Hannover. Demnach soll jeder Bürger die Tonnengröße künftig frei wählen können. Die Sackabfuhr im Umland soll auch mit der neuen Gebührenstruktur nicht abgeschafft werden.
In der Stadt müssen bisher selbst Ein-Personen-Haushalte mindestens eine 60-Liter-Tonne mit 14-täglicher Leerung nehmen und 8,15 Euro monatlich zahlen, obwohl diese Tonnen in den meisten Fällen deutlich zu groß sind. Hinzu kommen die monatlichen Kosten für die Biotonne von mindestens 8,45 Euro. Ein Vorschlag, der derzeit bei aha erarbeitet wird, sieht ein deutlich flexibleres System vor. Künftig könnten als kleinste Tonnen zusätzlich auch 40-Liter-Behälter verteilt werden, die entsprechende monatliche Müllmenge soll dann durch den Abfuhrrhythmus geregelt werden. „Beispielsweise kann man eine 40-Liter-Tonne oder auch jede andere verfügbare Größe wöchentlich, alle zwei Wochen oder einmal im Monat abholen lassen“, heißt es aus den Reihen der Planer.
Damit die Müllwerker bei der Abfuhr nicht durcheinander kommen, sollen die Tonnen für den jeweiligen Abfuhrrhythmus mit farbigen Aufklebern versehen werden. Das von einigen Experten vorgeschlagene Wiegen der einzelnen Mülltonnen bei der Abholung wird es nach den bisherigen Plänen nicht geben. Das System könnte dazu führen, dass sich missliebige Nachbarn gegenseitig Müll in die Tonne werfen, heißt es. Auch sei der Aufwand sehr groß: Jedes Müllfahrzeug benötigte einen Computer mit einer Online-Verbindung in die Zentrale. Außerdem befürchtet man viele Beschwerden über mögliche Falschabrechnungen.
Mit der Einführung des neuen Systems soll in Zukunft auch in der Landeshauptstadt eine einheitliche Grundgebühr erhoben werden, wie es sie im Umland bereits gibt. Dort beträgt sie 12,40 Euro im Monat. Darüber hinaus fallen Gebühren je nach Menge des Abfalls an: So müssen beispielsweise pro 20 Liter Restabfall zusätzlich 50 Cent bezahlt werden.
In Stadt und Umland gelten aus historischen Gründen unterschiedliche Gebührensätze. In der Landeshauptstadt hatten sich in der Vergangenheit immer wieder Bürger beklagt, weil aha ihnen die Tonnengröße vorschreibt. Rot-Grün hatte vereinbart, bis zum Beginn des neuen Gebührenzeitraums im Jahr 2013 eine neue Struktur bei den Abfallgebühren zu vereinbaren. Ziel ist es, die beiden Gebührensysteme „weitestgehend anzugleichen“. Die CDU hatte in der Vergangenheit wiederholt eine drastische Senkung der Müllgebühren in Stadt und Umland gefordert. Das ist jedoch aus der Sicht von aha nicht möglich, weil bestimmte Leistungen wie die Sperrmüllabfuhr oder die kostenlose Annahme auf den Wertstoffhöfen dann nicht mehr finanziert werden könnte.
Um verlässliche Daten zur Berechnung der neuen Gebührenstruktur zu erhalten, plant aha derzeit, alle Grundstücksinhaber zumindest in der Landeshauptstadt anzuschreiben. Diese sollen dann Auskunft über die Zahl der Wohnungen und der Betriebe auf dem Grundstück geben. Es wird damit gerechnet, dass es bis zum Beschluss des neuen Gebührensystems viele Diskussionen unter den Politikern in der Regionsversammlung und im Rat der Landeshauptstadt geben wird. Gleichzeitig muss aha sich mit dem neuen Müllgesetz beschäftigen, das derzeit in Berlin beraten wird. Der Abfallwirtschaftsbetrieb befürchtet, dass Privatunternehmen in der Region Wertstoffe wie Metall und Bekleidung sammeln, aha dadurch eine Einnahmequellen entgeht und die Müllgebühren angehoben werden müssen.
Mathias Klein
HAZ.de Anmeldung