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Aus der Stadt Neue Benno-Ohnesorg-Brücke in Hannover nimmt Gestalt an
Hannover Aus der Stadt Neue Benno-Ohnesorg-Brücke in Hannover nimmt Gestalt an
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16:11 19.05.2011
Von Rüdiger Meise
Millimetergenau passen die Arbeiter die stählernen Träger ein. Quelle: Michael Thomas

Für Klaus Lippke und seine ehemaligen Kollegen ist es der Tag der Tage. Bereits früh morgens steht der vor drei Jahren pensionierte Bauleiter Wasser- und Brückenbau der Stadt an der Baustelle der Benno-Ohnesorg-Brücke und beobachtet das Schauspiel: Wie riesenhafte Insekten beugen sich zwei Kräne über die Ihme und heben die 35 Meter langen Hauptträger der neuen Brücke an ihre Plätze. „Wenn jetzt ein Träger nicht genau auf die Pfeiler und die Widerlager passt, wird’s kompliziert“, sagt Klaus Pohl, Bereichsleiter Hochwasserschutz. Und ein halbes Dutzend ehemaliger Kollegen, die in ihrer Freizeit gekommen sind, um den entscheidenden Moment zu erleben, nicken.

Klaus Lippke hat vor Jahren den Neubau der Benno-Ohnesorg-Brücke mitgeplant. „Das ist die größte und komplizierteste Baustelle dieser Art seit langer Zeit“, sagt Lippke. Aus mehreren Gründen: In dem Bauwerk verlaufen Versorgungsleitungen, die während des Baus überbrückt werden müssen, „damit in Linden nicht das Licht ausgeht“, sagt Lippke. Und dann ist da natürlich noch die Sache mit dem Verkehr. Überlegungen, während der Bauphase den Verkehr komplett über die Legionsbrücke und die Leinertbrücke umzuleiten, wurden schnell verworfen. Nun wird so gebaut, dass fast immer eine Hälfte der Brücke für den Verkehr offenbleiben kann – einschließlich der Stadtbahnstrecke.

Letztlich stellten auch die Vorgaben des Architekturbüros Schulitz und Partner eine Herausforderung dar, sagt Pohl. Denn die Form der Brücke ist geschwungen, nicht gerade. Sie soll die Wellenlinie des Wassers in ihrer Silhouette spiegeln – eine schöne Idee, aber für eine Stahlbaufirma schwer umzusetzen. Schließlich fand sich die Zwickauer Sonderstahlbau GmbH, die die Träger herstellte. 2007 wurde mit der nördlichen Hälfte begonnen, im Sommer soll die südliche fertig sein. Anschließend wird auf der neuen Brücke ein Hochbahnsteig gebaut.

Die Stirn in Falten gelegt überlegt Klaus Lippke, wann die Stadt letztmals ein ähnlich großes Brückenprojekt bewältigt hat. „Dietmar, wann war das mit deiner Garkenburgbrücke in Mittelfeld?“, ruft er. Dietmar Dieger, 72 Jahre, ebenfalls pensionierter Bauleiter und standesgemäß in gelber Warnweste, sagt sofort: „Zwischen ‘91 und Mitte ‘93“. Dann starren die beiden gebannt auf die Nahtstelle zwischen den beiden 35 Meter langen Trägern.

„Jetzt sehen wir, ob die Zwickauer Stahlbaufirma gut gearbeitet hat“, sagt Pohl. Damit die beiden Hälften der Brücke mit einer komplizierten Schweißnaht verbunden werden können, muss eine Lücke von einem Zentimeter bleiben, erklärt der amtierende Bauleiter Wasser- und Brückenbau, Hartmut Köhn. In sieben Lagen muss die Schweißnaht aufgebaut werden – nicht zu heiß, weil sich sonst das Metall verformt. „Da kann man nicht einfach drauflosbraten“, murmelt Lippke. Anschließend werden die Nähte geröntgt, um mögliche Schwachstellen zu entdecken. Die versammelten amtierenden und ehemaligen Bauleiter nicken zufrieden. Alles sieht so aus, als passten die 35 Tonnen schweren Träger exakt zusammen.

In der Nacht zu Mittwoch waren die Brückenelemente per Schwertransport aus Zwickau nach Hannover gebracht worden. „Alles ist glatt gegangen“, sagt einer der Fahrer, als er sich bei „Happy Döner“ am Schwarzen Bär ein deftiges Frühstück bestellt. Das hört Inhaber Ildan Erdogan gern. „Alles, was den Bau beschleunigt, nutzt uns.“ Seit Jahren ist Erdogans Geschäft hinter einem riesigen Bauzaun versteckt und nur durch einen schmalen Durchgang erreichbar. Anfangs hatten wir einen Umsatzrückgang von 50 Prozent“, sagt er. Dann seien die Kunden zurückgekommen: „Jetzt noch 25 Prozent.“ Dennoch habe er eine Aushilfe entlassen müssen. Trotzdem bleibt Erdogan gelassen – wie die meisten Lindener, sagt Pohl: Es gebe kaum Beschwerden über die Dauerbaustelle. Offenbar verstehen die Menschen, dass der Neubau nötig ist.

Denn die Ihme, die seit dem 17. Jahrhundert über den Schnellen Graben das Hochwasser von der Innenstadt ableitet, hat hier ihr schlimmstes Nadelöhr. Bei jedem Ansteigen der Fluten staut sich das Wasser am engen Durchlass der Benno-Ohnesorg-Brücke. Deshalb ist der Fluss hier verbreitert worden, 23 Meter länger wird die neue Konstruktion. Mit einem Kostenvolumen von 8,66 Millionen Euro ist der Brückenbau wichtiger Bestandteil des Hochwasserschutzprogramms der Stadt – Kosten insgesamt: 30 Millionen Euro.

Schon die Brücke von 1912 ist als Reaktion auf ein großes Hochwasser im Jahr 1909 gebaut worden „Bei den Arbeiten haben wir sogar Spundwände der alten Brücke gefunden“, sagt Pohl. Die neue Brücke wird der Ihme nicht mehr im Wege stehen, da sind sich Hannovers Bauleiter sicher. Die amtierenden – und die ehemaligen.

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