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Aus der Stadt Neuer Ärger mit Problemaufzug im Gagfah-Altenwohnheim
Hannover Aus der Stadt Neuer Ärger mit Problemaufzug im Gagfah-Altenwohnheim
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16:05 10.06.2011
Von Conrad von Meding
Schön wieder gibt es in der Altenwohnanlage in der Gorch-Fock-Straße Ärger mit dem Fahrstuhl. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Monatelang war der Aufzug einer Altenwohnanlage in der Gorch-Fock-Straße in der List wegen technischer Defekte in den Schlagzeilen, jetzt konnte er für den Transport eines verstorbenen Bewohners nicht geöffnet werden. Der Leichnam musste am Ende im Tragesack aus dem dritten Stockwerk über die Treppen hinabtransportiert werden. Es war kein Hausmeister greifbar, um den Schlüssel für die Aufzugserweiterung auszuhändigen, mit der die Kabine für Kranken- und Sargtransporte vergrößert werden kann. Eine Sprecherin der Betreiberfirma versicherte, dass künftig ein zusätzlicher Schlüssel im Haus hinterlegt werden solle.

„Die Zustände hier sind unhaltbar“, kritisiert Bewohner Steffen Kipka. „Sogar die Polizei war erstaunt, dass bei einem Todesfall in einer Altenwohnanlage abends kein Hausmeister ansprechbar ist.“ Die Wohnanlage in der List gehört Deutschlands größtem Wohnungsunternehmen Gagfah, das inzwischen an der Börse notiert ist und drastische Sparbemühungen offenbart. „Die Stadt weist der Gagfah die Mieter über das B-Schein-System zu“, sagt Kipka: „Sie hat damit eine Mitverantwortung für das, was hier passiert.“

Bewohnern war aufgefallen, dass ihr Mitbewohner Helmut M. tagelang nicht zu sehen war und auch auf Klopfen und Klingeln seine Tür nicht öffnete. Kipka kletterte trotz seiner 65 Jahre über den Balkon zur Nachbarwohnung und sah von dort den Leichnam auf dem Boden liegen. „Ich werde diesen Anblick nicht vergessen“, sagt der Senior. Die herbeigerufene Polizei stellte den Tod des Mannes fest. Eine Sprecherin bestätigte, dass es keine Hinweise auf Fremdverschulden gab. Deshalb sei der Leichnam für den Abtransport freigegeben worden. Doch als der Bestatter nach dem Schlüssel für die Aufzugserweiterung fragte, um den Sarg zum Auto befördern zu können, war der Schlüssel nicht vorhanden. Kipka berichtet, dass er trotz der frühen Abendstunde noch den Gagfah-Regionalleiter in Hamburg erreicht habe. Der habe ihn aber höchst unwirsch abgewiesen: „Was denken Sie sich eigentlich? Die Hausmeister sind doch nicht 24 Stunden im Einsatz.“

Altenwohnanlage wirbt mit betreutem Wohnen

Gagfah-Sprecherin Bettina Benner betont, dass es durchaus einen technischen Hausmeister-Notdienst gebe: „Die Nummer hängt im Treppenhaus aus.“ Bewohner berichten allerdings, dass ihre Bitten um technische Hilfestellungen nur selten erhört werden. Zuletzt war im Herbst eine 68-jährige Bewohnerin schwer gestürzt, als der häufig defekte Aufzug nicht auf Höhe des Treppenpodests gehalten hatte und sie von der unerwartet hohen Trittstufe aus hinabstolperte.

Die Altenwohnanlage wirbt mit betreutem Wohnen, ist aber nur für Senioren geeignet, die ihren Haushalt noch selbst führen können. Die einzige Betreuungsdienstleistung besteht darin, dass eine Mitarbeiterin der Diakonie regelmäßig Beratungen anbietet. Diakoniepastor Hans-Martin Joost bestätigte aber jüngst, dass man mit der Kooperation nicht sonderlich zufrieden sei, weil die Gagfah sich gegenüber den Mietern nicht immer angemessen verhalte.

Die Gagfah-Sprecherin sagte zu, dass der Schlüssel künftig im Haus hinterlegt werden soll. Nach HAZ-Informationen soll Bewohner Kipka bereits gefragt worden sein, ob er den Schlüssel in Obhut nehmen will. Der aber will diese Aufgabe nicht übernehmen: „Ich bin hier Bewohner und kein Hausmeister.“

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