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Aus der Stadt Hooligans als „missratener Teil der Fußballfamilie“
Hannover Aus der Stadt Hooligans als „missratener Teil der Fußballfamilie“
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17:43 16.11.2014
Von Simon Benne
Hooligans demonstrieren bei der Aktion „Gemeinsam gegen Salafismus" in Köln (Archiv). Doch was sind das für Menschen, die da aufmarschieren? Quelle: dpa (Archiv)
Hannover

Herr Gebhardt, Sie haben sich mit der Gruppe der Hooligans beschäftigt, die heute in Hannover erwartet wird. Was für Menschen sind das?
Diese Subkultur ist sehr buntscheckig. Nicht jeder Hooligan ist ein Neonazi, und nicht jeder Neonazi ist ein Hooligan. Doch allerspätestens bei den Krawallen in Köln sind ihre Verbindungen in die rechtsextreme Szene offenkundig geworden. 

Oft heißt es, dass auch solide Bankangestellte oder Anwälte am Wochenende als Hooligans loszögen, um sich in Prügeleien einen Adrenalinkick zu holen ...
Das ist ein Klischee, das oft überstrapaziert wird. Natürlich finden wir hier vielfach Angehörige des unteren Mittelstandes. In Köln war es eher so, dass die Plebejer den Aufstand probten. Übrigens waren die Kölner Demonstranten meist keine ganz jungen Männer, sondern durchaus Vertreter der Generation 35 plus. Hannover wird zeigen, ob der Aktivistenstamm sich verjüngen kann.

Wo liegen die Berührungspunkte dieser Fußballfans zu Neonazis?
Zum Beispiel im Machismus. Hooligans sehen Fußball als Kampfsport, sie pflegen eine martialische Selbstdarstellung, definieren sich selbst als Krieger. Sie sind bildlich gesprochen auf der Suche nach den Stahlgewittern, die sie von der Enge des trüben Alltags befreien. Im Zeichen der Islam-Kritik formiert sich die Szene jetzt neu, sie politisiert sich – und auch da gibt es viele Berührungspunkte mit den Rechten. In einem Stück der Hooligan-Band Kategorie C heißt es sinngemäß, Fußball sei von Politik zu trennen. Das ist jedoch die Lebenslüge der Hooligans. Seit den achtziger Jahren war die Hooligan-Szene immer nach rechts offen.

Friedliche Fußballfreunde verwahren sich oft vehement dagegen, dass Hooligans als Fans bezeichnet werden.
Fans sind nicht immer politisch korrekt und friedlich. Hooligans sind ihren Vereinen oft eng verbunden, sie sind teils die Elder Statesmen der Fanszene. In den achtziger und neunziger Jahren waren sie sehr präsent, dann wurde es ruhiger um sie. Das Bild wurde eher von den Ultras geprägt, die teils links und antirassistisch eingestellt sind. Doch ganz verschwunden sind die Hooligans aus den Stadien nie. Sie sind so etwas wie der missratene Teil der Fußballfamilie. Wie der Onkel, der bei Familienfeiern zu laut ist und immer zu viel trinkt – der aber doch ganz eindeutig zur Familie dazu gehört. Vereine und friedliche Fans können nicht so tun, als hätten die Hooligans so gar nichts mit Fußball zu schaffen.

Welchen Stellenwert hat das Treffen in Hannover für die Hooligans?
Sie sehen sich selbst mit ihren Protesten gegen die Salafisten als Avantgarde der schweigenden Mehrheit. In Hannover wird sich zeigen, ob ihre Aktion floppt, weil die Polizei sie in die Schranken weist – oder ob die Hooligans sich als langfristige Bewegung etablieren.

Interview: Simon Benne

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