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Aus der Stadt „Fühle mich als Botschafter der Stadt“
Hannover Aus der Stadt „Fühle mich als Botschafter der Stadt“
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00:17 22.06.2014
Frisch gewählt: Thomas Hermann ist neuer Ratsvorsitzender und Bürgermeister von Hannover. Quelle: Behrens
Hannover

 Herr Hermann, für Sie brechen neue Zeiten an. Anstelle von kämpferischen Reden im Rat halten Sie bald milde Grußworte bei Kita-Eröffnungen. Haben Sie plötzlich Ihre weiche Seite entdeckt?

Es hat nichts mit Weichheit zutun, Bürger für Projekte zu begeistern und die richtigen Worte bei repräsentativen Veranstaltungen zu finden. Mein Vorgänger, Bürgermeister Bernd Strauch, hat dies glänzend verstanden. Ich werde mich in meine neue Rolle hineinfinden.

Aber Hand aufs Herz: Vermissen Sie nicht schon jetzt die politische Arena, den Streit ums beste Argument? In Ihrer letzten Bauausschusssitzung haben Sie sich auffällig zurückgehalten.

Bis auf eine Drucksache haben wir einstimmige Beschlüsse gefasst. Allerdings gehen mir derzeit viele Gedanken durch den Kopf, wie ich meine neuen Aufgaben als Bürgermeister, aber auch als Ratsvorsitzender ausfüllen kann. Mag sein, dass ich daher etwas ruhiger wirke. Aber: Ich kehre der Kommunalpolitik ja nicht den Rücken. Ein Bürgermeister repräsentiert zwar die Stadt, aber es ist beileibe kein unpolitisches Amt.

Dennoch geben Sie alle einflussreichen Posten in der SPD-Fraktion ab. Sie sind nicht mehr Fraktionsvize, das wichtige Bauressort überlassen Sie anderen...

...aber ich werde an den Sitzungen der Fraktion teilnehmen, so weit es meine Termine zulassen. Zudem bleibe ich bis Ende der Wahlperiode Vorsitzender des Aufsichtsrates der GBH. Das städtische Immobilienunternehmen steht zusammen mit der Union Boden vor großen Herausforderungen. Da ist es von Vorteil, wenn es im Kontrollgremium noch eine gewisse Kontinuität gibt.

Selbst die Ratsopposition bedauert, dass sie einen streitbaren, aber zweifellos kompetenten Gegner verliert. Man glaubt jedoch, dass Sie sich als Bürgermeister mehr in die Stadtpolitik einmischen als Ihr Vorgänger.

Im Gesetz heißt es eindeutig, dass ein Bürgermeister den Oberbürgermeister bei repräsentativen Anlässen vertritt. Die Frage stellt sich aber, wie ich meine Pflichten ausfülle, welche überparteilichen Gestaltungsspielräume sich mir eröffnen. Darüber denke ich derzeit nach. Zudem übernehme ich von Strauch den Vorsitz des Internationalen Ausschusses sowie die Leitung des Kommunalen Kriminalpräventionsrates. Sie sehen also: Ich bin nicht raus aus der Politik. Im Übrigen nehme ich viele konstruktive Gespräche über alle Parteigrenzen hinweg wahr. Es geht doch in der Kommunalpolitik meist um die Sache.

Lassen Sie uns an Ihren Überlegungen teilhaben: Welche Spielräume wollen Sie sich im täglichen Terminmarathon eines Bürgermeisters eröffnen?

Ich sehe im Moment zwei Themenfelder, in denen ich mich engagieren möchte. Zum einen verstehe ich mich als Botschafter der Stadt nach außen und nach innen. Ich kann mir gut eine aktive Rolle bei der Förderung unserer Städtepartnerschaften vorstellen. Sie dürfen sich nicht in Sportleraustauschen erschöpfen. Hannover gehört zu den Gründungsmitgliedern der Mayors for Peace. Der Beteiligung Hannovers an diesem internationalen Bündnis möchte ich wieder mehr Gewicht verleihen. Zum anderen will ich für ein demokratisches Gemeinwesen werben. Und dies insbesondere bereits Kindern und Jugendlichen vermitteln. Ich verstehe mich gewissermaßen als eine Art Werbeblock in Sachen Demokratie und Teilhabe.

Sie haben vor der Wahl allen Fraktionen angeboten, sich vorzustellen. Haben Sie auch den rechtskonservativen „Hannoveranern“ einen Besuch abgestattet?

Ja, denn als Ratsvorsitzender, der ich künftig auch sein werde, wäre es ein fatales Signal, eine politische Gruppe auszuschließen. Das heißt aber nicht, dass ich deren Meinung teile. Ich setze mich schon sehr kritisch mit den „Hannoveranern“ auseinander.

Wer tritt denn in Ihre Fußstapfen in der Baupolitik?

Das ist noch nicht klar. Es wird sich innerhalb der kommenden drei Wochen entscheiden, wer aus der SPD baupolitischer Sprecher wird. Meinem Nachfolger stehen mit dem Fraktionsreferenten Albert Rehse und dem übrigen Bau-Team kompetente und erfahrene Mitstreiterinnen und Mitstreiter zur Seite.

Herr Hermann, es hieß bisher hinter vorgehaltener Hand, dass die Koalition aus SPD und Grünen so lange hält, wie Thomas Hermann und sein Freund und Kollege Michael Dette an einem Strang ziehen. Jetzt wechseln Sie die Seiten und Dette wird bei der nächsten Kommunalwahl nicht mehr antreten. Der Anfang vom Ende für Rot-Grün?

Sicher nicht! Die Zusammenarbeit mit Michael Dette ist schon etwas Besonderes. Wenn wir einen positiven Beitrag zum Erfolg der rot-grünen Koalition leisten konnten, dann freut mich das. Aber Rot-Grün existiert schon viel länger erfolgreich als Dette und Hermann.

Interview: Andreas Schinkel

Zur Person

Thomas Hermann gehört dem Rat der Stadt seit 13 Jahren an. Der 55-Jährige ist ein hannoversches Gewächs. Geboren und aufgewachsen in der Landeshauptstadt, hat er an der Uni Hannover Sozialwissenschaften studiert. Hermann wohnt in der Südstadt und hat dort viele Jahre den SPD-Ortsverein geführt. Seit 1998 arbeitet er als Referent im niedersächsischen Sozialministerium. Mit seinem Arbeitgeber hatte Hermann bereits zu seiner Zeit als Ratsherr eine „großzügige Freistellungsregelung“ ausgehandelt, wie er sagt. Die dürfte jedoch kaum ausreichen, um den ehrenamtlichen Vollzeitjob als Bürgermeister aufzufangen.

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