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Wie filmt man wilde Tiere, Herr Haft?

Naturfilmer im Interview Wie filmt man wilde Tiere, Herr Haft?

Naturfilmer Jan Haft erzählt im Interview, wie man wilde Tiere vor die Kamera lockt, wie er für seinen neuen Film „Magie der Fjorde“ in das eiskalte Wasser Norwegens getaucht ist und warum er den Tieren in seinen Filmen keine Namen gibt.

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Tierfilmer Jan Haft dokumentiert in seinen Filmen die Tierwelt.

Quelle: nautilusfilm

Hannover. Tierfilmer Jan Haft stellt am Freitag, 8. Dezember, seinen neuen Film „Magie der Fjorde“ beim  Symposium „GoWild“ der Hochschule Hannover im Kino im Künstlerhaus vor. Im Interview erzählt er von den Dreharbeiten unter der Wasseroberfläche, dem Einsatz neuer Kameratechnik und eigensinnigen Tieren.

Herr Haft, für Ihren neuen Film „Magie der Fjorde“ hat es Sie nach Norwegen verschlagen. Sind Sie dafür auch in die kalten Gewässer gestiegen?

Genau, und dabei musste ich auch mal Ängste überwinden. Ich bin zwar ein geübter Taucher, aber zum Beispiel an die leuchtende Seefeder in den Fjorden heranzukommen, war nicht leicht. Diese weitläufig Verwandte der Korallen leuchtet bei Berührung, das wollten wir natürlich filmen. Weil der schlammige Boden am Grund des Fjords leicht aufwirbelt, lag ich mehrfach bis zu einer Stunde ganz ruhig, bis die Sauerstoffflasche langsam leer wurde. Und wenn man dann ganz allein im Dunkeln bei ausgeschalteter Lampe in so einem trüben, eiskalten Wasser liegt und an die Wassersäule über sich denkt, kann schon ein mulmiges Gefühl aufkommen. 

Und was macht die Fjorde so spannend? 

Da ist eine eigene Fauna drin, ganz anders als an der Meereskünste. Ununterbrochen rieseln Nadeln, Blätter, Tierleichen und organisches Material von den Steilhängen herab. So eine Schwebstofffracht gibt es im Meer nur in der Tiefsee. Daher gibt es in einem Fjord Lebewesen, die sonst nur in der Tiefsee zu finden sind, und diese Tiere haben wir gefilmt. 

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Vom wilden Norwegen und der Magie der Fjorde: ein Blick durch die Linse von Naturfilmer Jan Haft.

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Der technische Fortschritt macht auch vor Filmemachern nicht Halt. Freuen Sie sich über die neuen Möglichkeiten oder ist es müßig, jede Entwicklung mitzumachen?

Beides. Einerseits gibt es in der Tierfilmerei ein technisches Hochrüsten. Man muss immer die neusten Dinge einsetzen, um vorne mit dabei zu sein. Klar ist es schön, diese neuen Techniken einsetzen zu können. Auf der anderen Seite muss man ständig teure Geräte kaufen und bekommt aber dabei nicht immer unbedingt bessere Budgets. Es ist immer ein Kampf, damit zurechtzukommen. 

 Eine Drohne hätte Ihnen vor zehn Jahren das Leben sicher erheblich leichter gemacht. 

 Wir haben unsere Drohnen jetzt in Norwegen eingesetzt, weil wir die Jagd der Orkas auf Heringe auch aus der Luft gefilmt haben, was natürlich extrem hilfreich war. Vor zehn Jahren hat man etwa auf die sehr teuren Hubschrauber gesetzt – oder auf einen Heißluftballon. Und der ist auch noch nicht passé. Mit einer Drohne muss man Abstand zum Boden oder zu Blättern halten, weil die Verwirbelungen verursacht. Deswegen setzen wir immer noch gelegentlich einen Heißluftballon ein, zum Beispiel weil man damit nur Zentimeter entfernt an Baumwipfeln entlanggleiten kann.

Die Kosten für aufwendige Film-Produktionen werden immer höher. Hat das nur mit dem Anspruch an die Ausstattung zu tun? 

Nein, auch der Anspruch an die Filme ist gestiegen. In den Siebzigerjahren hat es genügt, auf einer Bildungsreise im Mittelmeerraum ein paar römische Ruinen und vielleicht ein paar Tiere drumherum zu filmen. Heute muss man tiefer eisnteigen, mehr rausholen, mehr Geschichten und Fakten aus der Ökologie erzählen. Das bedeutet einen sehr viel höheren zeitlichen Einsatz. Dann kommen noch die teuren Geräte dazu. 

Wüssten die Tiere, dass Sie da sind, würden sie sich wohl nicht filmen lassen. Wie macht man sich beispielsweise vor einem Luchs in Norwegen unsichtbar? 

Es ist immer das Gleiche. Man muss sich verstecken.  

Und wie genau? 

Wir haben da zwei Methoden. Einmal filmen wir aus Zelten, aus denen das Objektiv heraus ragt. Das geht bei Rehen und bei Greifvögeln aber schlecht, weil die sehr schnell misstrauisch werden und gut sehen können. Also haben wir uns transportable Hütten aus Lastwagenplane gebaut, die vorne ein großes Loch haben. Da tun wir dann einen Badezimmerspiegel rein, der dann über ein oder zwei Wochen nach außen hin spiegelt. Und wenn wir filmen, nehmen wir den Spiegel raus und tun eine Spionscheibe rein. Die Tiere haben sich schon innerhalb von Stunden daran gewöhnt, dass da irgendwas spiegelt und es stört sie nicht weiter. Nur gegen den Wind dürfen wir natürlich nicht stehen, das ist wie bei der Jagd auch. Wir sind ja letztlich auch Jäger, nur Bilderjäger, und stehen damit vor den gleichen Herausforderungen. 

Was tut man denn, wenn Ihre oft eigensinnigen Darsteller - also die Tiere - nicht nach dem Drehbuch spielen? 

Frustriert heimgehen und schlechte Laune haben. Das Schlimmste, was ich erlebt habe, waren acht Tage in Finnland auf Wölfe warten. Es kamen aber keine Wölfe. Da welkt selbst des Gutwilligsten Euphorie dahin. Am Schluss ist man einfach nur froh, wenn man raus ist. 

Zur Person

Der studierte Biologe und Geologe Jan Haft (50) wurde 1967 in München geboren und gründete 1999 seine eigene Produktionsfirma Nautilus, mit der er etwa für öffentlich-rechtliche Sender wie den NDR oder Arte produziert. Für seine Arbeit ist Haft mehrfach ausgezeichnet worden, zuletzt mit der Bayerische Staatsmedaille. Er ist Stiftungsrat bei der Stiftung des 2006 verstorbenen Naturfilmers Heinz Sielmann. Am Freitagabend, 8. Dezember, zeigt der Produzent seinen neuen Film „Magie der Fjorde“ auf dem Symposium „GoWild“ der Hochschule Hannover im Kommunalen Kino im Künstlerhaus. Beginn ist um 19 Uhr.

In manchen Dokumentationen werden die Tiere vermenschlicht dargestellt. Passt das Publikum sonst nicht mehr auf? 

Wir machen das gar nicht, da reagiere ich auch ganz allergisch drauf. Wir geben den Tieren auch keinen Namen, ich vermeide es beispielsweise zu sagen „unsere Wölfe“ oder „unser Biberweiblichen“. In manchen Filmen mag das berechtigt sein und taucht so etwas auf, vielleicht als verzweifelter Versuch, mangels Geschichte irgendwas persönliches reinzubringen in der Hoffnung, dass der Zuschauer so mehr an den Film gebunden wird – aber nicht bei uns. 

Wird der Bildungsaspekt in Tierdokumentationen nach und nach durch Unterhaltungselemente verdrängt? 

Es gibt beides, auch dröge Bildungsfilme, in denen zu wenig Unterhaltung drin ist. Aber die verschiedenen Sendeplätze haben auch wieder ihren eigenen Stil, und das finde ich auch gar nicht verkehrt. Wie man die Leute an die Natur heranführt, ist mir als Naturschützer dann eigentlich gleich.

Von Nils Oehlschläger

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