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Aus der Stadt Nachhaltigkeit auf dem Prüfstand
Hannover Aus der Stadt Nachhaltigkeit auf dem Prüfstand
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11:08 08.12.2011
Von Michael Soboll
Zeichen der Solidarität: Vandana Shiva, Trägerin des Alternativen Nobelpreises, unterstützt die Forderung der Kinder, den Kinderwald im Norden Hannovers nicht abzuholzen. Quelle: Martin Steiner
Hannover

Unter Umweltschützern und Globalisierungskritikern gilt sie als die „alte Dame des Widerstands“. Und dass Vandana Shiva trotz ihrer 59 Jahre noch nichts von ihrer Leidenschaft zu kämpferischen Auftritten verloren hat, bewies sie am Mittwoch bei einer Podiumsdiskussion im Ballhof Eins.

Anlass für den Kongress „Rio+20“ ist der bevorstehende 20. Jahrestag des Umweltgipfels der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro aus dem Jahr 1992. Damals beschlossen 172 Staaten die Agenda 21, ein Aktionsprogramm zur nachhaltigen Entwicklung von Umwelt- und Wirtschaftspolitik. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf lokalen Projekten – getreu dem Motto „Global denken, lokal handeln“. In Hannover soll nun eine Bilanz gezogen werden. Im Kern geht es um die Frage: Wie reagieren die Kommunen auf den Klimawandel? Themen wie klimaneutrales Wohnen oder energiesparende Mobilität sollen zur Sprache kommen. Gleichzeitig wollen die Teilnehmer Zukunftsstrategien entwickeln. Denn für 2012 ist erneut ein UN-Umweltgipfel in Rio de Janeiro angesetzt.

Zu der dreitägigen Veranstaltung in Hannover werden mehr als 400 Wissenschaftler, Umweltschützer und Vertreter aus Politik und Wirtschaft erwartet. Als Ausrichter tritt die Stadt Hannover auf. An der Organisation beteiligt ist ein Bündnis aus 23 Organisationen, zu denen etwa das Bundesumweltministerium, ver.di, die Friedrich-Ebert- und die Heinrich-Böll-Stiftung sowie die Region Hannover gehören. Als Gastredner werden der ehemalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer und Katrin Göring-Eckardt, Vizepräsidentin des Bundestages, erwartet.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit wird auch Vandana Shiva stehen. Die habilitierte Physikerin engagiert sich seit rund 30 Jahren für den Umweltschutz in Indien, für Frauenrechte und für den  Kampf gegen Saatgutkonzerne. Für dieses Lebenswerk ist sie 1993 mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet worden.

Bei ihrem gestrigen Auftritt war Shiva der Einladung des hannoverschen Jugendumweltnetzwerks Janun gefolgt, um mit Jugendlichen über Globalisierung zu diskutieren. Bevor sie die Fragen beantwortete, wartete eine Überraschung auf sie: Eine Gruppe von Kindern des Kinderwaldchors bestieg die Bühne und klagte, dass der Kinderwald im Mecklenheider Forst möglicherweise abgeholzt werde. Wie berichtet hatten Ratspolitiker kürzlich den Kahlschlag des Waldes nördlich des VW-Werks bei Vinnhorst diskutiert, um dort den Nordhafen zu erweitern. Shiva unterstützte die Forderung zum Erhalt des Waldes sofort: „Ihr Kinder seid genau da, wo ich begonnen habe. Auch in meiner Heimat waren die Wälder bedroht, und ich schloss mich dem Protest an.“

Die Unterstützung der Umweltschutz-Ikone dürfte den Kindern ein wenig Hoffnung gegeben haben. Gegenüber Oberbürgermeister Stephan Weil und Umweltdezernent Hans Mönninghoff, die auch am Kongress teilnehmen werden, braucht Shiva das Anliegen der Kinder aber wohl nicht zur Sprache bringen: Im Namen der Stadtverwaltung hatte Mönninghoff dem Kahlschlag bereits am Montag eine Abfuhr erteilt.

Der „Rio+20“-Kongress in Hannover tagt noch bis einschließlich Freitag.

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