäre dann unnötig. „Das wird aber auch Nachteile zum Beispiel für die medizinische Versorgung der Tiere haben“, erläuterte der Zoo-Chef.

Unterdessen fordern die Regions-Grünen, den Umbau der Elefantenanlage vorzuziehen. Der Zoo sei mit dem Umbau zu naturnahen Lebensräumen weit fortgeschritten, sagte der Verbandsvorsitzende Henning Krause. „Aber das auf Dominanz und physischer Bestrafung basierende Trainingskonzept mit dem Elefantenhaken ist nach wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht artgerecht.“ Die Tierpfleger in der Elefantenanlage kritisierten unter anderem, dass der Beitrag ihre Arbeit mit den Elefanten nicht im Kontext zeige. Zur Arbeit eines Tierpflegers gehörten zum Beispiel auch Belohnungen für die Tiere.

Peta will am Sonnabend gegen den Zoo demonstrieren. Für 10.30 Uhr ist eine Kundgebung am Steuerndieb angemeldet.

Von Juliane Kaune und Mathias Klein

„Der Tierpfleger muss sich schützen“

Interview mit Hansjoachim Hackbarth, 
Leiter des TiHo-
Tierschutzzentrums

Wie bewerten Sie den Umgang des Zoos mit dem Elefantenhaken?

Man darf nicht vergessen, dass es sich vor allem bei jungen Elefantenbullen um hochgradig gefährliche Tiere handelt. Gerade in der Brunftzeit sind sie sehr aggressiv. Da muss sich der Tierpfleger schützen. Ein Elefantenhaken hilft aber auch, das Tier zu erziehen und zu trainieren.

Tut dies dem Tier weh?

Elefanten haben eine dicke Haut. Grundsätzlich kann die Erziehung eines Tieres mit Unannehmlichkeiten verbunden sein. Ein Hund mag es auch nicht, wenn man am Halsband zieht.

Experten wägen Vor- und Nachteile der Haltungsmethoden ab. Dem „Free Contact“ mit Elefantenhaken steht der „Protected Contact“ gegenüber, bei dem ein Gitter zwischen Mensch und Tier gezogen wird. Der Zoo will diese Variante einführen. Was befürworten Sie?

Ich bin gegen zu viele Gitter. Sie vermitteln ein Gefühl von Gefangenschaft. Ein vergittertes Gehege kann nie so groß sein, wie es nötig wäre. Natürlich ist ein Zoo, verglichen mit den Lebensbedingungen in der freien Natur, ein Kompromiss. Aber wer ihn eingeht, muss bestmögliche Haltungsbedingungen für die Tiere gewährleisten. Dies ist aus meiner Sicht der „Free Contact“.

Warum?

So kommt der Elefant in direkteren Kontakt mit dem Pfleger. Das ist wichtig, um ein stabiles Sozialgefüge zwischen Mensch und Tier aufzubauen. Mit bestimmten Trainingsmethoden wird ein Elefant nicht nur erzogen. Sie dienen auch dazu, ihn zu beschäftigen – das kann den Tieren durchaus Spaß machen. Zumal, wenn es dafür eine Belohnung gibt.

Ist es grundsätzlich artgerecht, Elefanten so zu erziehen, wie der hiesige Zoo es tut?

Da sind wir in der Diskussion über das Für und Wider von Zoos. Diese dienen dem Artenschutz. Sie haben aber auch einen Bildungsauftrag. Zoos ermöglichen es Menschen, Tiere kennenzulernen, die sie sonst nie zu Gesicht bekommen würden – außer im Fernsehen. Wer hat schon die Möglichkeit, nach Namibia zu reisen, um sich Elefanten in der freien Natur anzuschauen? Wird ein Tier im Zoo gehalten, muss es an den Umgang mit Menschen gewöhnt werden.

Interview: Juliane Kaune     

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