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Aus der Stadt Verbessert dieses Graffiti die Stimmung am Raschplatz?
Hannover Aus der Stadt Verbessert dieses Graffiti die Stimmung am Raschplatz?
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00:16 28.09.2016
Von Simon Benne
Ganz im Bilde: Die Fassadenkünstler Philipp von Zitzewitz (v. l.), Jascha Müller und Jonas Wömpner haben mit ihrem Kollegen Patrick Wolter (nicht im Bild) Wandgemälde geschaffen, welche die Grenzen von Realität und Fiktion verwischen. Die drei Künstler sind echt, alle Rolltreppen hingegen gesprayt. Und die Affen auch. Quelle: Thomas
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Hannover

Betonwände, kahle Treppen, Scherben liegen auf der Erde. Süchtige rauchen hier Crack, und oft lagern Trinker zwischen ihren Taschen auf den Treppenstufen. Dieser Teil des Andreas-Hermes-Platzes ist ein Stück Niemandsland zwischen Raschplatz-Hochstraße und Pavillon. Ein entlegener Platz, mitten in der Stadt. „Es ist aber auch ein spannender Platz“, sagt Philipp von Zitzewitz. Dann greift der Fassadenkünstler zur Spraydose und zieht ein paar Linien in dem Wandgemälde nach, das er hier geschaffen hat.

In den vergangenen drei Wochen hat der Graffiti-Künstler mit drei Kollegen buchstäblich Farbe auf den grauen Platz gebracht. Jetzt turnen hier junge Affen auf Rolltreppen herum, eine alte Affendame schiebt mit dem Rollator vorbei, eine grüne Üstra-Bahn fährt zwischen Urwaldpflanzen auf die Treppe zu, und auf einem Handlauf hat sich ein knallgelber Papagei niedergelassen. Die großen Wandmalereien haben das Gesicht des Platzes verändert. „Es geht in den Bildern um Großstadtdschungel und um Apokalypse“, sagt von Zitzewitz.

Das Projekt, angestoßen durch die Parkour-Läufer, die sich hier regelmäßig treffen, wurde möglich durch eine konzertierte Aktion von Jugendsportzentrum, Stadt und Jugendzentrum Glocksee. Rund 25.000 Euro hat das Projekt gekostet, an dem vier Künstler drei Wochen lang gearbeitet haben. Inzwischen ist das monumentale Werk bis auf den Feinschliff fertig. Die Künstler sprühen mit großer Präzision: „Radieren geht bei uns nicht“, sagt von Zitzewitz.

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Graffitikünstler haben Betonwände am Andreas-Hermes-Platz mit grandiosen Werken verziert – sie sollen die Atmosphäre am Trinkertreffpunkt hinterm Raschplatz verbessern.

Die Wandbilder hier beschäftigen sich unter anderem mit Parkour-Sport und Graffitikunst. Auf dem Üstra-Wagen findet sich ein Gemälde im Gemälde; dort prangt der gesprühte Schriftzug „Monkey Movements“. So nennt sich die Parkour-Gruppe hier. „Es sind Motive aus der Umgebung“, sagt Sprayer Jascha Müller. Der 37-Jährige trägt die Baseballcap verkehrt herum und hält eine Farbdose in der Hand: „Der Hintergrund soll weiter erkennbar sein, der Rohbeton und die älteren Graffiti sollen durchscheinen“, sagt er, während auf der Treppe hinter ihm ein lauter Streit unter Trinkern entbrennt.

Wochenlang haben die Künstler hier unter den Augen jener Zecher gearbeitet, die vielen Passanten Angst machen. Probleme habe es nicht gegeben, versichern sie. Nur einmal habe ein psychisch Kranker das Gemälde der Affen-Oma angegriffen: „Die Kratzer kann man noch sehen, wenn man genau hinschaut“, sagt von Zitzewitz. „Aggressiv wird hier aber selten jemand“, betont er. „Einige haben uns sogar Zigaretten angeboten.“

Die Frage, wer im öffentlichen Raum was darf und wo die Grenzen der Freiheit liegen, stellt sich bei Graffiti-Künstlern ebenso wie bei der Trinkerszene. An diesem ganz legalen Kunstprojekt haben im Rahmen eines Kreativworkshops auch sechs Jugendliche mitgewirkt. Von Zitzewitz spricht von „teilnehmender Jugendkultur“. Dahinter steckt auch der Gedanke, dass Menschen sich das zu eigen machen, was sie selbst gestaltet haben, und dass Jugendliche sich leichter mit diesem unwirtlichen Platz identifizieren, wenn sich ihre eigene Welt in seinen Wänden spiegelt.

In Hannover haben die Nanas einst dazu beigetragen, das Lebensgefühl der Stadt zu verändern. Kann so etwas am Andreas-Hermes-Platz im Kleinen gelingen? Obwohl der Versuch, den von Trinkern in Beschlag genommenen Raschplatz mit einem Bühnenprogramm zu beleben, erst kürzlich gescheitert ist? „Die Bilder werten den Platz auf“, sagt Pascal Allewelt, Sozialarbeiter aus dem nahen Obdachlosen-Kontaktladen Mecki. „Die passen künstlerisch gut hierher“, sagt er – und das sähen auch viele Obdachlose so.

Immer wieder seien sie während ihrer Arbeit von Trinkern angesprochen worden: „Die meisten fanden unsere Bilder gut“, sagt Graffitikünstler Jonas Wömpner. Er hat an eine Tunnelwand einen Tunneleingang gemalt. Dabei ist kaum zu erkennen, wo der gemalte Beton in den echten übergeht. Wäre dies ein Barockgemälde, würde man von einem „Trompe-l’œuil“ sprechen, einer optischen Illusion. In den Tunneleingang hat Wömpner die kauernde Gestalt eines Obdachlosen gemalt. Einer der Trinker habe ihn dafür gelobt, sagt er: „,Das ist das Leben’, hat er gesagt.“

Während Wömpner sich mit Handschuhen und Atemschutz wieder der Malerei zuwendet, diskutieren drei Männer, die an diesem Vormittag schon lange auf der Treppe sitzen, über die Wandkunst: „Sieht besser aus als das alte Grau“, sagt einer. „Aber die vielen Affen sind schon komisch“, sagt der zweite. „Das soll eben zeigen, dass Menschen sich manchmal wie Affen benehmen“, sagt der dritte. Der unwirtliche Ort wird für einen Moment zum Ort der Kunstkritik. „Man müsste das Ganze versiegeln“, sagt einer der drei schließlich. Er schaut auf die Graffiti. In seinem Blick liegt Anerkennung: „Nicht, dass andere Sprayer da am Ende was drüber schmieren.“

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