Hannover. Am Anfang des Films sieht man die Jung-Regisseure mit nacktem Oberkörper auf der Lister Meile stehen. Die Botschaft dieser Szene: Dieser Wettbewerb kostet uns unser letztes Hemd. Die Macher des Festivals können über den Streifen aus Hannover gar nicht lachen. Sie drohen den Nachwuchsfilmern sogar mit rechtlichen Schritten, lassen derzeit durch eine Kanzlei prüfen, ob der Film und das übrige Verhalten der hannoverschen Filmcrew den Tatbestand der üblen Nachrede erfüllt.
Dabei beleuchten Timm Markgraf, Timo Schröder und Nick Böse in ihrem Streifen „Wir bitten um Ihre Aufmerksamkeit“ lediglich die Teilnahmebedingungen an dem Festival genau. Unter dem Deckmantel der Kulturförderung werde die Ausbeutung der Künstler betrieben, heißt es in dem Video. „In den Geschäftsbedingungen steht, dass die Filmemacher alle ihre kommerziellen Rechte an die Firma abtreten müssen, die das Festival organisiert“, erklärt Nick Böse. Diese Firma ist dann berechtigt, diese Filmrechte zur kommerziellen Nutzung an Dritte weiterzuverkaufen. „Die eigentlichen Macher des Films bekommen von dem Geld nichts ab und können ihren Film auch nicht selbst vermarkten“, sagt Filmemacher Böse.
Beim „99fire-film“-Festival, das mit einer überaus prominent besetzten Jury aufwarten kann, müssen die Teilnehmer innerhalb von 99 Stunden einen 99 Sekunden langen Film zu einem vorgegebenen Thema drehen. „Put a smile on your face“ lautet die diesjährige Aufgabenstellung. Zudem muss die Zahl 500 in dem Video vorkommen. Sponsor der Nachwuchsveranstaltung ist der Autobauer Fiat, der auf der Internetseite des Festivals für sein Modell „Fiat 500“ wirbt - ein Wagen, der in einer Werbekampagne des Herstellers als „The Big smile“ bezeichnet wird.
Um nicht nur die Teilnehmer des Wettbewerbs sondern auch die Jurymitglieder wie Regisseur Leander Hausmann oder Schauspielerin Bettina Zimmermann auf die Problematik der Teilnahmebedingungen hinzuweisen, leitete das Filmteam aus Hannover ihren Film an die Prominenten weiter. Auch bei Hauptsponsor Fiat landete der Film per Mail im Posteingang.
„Dieses Verhalten erfüllt möglicherweise den Tatbestand der üblen Nachrede“, teilte die Festivalleitung den Nachwuchsfilmern mit. „Wir lassen uns deshalb die Filmrechte übertragen, weil wir sie als Veranstalter ansonsten nicht öffentlich zeigen dürften“, erklärt Festivalleiter Stefan Kiwitt. In keinem einzigen Fall habe seine Firma bislang Filmrechte an Dritte weiterverkauft. Am späten Donnerstagnachmittag erhielten die hannoverschen Teilnehmer Nachricht aus Berlin: Ihr Beitrag habe es leider nicht in die Endrunde des Festivals geschafft.
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