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Aus der Stadt Wie gut ist das neue "Wintervarieté" des GOP?
Hannover Aus der Stadt Wie gut ist das neue "Wintervarieté" des GOP?
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19:06 28.10.2016
Von Uwe Janssen
Ein Vollbad ist nicht immer entspannend: Die GOP-Artisten vollführen ihre Kunststücke (auch) am Wannenrand. Quelle: Wilde
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Hannover

Wasser? Wenn Akrobaten auf der Bühne stehen, hat Wasser allerhöchstens in der Flasche etwas zu suchen. Ansonsten ist Wasser der natürliche Feind des Körperkünstlers. Aber wie das eben so ist in der Kunst: Manchmal entsteht aus dem Miteinander von Gegensätzen eine ganz besonders reizvolle Kombination. Und bei „Wet“ ist das genau so. Ein erstaunliches Spektakel ist das, was die Zuschauer des diesjährigen GOP-Wintervarietés vom 26. November an zu sehen bekommen werden. Auf der Bühne der Orangerie wird es keine üblichen Requisiten geben. Sondern lauter Badewannen. Und Schläuche. Und den Akrobatenfeind Wasser. Klar ist: Dröge wird’s nicht.

"Wet - the show" wird in diesem Jahr im Wintervarieté des GOP Hannovers in Herrenhausen Einzug halten.

Die Badewanne als Turngerät – darauf muss man erst mal kommen. Markus Pabst und Maximilian Rambaek haben sich das vor zehn Jahren ausgedacht und es unter dem Namen „Soap“ zu einem der größten deutschen Varieté-Schlager im Ausland gemacht, der sogar in Australien viele Freunde hat. „Im Opera House in Sydney zu spielen ist für eine deutsche Varieté-Produktion wirklich ein Hammer“, sagt Werner Buss. Der frühere hannoversche GOP-Direktor ist heute künstlerischer Leiter der GOP Entertainment Group, die sich mittlerweile in sieben deutschen Städten ausgebreitet hat und nun „Wet“ über die eigenen Bühnen touren lässt.

In München, wo das Varieté seit 2008 in einem schmucken, umgebauten Boulevardtheater an der Maximilianstraße zu finden ist, gastiert das feuchte Vergnügen noch bis zum 6. November. Dann wird dort das Wasser abgeklemmt und das Wannieté nach Herrenhausen verfrachtet. Womit sich auch für Werner Buss ein zehn Jahre alter Wunsch erfüllt: „Als Markus Pabst mir 2006 von seiner Idee erzählte, wollte ich das unbedingt in der Orangerie haben.“ Weil es keine GOP-eigene Produktion war, startete es in Berlin, wo die Regisseure und Künstler lebten. Aber: „Man begegnet sich immer wieder im Leben“, sagt Buss, das Projekt habe er nie aus den Augen verloren. Nun wird endlich im GOP gebadet.

Fünf Badewannen auf verschiedenen Ebenen haben in München Platz auf der Bühne. In der oberen thront eine Operndiva, die sich unter anderem an diversen Interpretationen von „Pack die Badehose ein“ versucht. In den Bassins unter ihr geht es mal furios, mal albern zu, manchmal auch sinnlich und erotisch – und da hat dann auch mal das Filmklischee vom klitschnassen, tropfenschleudernden Tänzer im Gegenlicht seinen Platz.
Andere Darbietungen lassen klar werden: Wannenturnen ist eine Rand-Sportart, die man zu Hause keinesfalls nachmachen sollte. Die Ränder sind zwar dünn und halbwegs griffig, aber auf ihnen wie auf einem doppelholmigen Barren zu turnen ist schon halsbrecherisch. So ganz verzichtet „Wet“ auf übliches Varieté-Inventar aber auch nicht. Die Künstler erheben sich immer wieder aus ihren Keramikschüsseln, um an den Strapaten, am Vertikaltuch oder am Trapez zu brillieren oder mit unzähligen Bällen oder Reifen zu jonglieren. Für Clownerie bietet die Badewanne ohnehin genug Anlässe. Ein Wischmop-Ballett schlägt einen kleinen Erinnerungsbogen zu „Stomp“, einer anderen Show, die schon vor 30 Jahren viele unterschiedliche musikalisch-rhythmische Disziplinen unter einem Mottodach versammelte. „Was das Stück so erfolgreich macht, ist vermutlich diese Mischung“, sagt Erfinder Markus Pabst, „ich kenne keine Show, bei der am Anfang alle Akteure in Unterhose dastehen, die aber trotzdem so familientauglich ist.“

Mittlerweile haben diese Themenprogramme das alte moderierte Varieté abgelöst, auch das GOP verfolgt konsequent diesen Weg. „Wet“ ist ein Höhepunkt dieser Entwicklung, weil die Nasszellenidee keine Showtapete ist, sondern mit echten Wannen und echtem Wasser echte Vorgaben macht. Das Ergebnis zeigt, wie viel aus einem solchen Set-up herauszuholen ist, wenn man Fantasie und Mut hat.

In München wurde „Wet“ gefeiert. Hannover hat sogar noch einen Vorteil. Die ersten Zuschauerreihen in der Orangerie sind ein bisschen weiter vom spritzigen Bühnengeschehen entfernt. Aber mehr als ein paar Tropfen werden es auch nicht sein. Und einen solch exklusiven Blick in anderer Leute Badezimmer gibt es ja auch selten.

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