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Hannover bekommt zwei neue Kletterhallen

Trotz strenger Auflagen Hannover bekommt zwei neue Kletterhallen

In der Stadt sollen noch in diesem Jahr zwei kommerzielle Kletterhallen eröffnen. Doch wann genau, hängt unter anderem vom strengen Bauamt ab. Die Auflagen, die Betreiber in Hannover erfüllen müssen, sind besonders hoch – aus guten Gründen.

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Seilklettern können Sportler zurzeit unter anderem am Klettercampus der Leibniz-Uni. Zwei kommerzielle Hallen sollen demnächst eröffnen.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. In Klettererkreisen grenzte die Nachricht an ein kleines Wunder: Im Neubau des Hochschulsportzentrums würde eine Kletterwand entstehen. Und wer einen Blick durch die Plexiglasscheibe neben dem Haupteingang werfen konnte, sah die bunten Griffe an der zwölf Meter hohen Wand und wusste, dass das lange diskutierte Gerücht letztlich doch zur Tatsache geworden war. Das war 2013. Seitdem ist die Zahl derer, die in ihrer Freizeit gern die Wände hochgehen, in Hannover weiter gestiegen. Klettern ist ein Trendsport, der seit zwei Jahrzehnten immer mehr Menschen in Deutschland begeistert - unabhängig davon, ob sie die Steilwände quasi vor der Haustür haben oder stundenlang hinfahren müssen.

In Hannover allerdings wächst das Angebot nicht mit. Denn während in anderen Städten eine künstliche Felslandschaft nach der anderen eröffnet, gibt es für hannoversche Kletterer nur selten etwas Neues zu erkunden. Dabei mangelt es nicht an Konzepten und Initiativen. Vielmehr sind es strenge Vorschriften, die den Bau einer Kletterhalle zum Mammutprojekt werden lassen.

Von einer dieser Bestimmungen hängt ab, ob Christoph Staehle in Brink-Hafen seine Kletterbar bauen darf. Das 3000 Quadratmeter große Grundstück im Business Park Hannover-Nord hat er schon gekauft, das Konzept ist fertig, die Kletterwandkonstrukteure sind schon beauftragt. Auf 700 Quadratmetern Innen- und rund 600 Quadratmetern Außenfläche sollen sich die Kletterer an etwa 250 bis 300 Routen austoben können. Die Halle selbst soll als Holzständerkonstruktion gebaut werden, mit etwa 2 Millionen Euro rechnet Staehle für die Gesamtkosten. „Wenn der Baubescheid kommt, können wir im Prinzip sofort loslegen“, sagt der Unternehmer, der im vergangenen Jahr seine erste Halle in Offenbach eröffnet hat.

In Hannover steht er damit in direkter Konkurrenz zum Deutschen Alpenverein (DAV), dessen Sektion Hannovers erste rein kommerzielle Kletterhalle in Döhren bauen will. Ihre Pläne haben immerhin dank Teilbaugenehmigung schon ein Betonfundament auf dem ehemaligen Üstra-Betriebshof, doch unvorhergesehene Finanzierungslücken und die fehlende Baugenehmigung schieben den Eröffnungstermin weiter nach hinten. Sollte Staehle die Baugenehmigung im Juni erhalten, rechnet er fest damit, mindestens zum geplanten Eröffnungstermin des DAV im November ebenfalls fertig zu sein.

Doch ein Grund, warum die endgültige Baugenehmigung für beide Bauherren so lange auf sich warten lässt, ist ein spezielles Betriebs- und Sicherheitskonzept. Es soll neben der baulichen und technischen Sicherheit der Anlage auch gewährleisten, dass die Sportler in der Halle weitgehend risikofrei klettern können. Dazu müssen die künftigen Betreiber detailliert darlegen, wie der Alltag in ihrer Halle aussehen wird. „Dazu gehören zum Beispiel Angaben zur Beschaffenheit der Kletteranlagen, zu Verletzungsgefahren, zur Schulung des Personals, zu Größen-, Gewichts- oder Altersbeschränkungen und zum Verhalten im Brandfall“, teilt Stadtsprecher Alexis Demos mit. Um das zu prüfen, könnten etwa auch externe Sachverständige hinzugezogen werden, etwa der TÜV.

Klettern oder bouldern?

Unter dem klassischen Seilklettern versteht man das Erklimmen von höheren Wänden. Dabei ist der Sportler stets mit einem Seil gesichert, das an einem Gurt um seine Hüften befestigt ist. Das andere Ende des Seils hält der Kletterpartner in der Hand. Er muss dafür sorgen, dass der Sportler bei einem Sturz nicht zu Boden fällt. Klettern kann man in Hannover zurzeit im Klettercampus der Leibniz-Uni, im Fitnessstudio Level Up und nach Anmeldung in der Halle der Waldorfschule am Maschsee.

Beim Bouldern klettert der Sportler in Absprunghöhe, das sind etwa drei bis vier Meter. Er ist dabei nicht durch ein Seil gesichert, weil es ihn beim Klettern behindern würde. Damit sich die Boulderer nicht verletzen, ist der Boden unter den Wänden mit dicken Matten ausgelegt. In der Natur legen sich die Sportler spezielle Matten, sogenannte Crash-Pads, unter den Teil des Felsens, den sie gerade erklettern wollen. Boulderer treffen sich in Hannover im Escaladrome in Mittelfeld, das zurzeit nach geeigneten Räumen für eine zweite Halle in Vahrenwald sucht.

Staehle hat ein solches Konzept schon eingereicht, doch ein wenig verwundert war er schon. „So etwas scheint in Deutschland einmalig zu sein.“ Auch die zweite DAV-Vorsitzende Claudia Carl informierte bei der vergangenen Mitgliederversammlung darüber, dass das Konzept vom Bundesverband bestätigt sei und ans Bauamt geschickt werden könne. „Dort hatte man aber vorher noch nie von solch einer Voraussetzung gehört“, sagte sie. Stadtsprecher Demos zufolge handelt es sich bei dem Sicherheitskonzept allerdings nicht um eine Sondervoraussetzung der Stadt Hannover, sondern lediglich um eine Art der Auslegung des dritten Paragrafen der Niedersächsischen Bauordnung. „Allerdings ist die Sicherheit etwas, das man nicht hoch genug hängen kann, und gerade bei Kletteranlagen sind die Anforderungen besonders hoch“, sagt er.

Dass die Stadt in puncto Sicherheit bei Kletteranlagen so genau hinschaut, geht schließlich auf ein tragisches Unglück zurück. 2007 stürzte ein Elfjähriger im Hochseilgartenbereich der mittlerweile geschlossenen Campo-Arena in Anderten aus acht Metern Höhe auf den Betonboden, er starb wenig später an seinen Verletzungen. Die beiden Geschäftsführer wurden vor Gericht zwar nicht wegen fahrlässiger Tötung verurteilt, doch der Fall offenbarte das Fehlen von Sicherheitsvorschriften für Hochseilanlagen. „Der Unfall hat die Risiken, die mit dem Betrieb einer derartigen Einrichtung einhergehen, bei allen Beteiligten wieder ins Bewusstsein gerufen“, sagt Demos.

Dazu ist manchmal nicht mal eine neue Vorschrift nötig. Da die Universität ein Landesbetrieb ist, hätte das Hochschulsportzentrum bei der Planung ihrer Kletterwand auf die strenge Auslegung des Sicherheitsparagrafen durch die Stadt eigentlich keine Rücksicht nehmen müssen. Dennoch wurde vorab ein umfangreiches Sicherheitskonzept vorgelegt. „Das ist einfach selbstverständlich“, sagt der kommissarische Leiter des Hochschulsports, Sebastian Knust.

Von Isabel Christian

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