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Aus der Stadt In Hannover wurden sie zuerst gesehen
Hannover Aus der Stadt In Hannover wurden sie zuerst gesehen
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00:16 14.02.2016
Von Bärbel Hilbig
„Konnten es nicht glauben“: Marco Drago (li.) und Andrew Lundgren sahen die Zeichen zuerst. Quelle: Michael Wallmueller
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Hannover

„Es war so schön, so perfekt, das wir es nicht glauben konnten“, schwärmte Andy Lundgren am Donnerstag bei der Pressekonferenz im Albert-Einstein-Institut/Max-Planck-Gesellschaft in Hannover. Marco Drago hatte die Kurven als erster gesehen. Erschrocken, aufgeregt sei er gewesen und habe sich gefragt, ob das wirklich wahr sein könne, berichtete er gestern. Als beide davon erzählen, ist die Welle des Mitgefühls im Saal besonders stark gestern bei der Präsentation in Hannover, die parallel zu der in Washington erfolgte.

Viele Pioniere der Gravitationsforschung sind gekommen und verfolgen zuerst per Livestream die Übertragung aus Washington. Die Amerikaner berichten dort stolz von „ihrem Detektor“, dem Herzstück des sogenannten Aligo-Systems, alle stehen vor der Stars-and-Strips-Flagge. Die Rede ist von einem Ereignis vom Rang einer neuen Mondlandung. In Hannover klatscht zwar der Saal bei jedem neuen Detail. Doch die zahlreichen internationalen Wissenschaftler, die mitgewirkt haben, nicht zuletzt die Experten aus Hannover, werden lange nur pauschal erwähnt.

Die Gravitationswellenforschung wird auch am Albert-Einstein-Institut Hannover an der Leibniz-Uni betrieben. Es kooperiert mit dem Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik. Ein Einblick in das Institut in Ruthe.

Karsten Danzmann, Direktor des Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut), lächelt das später tapfer weg. Und er betont: „Das Netzwerk Aligo ist viel größer als Ruthe, es glänzt. Aber Aligo ist auch unser Detektor. Er wurde von unseren Leuten gebaut, das Lasersystem kommt von hier.“ In diesem Sinne ist Danzmann, der Spitzenforscher, dann auch stolz. „Es fühlt sich gut an. Heute schreiben wir Geschichte, Wissenschaftsgeschichte.“ Er spielt den rund 200 Gästen und Wissenschaftlern das eingefangene Geräusch vor. Es macht leise „plopp“ und Danzmann kommentiert: „So unspektakulär kann sich für das Ohr das Ende zweier schwarzer Löcher anhören.“

Ministerpräsident Stephan Weil wird kurz darauf von einem „Jahrhunderterfolg für Niedersächsische Spitzenforscher“ sprechen. Seine Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajiç verspricht weitere Forschungsförderung: „Einen Erfolg dieses Kalibers wird keiner von uns im Raum je wieder erleben.“ Wilhelm Krull, Generalsekretär der Volkswagenstiftung, betont, ohne Danzmann wäre das Albert-Einstein-Institut nicht in Hannover angesiedelt worden. „Die Max-Planck-Gesellschaft orientiert sich immer an herausragenden Forscherpersönlichkeiten.“

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Danzmann erinnerte bescheiden auch an die Pioniere in Deutschland, die seit 45 Jahren den aktuellen Erfolg vorbereitet haben. „Dafür braucht man viel Geld, Stabilität und Vertrauen, damit man die besten Leute holen und sie in Ruhe arbeiten lassen kann.“ Die Max-Planck-Gesellschaft habe diese Stabilität über all die Jahre gewährt, ebenso das Land Niedersachsen und die VW-Stiftung. „Ohne Mack-Planck-Gesellschaft gäbe es kein Aligo“, sagt er. Er hebt auch die Leibniz-Universität hervor. „Keine andere Uni in Deutschland hat es gewagt, das obskure Gebiet der Gravitationsforschung anzugehen.“

Was sind Gravitationswellen? 

Hier finden Sie unsere große Übersicht mit Fragen und Antworten zu Gravitationswellen.

So gelang den Wissenschaftlern aus Hannover die Entdeckung

Lesen Sie hier, wie Hannover half, Einstein zu beweisen

Was sind Schwarze Löcher?

Reaktionen auf die Entdeckung der Gravitationswellen

"Es ist wie eine wissenschaftliche Mondlandung. Und wir haben es geschafft, wir sind auf dem Mond gelandet!"
(Direktor des US-Observatoriums Ligo, David Reitze, am Donnerstag in Washington nach der Bekanntgabe der Entdeckung von Gravitationswellen)

"Wir haben eine neue Art Teleskop gebaut und ein völlig neues Feld eröffnet."
(Einer der Ligo-Gründungsväter, Rainer Weiss vom Massachusetts Institute of Technology)

"Einstein hat nicht geglaubt, dass man Gravitationswellen jemals nachweisen können wird, und er hat nicht an Schwarze Löcher geglaubt. Ich denke, er würde sich freuen, dass er in beiden Punkten unrecht hatte."
(Bruce Allen, Direktor am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik in Potsdam und Hannover, wo dieses Signal zuerst bemerkt worden war.)

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