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Neonazi-Aufmarsch in Hannover

NPD-Demo Neonazi-Aufmarsch in Hannover

Am Sonnabend haben in Hannovers Südstadt rund 265 Rechtsextremisten demonstriert. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vertreten. Trotzdem kam es vermehrt zu Auseinandersetzungen.

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Großes Polizeiaufgebot in Hannover wegen der NPD-Demonstration rund um den Braunschweiger Platz.

Quelle: Rainer Dröse

Gegen Mittag sammelten sich die Rechtsextremisten am Braunschweiger Platz. Viele von ihnen waren mit der U-Bahn angereist. Unter den Neonazis befand sich auch NPD-Politiker Jürgen Rieger, der am Freitag bereits bei einem Aufmarsch in Hamburg anwesend war. Viele der Rechtsextremisten waren schwarz gekleidet und vermummt. Ein altes Feuerwehrauto hatten sie mit Lautsprechern ausgestattet. Gegendemonstranten empfingen die aus der U-Bahn steigenden NPD-Anhänger mit „Nazis raus“-Rufen.

Bevor sich die Rechtsextremisten in Bewegung setzten, verlas NPD-Politiker Jürgen Rieger die Auflagen. Die Gegendemonstranten, die an sämtlichen Absperrungen standen, störten mit lauten „Hannover bleibt nazifrei“-Rufen. Als die NPD-Anhänger um kurz nach 14 Uhr über die Marienstraße liefen, standen viele Anwohner an den Fenstern. Einige schüttelten mit dem Kopf, andere riefen Anti-Nazi-Parolen. Zudem versuchten Anwohner, mit lauter Gegenmusik die Rechten zu übertönen.

Neonazis und NPD-Funktionäre sind am Sonnabend durch die Südstadt Hannovers gezogen.

Neonazis und NPD-Funktionäre sind am Sonnabend durch die Südstadt Hannovers gezogen.

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Die Strecke des NPD-Aufmarsches führte vom Braunschweiger Platz über die Marienstraße, die Berliner Allee, die Kestnerstraße, die Stadtstraße und über die Bultstraße schließlich wieder zurück zum Ausgangspunkt. Die Versammlung am Braunschweiger Platz löste sich gegen 17 Uhr langsam auf. Beendet wurde die Neonazi-Kundgebung mit dem Singen aller drei Strophen der Nationalhymne.

Ursprünglich hatte die NPD einen Marsch durch die Innenstadt angemeldet. Dieses Vorhaben „zöge eine erhebliche Gegenmobilisierung mit der Gefahr schwerer gewaltsamer Auseinandersetzungen mit sich“, hatte das Verwaltungsgericht Hannover diesen Routenverlauf abgewiesen.

Nach Plänen, die ein Bürgerforum unter Vorsitz des Bezirksbürgermeisters Lothar Pollähne ausgearbeitet hatte, sollten die erwarteten rechtsradikalen Demonstranten auf der Strecke von lauter Musik und Konfettiregen begleitet werden. „Wir wollen eine große Party feiern, um zu zeigen, wie bunt und lebendig unser Stadtteil ist“, sagte Pollähne. Wegen der NPD-Demo haben am Sonnabend in allen drei evangelischen Kirchen in dem betroffenen Bereich um 15 Uhr die Glocken geläutet.

 

Friedliche Gegendemonstration - Ausschreitungen während des Aufmarsches

Die Gegendemonstration mit mehr als 3000 Menschen, einem breiten Bündnis von Gewerkschaften, Kirchen und Parteien sowie nach Polizeiangaben auch rund 150 Antifa-Anhängern, die um 10.30 Uhr begonnen hatte, ist gegen 12.30 Uhr friedlich zu Ende gegangen. Die Demonstranten zogen vom Klagesmarkt am Leibnizufer entlang zum Neuen Rathaus, wo auf dem Trammplatz eine Abschlusskundgebung stattfand. „Keinen Meter für Nazis“, hieß es auf den Plakaten der Demonstranten in den Innenstadt. Regionspräsident Hauke Jagau, Gewerkschafter und Hannover-96-Präsident Martin Kind gehörten zu den Rednern. „Wir wollen keinen braunen Mob. Weder in Hannover, noch in Niedersachsen oder Deutschland“, sagte Kind.

Viele Demonstranten zogen nach Ende der Kundgebung in die Südstadt. Antifa-Anhänger riefen dazu auf, diesen Stadtteil zu blockieren. Nach Angaben der Polizei wurden mehr als 2000 Beamte eingesetzt, um zu verhindern, dass Neonazis und Gegendemonstranten aufeinandertreffen. Wasserwerfer standen ebenfalls bereit.

Am Sonnabend haben mehr als 3000 Menschen gegen den Aufmarsch von NPD-Anhängern demonstriert.

Am Sonnabend haben mehr als 3000 Menschen gegen den Aufmarsch von NPD-Anhängern demonstriert.

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Die Südstadt und vor allem der Bereich rund um den Braunschweiger Platz wurden hermetisch abgeriegelt, sodass es für die Gegendemonstranten kein Durchkommen gab. Gegen 12.30 Uhr hatten jedoch 25 Personen aus der linken Szene versucht, eine Polizeiabsperrung an der Beliner Allee Ecke Marienstraße zu druchbrechen. Die Polizei verhinderte dies und nahm drei Personen in Gewahrsam. Zehn bis 15 weitere Demonstranten hatten versucht, durch die Notaufnahme des Henriettenstifts die Abspreeungen zu umgehen. Die Polizei bestätigte dies bislang jedoch nicht.

Auf dem Braunschweiger Platz wurde die Lage gegen 13.30 Uhr zunehmend angespannter. Mehrere Gegendemonstranten versuchten, die Absperrungen zu durchbrechen. Die Polizei setzte Pfefferspray ein, es kam zu Jagdszenen, Befreiungsversuchen der Linken und ersten Festnahmen.

Zu Problemen kam es auch zwischen der Polizei und Südstädtern. Die Polizei verbot den Anwohnern, an der Straße zu stehen, was jedoch zuvor zugesagt worden war. Wegen des Aufrufes der Antifa zur Blockade der Südstadt, sei dies untersagt worden, teilte die Polizei mit. Trotzdem hatten viele Anwohner Plakate vorbereitet, die an den Häusern hingen. „Die Stadt hat Nazis satt“, stand auf einem Gemeinschaftsplakat mehrerer Schulen, das am Henriettenstift hing.

von Tobias Morchner, Sonja Fröhlich, Vivien-Marie Drews, Frerk Schenker, Manuel Becker, lni, tfi

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