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Aus der Stadt „Ich arbeite ja nach Gefühl“
Hannover Aus der Stadt „Ich arbeite ja nach Gefühl“
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00:15 23.08.2016
Von Jutta Rinas
Eilenriede in düster: Autor und Zeichner Ingo Siegner schickt die von ihm geschaffenen Rattenkinder Eliot und Isabella für ein neues Abenteuer in den Finsterwald. Der neue Band ist ab Montag in den Buchläden erhältlich. Quelle: Kutter
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Hannover

Eigentlich soll es ja um Eliot und Isabella gehen. Der hannoversche Autor und Zeichner Ingo Siegner bringt nach fünf Jahren endlich wieder einen Band mit den Abenteuern der beiden Rattenkinder heraus. Aber auf seinem Zeichentisch in dem lichtdurchfluteten Zimmer seiner Altbauwohnung in der List liegt keines der Rattenkinderbücher. Die sind schon fertig getextet und illustriert. Was da liegt, ist eine Bleistiftillustration eines neuen Erdmännchenbandes. Der soll auch im Herbst auf den Markt kommen. Und es ist mittlerweile neun Jahre her, dass Siegner das letzte Abenteuer von Gustav, Pauline und Rocky aus dem hannoverschen Zoo erzählt hat, jenen Tierchen also, die gemeinhin mit wenig Aufmerksamkeit bedacht werden - in Hannover seit dem Erscheinen der Siegner-Bücher aber kleine Berühmtheiten sind. Im schnelllebigen Kinderbuchgeschäft sind fünf Jahre lang. Neun Jahre sind eine halbe Ewigkeit. Auf dem Schreibtisch liegt also - zumindest für hannoversche Verhältnisse - ein kleiner Schatz. Und da Siegner gerade sowieso gedanklich bei den Erdmännchen ist („Wenn ein Buch raus ist, dann ist es erst mal weg, bis ich auf Lesereise gehe.“) geht es nun um Gustav, Pauline, und Rocky. Genauer gesagt um das Flusspferd und das Känguru. Siegner zeigt eine Illustration nach der anderen, lacht, gestikuliert, während er die Story (Arbeitstitel „Kunstraub im Sprengelmuseum“) erzählt: eine wilde Detektivgeschichte, in der ein Bild von Paul Klee eine wichtige Rolle spielt.

Das bleibt auch so, als er sich „Eliot und Isabella“ widmet. Siegner spricht nicht über seine Geschichten. Er lebt sie vor. Das wissen viele Kinder, weil es seine Lesungen auszeichnet. Es ist - zumindest an diesem Tag - auch zu Hause so. Da ist zum Beispiel die Lyrikerin Eleonore Windschief, die anfangs wegen der Alliteration Wilhelmine hieß und sich dann zu der kräftig klingenderen Eleonore entwickelte. Siegner brauchte am Ende eben nicht nur einen Namen für eine Dichterin, sondern einen Namen für eine dichtende alte Ratten-Powerfrau mit Schrotflinte. Der 51-Jährige, selbst Vater eines 25-jährigen Sohnes, amüsiert sich königlich, als er ein Windschief-Gedicht aus seinem Buch rezitiert. Das scheppert nämlich immer so ein bisschen neben dem klassischen Reimschema nebenher: „Das“, sagt Siegner, „ist doch crazy.“

Rattenjunge Eliot schreibt selbst Gedichte, seit dem ersten Band schon. Und in diesem wimmelt es davon. Es kommt dazu noch ein Romanautor vor. Es geht also ganz schön viel ums Schreiben. Selbstreflexiv, intertextuell, nennt man das auch. Viele Autoren machen das - ein bekanntes Beispiel ist Cornelia Funkes „Tintentrilogie“ - und viele sagen komplizierte, theoretische Sachen dazu. Siegner nicht. Der lacht, wenn man ihn fragt, ob er in „Eliot und Isabella im Finsterwald“ seine Rolle als Autor reflektiert. „Nö“, sagt er. „Keine Ahnung. Ich arbeite ja nach Gefühl.“

Für ihn sei der Maßstab, ob ihn seine Geschichten fesselten. Ein Maßstab ist aber wohl auch die Wirkung auf Kinder: Selbst der härteste Kreuzberger Junge werde ruhig, wenn er Reime vortrage, sagt Siegner. Singen und Reimen sprächen Kinder emotional an.

Auf keinen Fall wolle er belehren, sagt er noch. Aber Eliots Mutter ist auffallend modern: berufstätig. Sie fordert viel Selbständigkeit ein. Eliot muss selber packen, sich alleine auf die Reise zu Isabella machen.

Da lacht Ingo Siegner wieder. Das sei ihm tatsächlich sehr wichtig: „Ich kann dieses Übermuttern oder Übervatern nicht ab.“ Das Traurige sei doch, dass sich die Ängste der Eltern dann auf die Kinder übertrügen.

Warum hat er so lange mit dem vierten Band von „Eliot und Isabella“ gewartet. Der „Drache Kokosnuss“ sei die einzige Reihe, die er regelmäßig fortschreibe, sagt Siegner. Ansonsten wolle er nicht „in dieser Vertriebsschiene“ denken. Er brauche Zeit. Wichtig sei als Erstes immer die Frage: Wo spielt das Buch. Das sei jetzt eben ein „Finsterwald“. Dann kam ihm über einen Nachbarn, der einen Rollator benutzte, die Idee zu Opa Pucki. Der Großvater von Isabella braucht plötzlich auch so ein Ding - und gerät in Gefahr.

So langsam nimmt die Geschichte Fahrt auf. Von Montag an kann man sie in den Buchläden kaufen - und lesen. „Eliot und Isabella im Finsterwald“ ist bei Beltz & Gelberg erschienen, hat 136 Seiten und kostet 12,95 Euro.

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