In Hannover ist der Widerstand gegen das Internetangebot Google Street View offenbar bisher gering. Nur vereinzelt, so teilte die Stadtverwaltung gestern mit, habe es in den Bürgerämtern Nachfragen nach Formularen gegeben, mit denen die Firma Google aufgefordert werden kann, die Fotos von Häusern im Internet unkenntlich zu machen. „Der große Ansturm ist ausgeblieben“, sagt Stadtsprecher Udo Möller. Wie berichtet, können Bürger noch bis zum 21. September schriftlich Widerspruch gegen die Abbildung ihrer Häuser und Wohnungen im Netz einlegen. Die Idee von Street View ist es, Straßenansichten ins Internet zu stellen und somit einen fotorealistischen Eindruck von Hannover und zunächst 20 weiteren Städten in Deutschland zu vermitteln.
Ein anderes System, das ähnlich wie Google Straßen fotografiert, hat Bilder schon seit Monaten im Internet stehen, ohne dass es bislang öffentlichen Protest gegeben hat: Bonn, Berlin, Düsseldorf, Köln, Hamburg und München stehen bereits auf der Internetseite sightwalk.de für virtuelle Spaziergänge zur Verfügung. Allerdings beschränkt sich das Internetportal auf für Touristen relevante Teile der Städte, weil die auch für Werbeeinnahmen interessant sind. Die Bilder von Sightwalk stammen nicht nur von Kamerawagen, breite Fußwege wie zum Beispiel die Reeperbahn in Hamburg und Fußgängerzonen wurden per Hand fotografiert. Gesichter und Nummernschilder sind bei Sightwalk „verwischt“. Ob dort demnächst auch Hannover zu sehen sein wird, war gestern nicht in Erfahrung zu bringen.
Unterdessen gibt es in den Kommentaren auf HAZ.de überwiegend positive Reaktionen auf die Pläne von Google. Beispielsweise schreibt ein HAZ-Leser, er nutze „manchmal Google Street View, um in Erinnerungen zu schwelgen, um in fernen Ländern und Urlaubsregionen bildlich durch Straßen zu wandern, durch die ich persönlich gegangen bin“. Heute könne er das aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr machen. Außerdem stellt der Leser die Frage, warum in Deutschland alles Neue erst einmal schlecht gemacht werden müsse. „Warum kann man sich nicht einfach an neuen Techniken erfreuen und einmal etwas Neues positiv betrachten?“
Ein anderer Leser warnt davor, eine Einschränkung für Google könne das Ende der sogenannten Panoramafreiheit in Deutschland nach sich ziehen. Die Panoramafreiheit oder auch Straßenbildfreiheit erlaubt es, urheberrechtlich geschützte Gegenstände oder Gebäude von einem öffentlich zugänglichen Ort zu fotografieren. Werde diese jedoch wegen der Diskussion um Street View eingeschränkt oder abgeschafft, so schreibt der HAZ-Leser, dann dürfe beispielsweise ein japanischer Tourist nicht mehr das Neue Rathaus fotografieren. Ein anderer Leser freut sich gar auf die Bilder aus Hannover: „Ich finde Street View klasse“, schreibt er. Er hofft, dass die Bilder bald im Internet zu finden sind. „Denn mein Haus ist auch dabei, und ich bin stolz darauf.“ Er schreibt weiter, dass sein Auto aber nicht vor dem Haus zu sehen sei, da er hinter dem Aufzeichnungswagen von Street View hinterhergefahren sei.
Aber es gibt auch weiterhin eine strikte Ablehnung von Street View unter den Bürgern: Beispielsweise fürchtet sich ein Leser vor der Datensammlung. Die Haupteinnahmequelle des Unternehmens sei die Werbung, schreibt er. „Und wenn man über das Internet widerspricht, haben sie gleich zum Namen und zur Adresse auch noch die IP-Nummer des Internetanschlusses.“ Ein weiterer Leser warnt vor den Folgen bei Bewerbungen. „Demnächst kann sich ein zukünftiger Arbeitgeber also nicht nur meine Partybilder ansehen (die ihn nichts angehen), er kann auch sehen, ob ich meine Fenster geputzt, mein Haus gestrichen oder meinen Vorgarten aufgeräumt hatte, als Google gefilmt hat.“
Der Musterwiderspruch zum Herunterladen
Musterwiderspruch Google Streetview (doc).doc 26,00 kB
Musterwiderspruch Google Streetview (pdf).pdf 11,81 kB
Musterwiderspruch Google Streetview (rtf).rtf 11,51 kB
Mathias Klein und Andreas Schinkel
HAZ.de Anmeldung
Kommentare
Spezial-Formular gesucht Bauchknospe – 13.08.10
Im Winter wurde ich in der Nordstadt vom Google-Kamerawagen geknipst.Jetzt habe ich die Befürchtung der Besitzer des Hauses vor dem ich stand könnte seinen Besitz per Antrag verpixeln lassen.
Gibt es ein Formular auf dem ich beantragen kann das ich ausgespart werde?
Das Bild sähe dann so aus:
Ich scharf, mein Gesicht per Weichzeichner anonymisiert stehe vor verpixeltem Haus. Super!
Mehr LSD geht nicht.
Formulare Frank – 13.08.10
Wo finde ich denn die Formulare um mich bei VDS, Swift, Elenar, Zensus usw verpixeln zu lassen?Warum schreien Politiker lauthals nach verpixelung bei Streetview obwohl sie VDS, Swift, Elenar, Zensus abgenickt und durchgewunken haben.
Widerspruch js – 13.08.10
Grad Widerspruch eingelegt.Und um meine Emailadresse mache ich mir auch keine Sorge - die wurde extra dafür angelegt.
Und Papierwerbung, naja, wenn wer meint er müsste mir noch Papierwerbung senden, die ungelesen im Papierkorb landet... macht sich übrigens auch gut um den Ofen im Winter anzufeuern.
Harmlos Dahlschlag – 13.08.10
So lange wir uns über solche Lächerlichkeiten wie Street View aufregen, dürfen wir uns viel vorwerfen lassen. Die Datensammlwut des Staates ist grenzenlos und wird permanent gesteigert. Einkommen, Vermögen, Finanztransaktionen, soziale Kontakte, Bewegungsprofile, Kommunikation jeder Art -für all das gibt es bereits heute riesige Datenbanken, die jeden von uns erfassen. Steuernummer, Elena, Bankkontenauskunft, Vorratsdatenspeicherung, Kennzeichensscanning, Swift, GSM-Ortung, neue Gesundheitskarte - Wo bleibt hier eigentlich die Aufregung?
Street View ist dagegen absolut harmlos.
Regenmacher bringen eigenes Schäfchen ins Trockene Pixel-Maler – 13.08.10
Man braucht nur mal zu sehen, wie sich derzeit Politiker beeilen, ihre Widersprüche einzureichen und sich "pixeln" zu lassen (in anderen Medien durchaus Top-Thema, nur hier im Niedertrachtenländchen-Medium wenig zu lesen).DIE wissen also offenbar, was zu tun ist und wie man sich vor all zu viel Öffentlichkeit zu schützen hat. Das konnten DIE schon immer gut. Und genau deshalb sollten wir uns ebenfalls um unsere Verpixelung kümmern - per Widerspruch.
Und dann sollten wir diese Hintertürchen-Strategen mal gründlich abstrafen, solange wir das noch auf demokratischen Wege können. Wer weiß, ob die nicht bald unsere Demokratie ebenfalls vergoogeln oder ver-e-buyen an irgendeinen privaten Anbieter, der uns dann verwaltet.
Aber wie absurd - erst einmal dafür zu sorgen, dass der Datenschutz unzureichend abgenickt und einem privaten wirtschaftsorientierten Unternehmen und Global Player Tür und Tor geöffnet sind, und dann selbst schnell das Grundgesetz zu nutzen, um das eigene Schäfchen ins Trockene zu bringen, nachdem man selbst ausreichend für Regen gesorgt hat. Heuchlerischer geht's nimmer!
Wie gut, dass wenigstens (noch!) unser GG sie vor sich selbst zu schützen weiß und uns vor denen.
Nur vereinzelt... Tim – 13.08.10
... naja ich warte erst mal ab, wie sich das Wiedespruchsverfahren entwickelt. So wie es jetzt ist kann sich Google nur die Hände reiben. Einfacher können sie ihre Datenbank nicht erweitern!