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Aus der Stadt Nashorn-Projekt ist gescheitert
Hannover Aus der Stadt Nashorn-Projekt ist gescheitert
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00:27 03.08.2015
Von Bernd Haase
Nashornkuh Saba mag zwar Bananen, hat mit Nachwuchsarbeit aber nichts mehr am Horn.  Quelle: Schledding/Archiv
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Hannover

Die Geschichte hat einen tragischen Zug. Im vergangenen Herbst war der Bulle Ndugu aus Leipzig nach Hannover übergesiedelt, um das brachliegende Liebesleben im Nashornstall zu beleben. Der in dieser Hinsicht zuletzt desinteressierte heimische Bulle Kifaru wechselte unterdessen ins Exil in den britischen Zoo von Chester. Das Ende vom Lied: Ndugu hat nichts bewirkt und ist mittlerweile wieder nach Leipzig zurückgekehrt. Kifaru dagegen sieht in Chester Vaterfreuden entgegen und wird deshalb seinen Aufenthalt dort verlängern. Somit bleiben die beiden hannoverschen Nashornkühe Sany und Saba zunächst unter sich.

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Ndugu und die beiden Rhinozeross-Kühe Sany und Saba im Zoo Hannover gehören zur Unterart der östlichen Spitzmaulnashörner.

Es ist nicht so, dass sich der Leipziger in Hannover nicht bemüht hätte. „Unsere Pfleger haben Deckakte mit der Kuh Saba beobachtet“, sagt Zoo-Sprecherin Simone Hagenmeyer. Das ist nicht weiter schwierig, denn das Liebesspiel der etwa eine Tonne schweren Nashörner dauert etwa eine Stunde; man kann es als archaisch und imposant beschreiben.

Weil das erhoffte Resultat nicht eingetreten ist, bleibt ein vor 14 Jahren geborenes Kalb von Sany das letzte, das in Hannover das Licht der Welt erblickte. Vater war seinerzeit Kifaru. Warum der dann hierzulande seine Aktivitäten eingestellt hat, in England aber ziemlich umgehend zur Sache kam, hat der Diplom-Biologe und Kurator für die Spitzmaulnashörner im Zoo Hannover, Klaus Müller-Schilling, mit den Worten erklärt: „Wenn Nashörner zu lange zusammenleben, geht der Reiz davon.“ Außerdem müsse die Chemie zwischen den Partnern stimmen, das sei bei Nashörnern ähnlich wie bei Menschen.

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Spitzmaulnashorn-Bulle Ndugu im Zoo Hannover. Vom Zoo Leipzig ausgeliehen, soll der Bulle im Erlebniszoo für Nachwuchs sorgen. 

Letzteres war wohl auch der Grund dafür, dass vor knapp drei Jahren schon einmal ein Gastbulle aus Magdeburg in Hannover erfolglos geblieben war. Vor knapp sieben Jahren hatten Forscher des Instituts für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin ein – wegen der komplexen Anatomie weiblicher Nashörner im Gebärmutterhalsbereich – sehr spezielles Verfahren zur künstlichen Befruchtung bei Rhinozerossen an der Kuh Sany ausprobiert. Auch das führte nicht zum erhofften Nachwuchs.

Wie es nun weitergeht mit den Nashörnern im Zoo Hannover, ist noch unklar. Der Tierpark will nicht auf die bei den Besuchern sehr beliebte Art verzichten. Andererseits hatte Kurator Müller-Schilling, der zurzeit im Urlaub weilt, bei Ndugus Ankunft gesagt, im Falle des Scheiterns werde man keinen weiteren Zuchtversuch mit dem vorhandenen Personal unternehmen. „Wir müssten dann mit einer völlig neuen Population neu anfangen“, erklärte er.

Zuchtprogramme seltener Tierarten in Zoos werden weltweit abgesprochen und koordiniert. Im Herbst steht die nächste Konferenz der Europäischen Vereinigung der Zoos und Aquarien an. Dort werden die Teilnehmer auch darüber beraten, was sich in Sachen Spitzmaulnashörner in Hannover tun soll. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Zoo in Chester. Dort lebt derzeit nicht nur Kifaru, dort liegt auch das Zuchtbuch für die Dickhäuter.

Immerhin konnte der Zoo am Freitag auch etwas Erfreuliches melden. Im Stall der Rotbunten Husumer Protestschweine tummeln sich seit Mitte Juli neun Ferkel.

Wilderer gefährden das Überleben der Art

Die Rhinozerosse im Zoo Hannover gehören zu den östlichen Spitzmaulnashörnern, einer von acht Unterarten dieser Spezies. Fünf davon sind bereits von der Erde verschwunden, die anderen drei – außer dem östlichen noch das südwestliche und das südzentralafrikanische Spitzmaulnashorn – sind vom Aussterben bedroht.

In den Ländern Kenia, Tansania und Uganda leben in freier Wildbahn noch 800 östliche Spitzmaulnashörner. Dazu kommen rund 120 in amerikanischen und knapp 70 in europäischen Zoos. „Das ist eigentlich ausreichend, um die Art zu erhalten“, sagt Klaus Müller-Schilling, Kurator für die Rhinos und einige weitere Tierarten im Zoo Hannover.

Das Problem ist die seit Jahrzehnten ausgeübte Wilderei. Die Tiere wurden abgeknallt, weil das aus derselben Substanz wie menschliche Fingernägel bestehende Horn, zu Pulver zermahlen, in asiatischen Ländern als Potenzmittel galt, für das hohe Preise erzielt wurden. Diese Mär gründete sich laut Müller-Schilling im heftigen Liebesspiel der ansonsten eher ruhigen und trägen Pflanzenfresser, habe sich aber mittlerweile nicht mehr in der ursprünglichen Verbreitung gehalten. Dafür gelte die Substanz, vermischt mit Alkohol, neuerdings in der High-Society etwa in China und Vietnam als beliebte Partydroge.

Die Wilderei ist auch der Grund, warum in Tierparks geborene und damit an den Menschen gewöhnte Nashörner nicht ausgewildert werden können. Experten befürchten, dass es in 20 Jahren kein östliches Spitzmaulnashorn mehr außerhalb von Zoos gibt, wenn es nicht gelingt, der illegalen Jagd ein Ende zu machen.

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