Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Neuer Chef des Zoos Hannover stellt sich vor
Hannover Aus der Stadt Neuer Chef des Zoos Hannover stellt sich vor
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:57 22.06.2011
Von Mathias Klein
Giraffenbulle Schorse bekommt von Zoochef Frank Werner etwas zu fressen. Quelle: Ralf Decker
Anzeige
Hannover

Er hat den Blick für Details. „Ein kleiner Frosch“, sagt Frank Werner und deutet auf die Türschwelle zum Giraffenstall. Er fängt das winzige Tier und zeigt es stolz in seiner Hand. Vor anderen Tieren hat der 47-Jährige mehr Respekt. Als er für Fotografen mit einem Steppenadler posieren soll, sagt er zunächst: „Gut, ich stell mich daneben.“ Dann lässt er sich doch überreden den Lederhandschuh anzuziehen und nimmt den Adler auf seinen Arm. Der Greifvogel sieht nicht ängstlich aus.

Seit dem 1. März ist der 47-Jährige Geschäftsführer des Zoos, Herr über 3414 Tiere in 237 Arten. Zunächst war Werner das gemeinsam mit dem langjährigen Zoochef Klaus-Michael Machens, seit dessen fristloser Kündigung knapp einen Monat später durch den Aufsichtsrat steht er allein an der Spitze. Gestern präsentierte sich der Betriebswirt, der im Zoo 13 Jahre lang im Hintergrund gearbeitet hat, erstmals der Öffentlichkeit.

„Nach der Entwicklungs- und Bauphase muss der Zoo in eine Betriebsphase gebracht werden“, sagt Werner, der einen Fünfjahresvertrag hat. Mit diesem ab-straktem Satz meint er, dass interne Abläufe verbessert und die Teamarbeit weiter ausgebaut werden müsse. Und der Zoo müsse sich immer wieder ausdenken, wie er Besucher anlocke. „Schließlich konkurrieren wir mit vielen anderen um die Freizeit der Menschen“, meint der leidenschaftliche Skifahrer und Segler. Und das müsse jetzt ohne spektakuläre Neubauprojekte funktionieren. „Es gibt eine Aufgabe, und die wird erledigt“, sagt er dann noch. Und es klingt ehrlich zupackend.

Und dann sind da noch die dringend nötigen Sanierungen, die wegen der millionenschweren Neubauprojekte im Zoo immer wieder aufgeschoben wurden. Als Beispiele nennt der Zoochef den Stall von Giraffenbulle Schorse und seinen Artgenossen, das Tropen- und das Affenhaus, die Voliere und auch Sozialräume für die Mitarbeiter sowie Lagerkapazitäten. Bald werde es auch einen Masterplan geben, in dem steht, was im Zoo wann saniert werden solle – in Absprache mit dem Aufsichtsrat. Im Moment ist er zuversichtlich, dass einiges angepackt werden kann. Denn wegen des guten Wetters vor allem im Mai sieht es auf der Einnahmenseite gut aus, schließlich liegt die Zahl der Besucher bisher rund 100.000 höher als in der Planung. Bis gestern waren in diesem Jahr rund 740.000 Menschen in den Zoo gekommen, im vergangenen Jahr waren es im gleichen Zeitraum etwa 612.000.

Kritische Worte über seinen früheren Chef und Vorgänger Machens findet Werner nicht. Nur einmal sagt er: „Man kann den Zoo nicht als Ein-Mann-Veranstaltung betreiben.“ Aber er wünscht sich einen Friedensschluss zwischen dem Aufsichtsrat mit Regionspräsident Hauke Jagau an der Spitze und Machens, die derzeit kurz vor einem Prozess stehen. „Es muss eigentlich eine gütliche Einigung geben“. Der Streit um die Kündigung bedeute aber für den Zoo keinen nachhaltigen Schaden, meint Werner. „Die Leute kommen nicht wegen des Zoodirektors sondern wegen des Zookonzepts hierher.“

Bildungsarbeit als neues Ziel des Zoos

Der Vater von vier Kindern möchte den Zoo mehr für die Bildungsarbeit nutzen. Als Beispiel nennt er die Zooschule, in der Schulklassen mehrere Tage im Zoo verbringen können. „Die macht eine sehr erfolgreiche Arbeit, aber die Landesschulbehörde steht da nicht richtig hinter.“ Da es nur einen Raum und einen Lehrer gibt, betrage die Wartezeit bis zu drei Jahren.

Der neue Zoochef schreckt auch vor Kritik an der Stadt nicht zurück. So stellt er beim Thema Parkplatz für Reisebusse fest, der Zoo sei bei der Planung von Wohnbebauung auf dem Platz an der Mars-la-Tour-Straße zu spät eingebunden worden. „Da gibt es Optimierungsbedarf“, meint er. Derzeit werde überlegt, ob die Busse auf dem Randstreifen der Clausewitzstraße, auf dem Schlachthofgelände oder auf dem Zooparkplatz abgestellt werden könnten.

„Man muss gut jonglieren können, weil man hier mit vielen Bällen spielen muss“, sagt Werner über seinen neuen Posten. Heute zum Beispiel empfängt er über 100 Zoodirektoren aus dem deutschsprachigen Raum zu ihrem jährlichen Kongress. Wenn er dann zu Hause in Waldhausen ist, liebt er es, gemeinsam mit seiner Familie komplett abzuschalten. „Es gibt ein Leben neben dem Zoo“, sagt er. Vielleicht haben die Werners deshalb als einzige Tiere nur zwei Wellensittiche.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Mehr zum Thema

Der fristlos entlassene Zoochef Klaus-Michael Machens wird sich nicht wegen Untreue vor Gericht verantworten müssen. Die Staatsanwaltschaft Hannover sieht dafür keine hinreichenden Anhaltspunkte. Die Gegenseite will gleich am Montag Beschwerde einlegen.

14.05.2011

Mit Erstaunen haben Regionspolitiker auf die hohe finanzielle Forderung von Zoochef Klaus-Michael Machens reagiert, von der Regionspräsident Hauke Jagau in der jüngsten Sitzung des Zoo-Aufsichtsrates berichtet hatte. Darin ließ Machens durch seinen Anwalt verlauten, dass er im Falle einer Absage Forderungen in Höhe eines „fünfmaligen Jahreseinkommens“ stellen würde.

Mathias Klein 19.02.2011
Aus der Stadt Vertrag von Zoochef Machens - Beim Zoostreit droht Schlammschlacht

Der Streit um den Vertrag des Zoochefs Klaus-Michael Machens droht in Hannover zu einer Schlammschlacht zu werden. Läuft der Vertrag Machens aus, wird er verlängert und wenn ja wie lange?

04.02.2011

Die Bahn hat ihre Pläne für ein generelles Alkoholverbot im hannoverschen Hauptbahnhof aufgegeben. Dafür verstärkt der Sicherheitsdienst des Unternehmens seine Streifengänge in dem Gebäude ab sofort - und will verstärkt auf "übermäßigen" Alkoholkonsum achten.

21.06.2011

Egal ob elektronischer oder klassischer Rock oder Rap, Beat oder Blues, Swing oder Samba – bei Fête de la Musique in Hannover war für jeden Geschmack etwas dabei. Vom Steintorplatz über die Georgsstraße bis hin zum Opernplatz brachten über 1500 Musiker, gut 200 Bands und 150.000 Zuschauer die Stadt zum Vibrieren und lieferten eine beeindruckende Werkschau über alle Musiksparten hinweg.

22.06.2011

Nachdem Pfingsten eine Feier mit 700 Gästen eskaliert ist, droht jetzt ein Großgelage in der Masch: Die Polizei Hannover erwartet zu Ferienbeginn eine große Party an den Ricklinger Kiesteichen.

22.06.2011
Anzeige