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Buch über ungewöhnliche Freundschaft im Krieg

Mit Siegner-Zeichnungen Buch über ungewöhnliche Freundschaft im Krieg

Das Kinderbuch „Nadja und Nico“ erzählt von einer ungewöhnlichen Freundschaft im Hannover der Zeit des Nationalsozialismus. Ingo Siegner hat dafür die Titelhelden des Buches gezeichnet.

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„Kindern ruhig etwas zutrauen“: Autorin Janet von Stillfried stellte das Buch gemeinsam mit Ingo Siegner vor - der Illustrator hat ihren Titelhelden Nadja und Nico ein Gesicht gegeben.

Quelle: Philipp von Ditfurth

Hannover. Der Junge fällt ihr buchstäblich vor die Füße. Nadja arbeitet gerade im Garten einer Deutschen, als Nico beim Klettern aus einem Baum stürzt. Das Mädchen ist zwölf Jahre alt, aber sie hat bereits ein Martyrium hinter sich: Aus ihrem Heimatdorf in der Ukraine haben die deutschen Besatzer sie zur Zwangsarbeit nach Hannover verschleppt. Hier schuftet sie bei den Sichelwerken. Sie kennt das Leben im Lager an der Leinaustraße, die Holzbaracken, die Wanzen, die Schläge und das Heimweh. Und nun lernt sie den gleichaltrigen Nico aus der Elisenstraße in Linden kennen.

In ihrem Kinderbuch „Nadja und Nico - eine Freundschaft im Krieg“ (R.G. Fischer Kiddy Verlag. 123 Seiten, 10,90 Euro) erzählt Janet von Stillfried davon, wie die beiden Titelhelden einander gegen jede Wahrscheinlichkeit näherkommen. „Es geht darum, wie sie Vorurteile und Unmenschlichkeit überwinden“, sagt die Autorin, die das Buch jetzt im Kindermuseum Zinnober vorstellte. Ein auf beklemmende Weise passender Ort: „Im Krieg waren in diesem Gebäude Zwangsarbeiter einquartiert, die in der Rüstungsindustrie arbeiten mussten“, sagt Zinnober-Geschäftsführerin Renate Dittscheidt-Bartolosch: „Ihre Waschräume im Keller sind bis heute erhalten.“

Die Zeichnungen zu dem Buch hat der Illustrator Ingo Siegner („Der kleine Drache Kokosnuss“) beigesteuert. Dafür musste er recherchieren, wie Hitlerjungen oder die Frauen aus dem KZ Limmer damals gekleidet waren: „Das war schon eine Herausforderung“, sagt der 51-Jährige, der Janet von Stillfried aus dem gemeinsamen Geschichtsstudium an der Uni Hannover kennt. „Es ist aber wichtig, auch Kinder an dieses Thema heranzuführen“, sagt Siegner, „man darf ihnen da ruhig etwas zutrauen.“

Es gibt viele Kinderbücher über die NS-Zeit, doch wenige verorten die Ereignisse so konkret in Hannover: Nico, dessen Vater gefallen ist, erlebt die Luftangriffe auf Linden mit, die Nächte im Bunker am Pfarrlandplatz und das Antreten des „Jungvolks“ auf dem Bethlehemplatz. Und einmal schmuggelt er seine Freundin Nadja ins Apollo-Kino.

Die Historikerin Janet von Stillfried ist ausgewiesene Expertin für die Historie von Hannovers Lagern. Sie erzählt die Geschichte der Kinder, denen das richtige Leben im falschen gelingt, sehr kenntnisreich, aber teils auch in der nüchternen Sprache der Geschichtswissenschaftler. In die fiktive Geschichte seien authentische Berichte früherer Zwangsarbeiter eingeflossen: „Viele Überlebende erinnerten sich noch nach Jahrzehnten daran, dass sie von jemandem einmal ein Stück Brot oder ein gutes Wort bekommen haben“, sagt sie.

„Auch heute erleben Kinder in vielen Teilen der Welt wieder Krieg, und einige davon kommen zu uns“, sagt Illustrator Siegner. Wie die Geschichte dieser Kinder ausgeht, ist noch offen. Ebenso wie die von Nadja und Nico. Das Buch bricht etwas abrupt im Winter 1944 ab; wie diese Freundschaftsgeschichte endet, bleibt ungewiss. „Vielleicht“, sagt die Autorin, „gibt es einmal eine Fortsetzung.“

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