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Namensstreit um Busch-Museum amüsiert die Künstlerszene

Amusement bis Ablehnung Namensstreit um Busch-Museum amüsiert die Künstlerszene

In der bundesweiten Künstlerszene kommt der neue Name des alten „Wilhelm-Busch-Museums“ schlecht weg. Zeitgenössische Zeichner halten die Debatte um die Umbennung für extrem provinziell – und reagieren amüsiert.

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Der Streit um den Namen des Busch-Museums amüsiert viele Künstler.

Quelle: Martin Steiner

Hannover. „Wilhelm Busch Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst“. Achim Greser, die eine Hälfte des Karikaturistenduos „Greser und Lenz“, wiegt den neuen Namen des Hauses im Georgengarten gewissermaßen auf der Zunge hin und her. Nach hitzigen Debatten um die Umbenennung des alten „Wilhelm-Busch-Museums“ hat die Wilhelm-Busch-Gesellschaft als Trägerverein diesen Titel am Wochenende beschlossen. Dass „Wilhelm Busch“ zuvor ein Jahr lang am Ende des Museumsnamens stand, missfällt Greser, schließlich gehe es um den „Gott unserer Zunft“. Andererseits klinge auch der jetzt beschlossene Name sprachlich unelegant. Und dann durchfährt es Greser wie ein erlösender Geistesblitz: „Man könnte das Haus doch einfach ,Wilhelm-Busch-Museum’ nennen“, sagt er.

Zeitgenössische Zeichner reagieren auf die Querelen um den Museumsnamen teils belustigt, teils genervt: „Die ganze Debatte ist extrem provinziell“, sagt Til Mette („stern“) mit amüsiertem Unterton. Der Streit spiegele einen Zwist zwischen konservativen Busch-Jüngern und Modernisierern wider, glaubt er. „In der Zeichnerszene spielt das Haus erst eine Rolle, seit Direktor Hans Joachim Neyer es stärker für zeitgenössische Künstler geöffnet hat.“ Und dennoch: „Es war komplett bescheuert, den seit vielen Jahren eingeführten Namen zu ändern – Hauptsache ist doch, dass die Ausrichtung des Hauses modern ist.“

Zeichner Wolf-Rüdiger Marunde („Hörzu“), selbst Mitglied der Wilhelm-Busch-Gesellschaft, schlägt in dieselbe Kerbe: „Zeitgenössische Cartoons fehlen mir etwas im Museumsprogramm, da könnte es noch moderner werden – aber ruhig unter seinem alten Namen.“ Die Wendung „Deutsches Museum“ locke zudem auf eine falsche Fährte, meint Marie Marcks, die 88-jährige Grande Dame der deutschen Karikatur: „Es adelt das Museum ja gerade, dass es auch internationale Künstler wie Ronald Searle zeigt.“

Namensstreit als „Vereinsmeierei“

„Ein ,Deutsches Museum’ gibt’s doch schon in München, und etwas nationalistisch klingt das obendrein“, sagt auch Fritz Weigle, Berliner Professor für Karikatur und Bildgeschichte. Weigle, besser bekannt als Zeichner F. W. Bernstein, hält den Namensstreit für „Vereinsmeierei“: „Das alles ist ganz, ganz entsetzlich.“ Er selbst wäre am liebsten beim ursprünglichen Museumsnamen geblieben: „Oder soll der Trägerverein jetzt auch in „Wilhelm Busch Deutsche Gesellschaft für Karikatur und Zeichenkunst“ umbenannt werden?“, fragt er spöttisch. Für diesen Fall hätte er ganz unbescheiden noch einen weiteren Vorschlag in petto: „Man könnte auch das ,F.-W.-Bernstein-Museum’ daraus machen.“

Ungeachtet der Namensdiskussion basteln die Macher des Museums weiter an der Zukunft. Nachdem die Museumspädagogik wegen Personalmangels lange brachgelegen hatte, wird nun eine Zweidrittelstelle zu diesem Zweck eingerichtet, wie der Vorsitzende der Busch-Gesellschaft, Herbert Schmalstieg, und Museumschef Hans Joachim Neyer während der Mitgliederversammlung verkünden konnten.

Und bald wird wohl auch der nächste Künstler dem Museum seine Sammlung anvertrauen. Die Zeichenkunst des Hamburger Karikaturisten Peter Neugebauer, der mit seinen Rate-Krimis „Zeus Weinstein“ im „stern“ bekannt wurde, ist von Dezember an im Wallmodenschlösschen zu sehen. Und sein Werk mit einer Blätteranzahl in vierstelliger Höhe wird möglicherweise auch bald in Hannover landen: „Wir sind in sehr guten Gesprächen“, sagt die stellvertretende Museumsleiterin Gisela Vetter-Liebenow, die 2012 das Amt des scheidenden Neyer übernehmen wird.

Simon Benne und Uwe Janssen

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