Dass aus dem kleinen Gorilla-Baby einmal ein großer, mächtiger Gorilla-Mann wird, ist noch kaum vorstellbar. In den frühen Morgenstunden des 23. Oktober brachte Gorilla-Mutter Josy ihren winzigen Sprössling zur Welt. Gerade einmal zwei Kilogramm bringt der Gorilla-Nachwuchs mit dem flauschigen Fell und den schwarzen Knopfaugen auf die Waage. Damit reicht er seiner Mutter gerade von der Handfläche bis zum Ellenbogen. Und so ist es für den Kleinen ein Leichtes, sich in den mächtigen Armen seiner Mutter zu verstecken.
Zuweilen lukt sein tennisballgroßes Köpfchen aus dem schwarzen Fell der Mutter hervor. Dann guckt er sich neugierig um, versteckt sich anschließend aber hurtig wieder in den Armen seiner Mutter. Josy scheint ihren Sohn gar nicht mehr hergeben zu wollen und hält ihn stets dicht an sich gedrückt. Auch Vater und Clanchef Buzandi bezeugte bei der Geburt sein Wohlwollen: Er grunzte heftig.
Bei dem Gorilla-Baby Femi, das Josy Anfang 2008 zur Welt gebracht hatte, sah das jedoch ganz anders aus. Damals hatte Josy ihren Nachwuchs zwar gestillt jedoch immer wieder abgelegt. Auch Vater Buzandi hatte Femi übel mitgespielt und sie gegen eine Wand geworfen. Dabei hatte sich der kleine Menschenaffe eine Platzwunde zugezogen. Femi starb im Oktober 2008 an akutem Herz-Kreislauf-Versagen, das durch eine bakterielle Entzündung hervorgerufen wurde. Ein Zusammenhang zwischen den Übergriffen der Artgenossen und dem Tod des Menschenaffen konnte jedoch nicht belegt werden.
Der Zoo war in die Kritik geraten, weil er Femi nicht aus der Herde herausgenommen hatte und sich damit gegen eine Handaufzucht entschieden hatte. „Ein Gorilla-Baby außerhalb der Herde aufzuziehen, kann zu massiven Verhaltensstörungen führen“, begründete Heiner Engel, zoologischer Leiter des Tierparks, das Vorgehen des Zoos. Trotzdem beobachte man Josys Umgang mit dem Gorilla-Kind sehr genau.
von Stefanie Nickel
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